Uli Keuler begeistert in der vollen Aula

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 Eine Bühne, ein Stuhl, ein Mikrophon und Uli Keuler. Das garantiert in der Regel einen Abend mit hohem Unterhaltungswert und La
Eine Bühne, ein Stuhl, ein Mikrophon und Uli Keuler. Das garantiert in der Regel einen Abend mit hohem Unterhaltungswert und Lachanteil. (Foto: Oej)
Olaf E. Jahnke

Ein fast ausverkauftes Haus – das kennt man bei Uli Keuler, Jahrgang 1952, seit Jahrzehnten. Am Freitag sind 130 mundartlich Versierte in die Aula des Montfortgymnasiums gekommen. Der schwäbische Wortkünstler wurde von Spektrum-Kulturchefin Natasche Bruns als Kabarettist angekündigt. Aber tagespolitisch hielt er sich eher zurück. Ist er also doch der erste schwäbische Stand-Up-Comedian seiner Art?

Tatsächlich steht Keuler überwiegend. Ein Stuhl, ein Mikro und er selbst. Fast scheint es, er habe es eilig mit seinem Programm, gerade dass Platz für Applaus bleibt. Den gibt das Tettnanger Publikum reichlich. Es wird aber auch gefordert, denn in den Programmteilen gibt es keine Pausen – man tut also gut daran, aufmerksam zu bleiben, so schnell geht das. Offensichtlich macht er nicht nur Späße über die Kunst des Erinnerns, die Mnemotechnik, es scheint so, als ob er sich selbst damit erfolgreich beschäftigt hat.

Sein Programm heißt schon viele Jahre „Uli Keuler spielt“. Das ist brillantes Spielen mit Worten, und Situationen, mit alltäglichen Kommunikations-, Familien- , Urlaubs- oder Buchungssituationen. So bringt Keuler eine Assoziation nach der anderen. Besonders schön, wenn es mal absurd wird – oder die Situation skurril ausschweift. Wie beim navi-fehlgeleiteten Falschfahrer, der schließlich am Schalter der Tropfsteinhöhle, bei der er landet, ein Mautticket lösen will. Oder der in meditierender Langsamkeit gefangene Protagonist, der schließlich am Strand von einer Wanderdüne überholt wird.

Keulers Alltagsthemen werden durch Überhöhung komisch und gesellschaftskritisch. Da gibt es den überbehüteten Filius, den skrupellosen Ferien-Apartmentmieter oder den „Sparfuchs“ bei der Bahn. Der überlegt am Schalter laut, wie denn die neunköpfige Gruppe den für den Spartarif erforderlichen Familien- oder Kinderanteil erreicht: „Zählt eine 36-Jährige für vier Neunjährige?“ fragt Keuler, um noch weiter zu gehen: „Und wenn sie nachweislich schwanger wäre, könnte das mit in den Kinderanteil gerechnet werden?“ Hauptsache gespart, wie mit dem „Reise-nach-Jerusalem-Tarif, für 16 Personen 15 Plätze.

Ein Potpourri der Eindrücke verschaffen Keulers Erzählungen rund um die Stuttgarter „Lange Nacht der Museen“, die er sowohl vom erdachten Inhalt wie auch von den Besuchern her kräftig auf die Schippe nimmt. Mit Seitenhieben wird grundsätzlich nicht gespart, wie: „Sehenswert, der Erste Weltkrieg als Handpuppenspiel.“ Ziel ist zuweilen auch die Damenwelt, sei es bei Kritik an fehlgeschlagenen Bügelversuchen bei „Der alte Mann und die Bügelwäsche“ oder bei der hoffnungslosen Programmierung der neuen „Küche 4.0“, wo das Scheitern schon beim Wasserkochen anfängt. Internetanschluss hin oder her. Keuler identifiziert gleich den Grund, warum ihn der Computer nicht versteht: „Der Herd wurde halt auf Frauenstimmen programmiert.“

Gerne hinterfragt Keuler immer wieder Esoterisches oder Wellness-Praktiken. Das gipfelt in der „Wellness-Autowerkstatt-Oase“, wo zwar nicht festgestellt wird, wo das tropfende Öl herkommt, aber gefragt, wo es denn hinwolle.

Keulers Assoziations-, Wortwitz- und Situationsstakkato hält bis zur dritten Zugabe. Dann spielt er mit seinem Publikum bei seiner legendären letzten Zugabe: „Die Tür bleibt zu, Ihr hend des so wella, i han Zeit.“ So zelebriert er die Sensation, wie man mit einer Witzwiederholung jahrzehntelang und immer wieder und wieder wiederholt sein Publikum begeistert, das bis zum Schluss an den falschen Stellen lacht. „Goht an Ma en de Wald...“.

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