Unterm Strich überwiegt die Zuversicht

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Unterm Strich überwiegen bei der Tettnanger Belegschaft nach der Unbedenklichkeitszusage des Kartellamts Erleichterung und Zuver
(Foto: lk)
Sarah Gebhard, Hagen Schönherr und Kai Lohwasser

Nachdem das Bundeskartellamt keine Bedenken bei einem Zusammenschluss von Klinikum Friedrichshafen, Klinik Tettnang und 14 Nothelfer in Weingarten hat, könnte es schnell gehen mit einem Verbund. Jürgen Sachsenmaier, Geschäftsführer der Tettnanger Klinik, rechnet sogar damit, dass eine gemeinsame Lösung noch dieses Jahr Realität wird.

„Es ist gut, dass diese Entscheidung gefällt wurde“, sagte SabineHofmann-Stadtländer, Klinik-Expertin und stellvertretende Bezirksgeschäftsfüherin der Gewerkschsaft Verdi in Oberschwaben, am Montag im SZ-Gespräch. Es sei sehr zu begrüßen, dass die private Klinik in Tettnang jetzt „in die öffentliche Hand zurückkehrt“, so Hofmann-Stadtländer weiter. Auch wenn bislang noch keine Details zu möglichen Personalveränderungen in Folge der Fusion gebe, sehe sie derzeit überhaupt keinen Anlass „Befürchtungen zu haben“.

Genauer will sich die Gewerkschaft allerdings ansehen, was die Klinikleitungen künftig mit den sogenannten „patientenfernen Bereichen“ vorhaben, nachdem Waldburg-Zeil-Geschäftsführer Ellio Schneider dort Sparpotenzial verortet hatte. Solche Bereiche – Hofmann-Stadtländer spricht zum Beispiel von Personal für Reinigung oder die Küche – seien „extrem wichtig für Krankenhäuser“. Sollte es dort Veränderungen geben „ist klar, dass wir gefordert sind“, so die Gewerkschafterin weiter.

Matthias Schlunke, Betriebsrat am Klinikum Friedrichshafen, begrüßte die Klinikfusion im SZ-Gespräch ebenfalls und schwor die Arbeitnehmer an allen Standorten auf Zusammenarbeit ein: „Die Betriebsräte der betroffenen Krankenhäuser werden hierbei natürlich zum Wohle ihrer Mitarbeiter sich austauschen und zusammenarbeiten.“ Ziel müsse es jetzt sein, „die Arbeitsplätze im Sinne einer guten Patientenversorgung und guten Arbeitsbedingungen auszubauen“, sagte Schlunke weiter. Gefahren sieht der Häfler Betriebsrat allerdings bei der allgemeinen Krankenhausfinanzierung: „Es darf nicht verschwiegen werden, dass die katastrophale Krankenhausfinanzierung in allen eventuellen Problempunkten mit hinein spielt.“

Auch Boby Johny Plassery, Vorsitzender des Betriebsrates in Tettnang, ist zuversichtlich. „Aufgrund guter interner Zusammenarbeit im Klinikum Tettnang wird auch durch den Klinikverbund kein Problem gesehen“, so Plassery. Der Betriebsrat habe zudem regelmäßig die Mitarbeiter der Klinik informiert, Wünsche aufgenommen und sie auf dem Laufenden über den Entscheidungsfindungsverlauf des Bundeskartellamts gehalten. Plassery: „Wir sind offen für Veränderung, damit eine starke Einheit entsteht und ein Maximum an Gesundheitsbetreuung geleistet werden kann.“

Johannes Weindel, Leiter des Klinikums Friedrichshafen, gab am Montag auch weitere Details zu möglichen Veränderungen an den neuen Klinikstandorten bekannt. „Unsere klare Botschaft bleibt: Die Arbeitsplätze wollen wir sichern“, sagte er zunächst. Trotzdem schrecke er nicht vor Reformen zurück: „Man wird in beiden Häusern nicht alles belassen können wie es ist. Dass es Veränderungen geben wird, ist vollkommen klar.“

Zusammenlegen und spezialisieren

Man werde unter anderem über Zusammenlegungen nachdenken müssen, zum Beispiel in der Verwaltung der Häuser. Und auch wenn beide Kliniken sogenannte Häuser der Regel- beziehungsweise Zentralversorgung bleiben werden, führe wohl auch kein Weg daran vorbei, dass sich die Kliniken in einzelnen Bereichen weiter spezialisieren müssten. Zu all diesen Punkte gebe es aber noch keinerlei Pläne. Es sei Aufgabe der Klinikverwaltungen, diese im Jahr 2015 auszuarbeiten.

Für den Geschäftsführer der Klinik Tettnang überwiegt nach der Entscheidung des Bundeskartellamts erst mal die Zuversicht: „Wir sind froh, dass jetzt endlich eine Entscheidung gefallen ist.“ Seit nunmehr einem Jahr hatten die Mitarbeiter auf eine Entscheidung gewartet, denn „die Unsicherheit“ sei das größte Problem gewesen. Jetzt blicke man zuversichtlich in die Zukunft. „Eine vernünftige und notwendige Lösung auf einem hart umkämpften Gesundheitsmarkt“ nennt Jürgen Sachsenmaier die anstehende Verbundlösung mit dem Klinikum Friedrichshafen und dem Weingartener 14-Nothelfer-Krankenhaus. Bereits im Vorfeld seien sich darüber alle Beteiligten einig gewesen. Für den Geschäftsführer bleibt zu hoffen, „dass jetzt auch politisch nichts mehr“ anbrennt, denn die kartellrechtliche Entscheidung spielt den Ball jetzt dem Häfler Gemeinderat und dem Kreistag in die Hände.

Dr. Christian Fünfgeld verrät im Gespräch mit der SZ, dass anfangs auch eine gewisse Skepsis der Mitarbeiter vorhanden gewesen sei. Wird Friedrichshafen die Tettnanger Klinik im bestehenden Rahmen weiterbetreiben? Auch die Angst, dass Teilbereiche abgezogen werden könnten, seien lange Gesprächsthema gewesen. Für die Zukunft wünsche man sich daher eine Stärkung der Spezialbereiche am Tettnanger Standort und dass „wir im Bodenseekreis mit einem in der Akutversorgung erfahrenen Träger eine gute Krankenhausversorgung bieten können“.

Annette Schiepek, Leiterin des Funktionsdienstes Anästhesie in der Klinik Tettnang, ist ebenso wie viele ihre Kollegen „ehrlich erleichtert“ über die Entscheidung des Bundeskartellamts. Nachdem die Belegschaft ein Jahr im Ungewissen gewesen sei, würde sie sich nun auf die Zusammenarbeit mit dem Klinikum Friedrichshafen und dem Weingartener 14-Nothelfer-Krankenhaus freuen. Da die Anästhesie jedoch zum klassischen Dienstleistungsbereich gehöre, würde sich in Schiepeks Abteilung voraussichtlich nicht viel verändern. Für die Zukunft wünsche man sich, dass Klinik-Führungskräfte aus Tettnang in Gespräche involviert und an Prozessen in der Führungsebene beteiligt werden.

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