Tettnanger FDP macht Vorschläge zur Energiewende

Lesedauer: 5 Min
 Dogan Cimen (rechts) und Manfred Moosmann tauschen sich bei der Arbeitssitzung Energiewende aus.
Dogan Cimen (rechts) und Manfred Moosmann tauschen sich bei der Arbeitssitzung Energiewende aus. (Foto: FDP)
Schwäbische Zeitung

Der FDP-Ortsverband Tettnang hat Anfang April über den aktuellen Stand der Energiewende diskutiert. Dabei wurde vereinbart, Vorschläge zur Umsetzung der CO2-Ziele bis 2050 für die Gemeinde Tettnang auszuarbeiten. Ein erstes Ergebnis der Diskussionen im FDP-Ortsverband war die Erkenntnis, dass die Erstellung einer Ideenliste mit einzelnen Optimierungsmaßnahmen nur der Einstieg in das komplexe Thema sein kann, schreibt die FDP in einer Pressemitteilung. Nun hat sich die FDP in einer Arbeitssitzung ausgiebig mit dem Thema auseinandergesetzt.

Manfred Moosmann von den Tettnanger Liberalen wies in der Sitzung darauf hin, dass es nur auf Basis einer langfristigen strategischen Planung möglich sei, zielführende Einzelmaßnahmen und wirtschaftliche Lösungen für Tettnang abzuleiten. Wichtig sei es, sich der finanziellen Dimension der Energiewende bewusst zu sein. Laut FDP geht es um ein Investitionsvolumen von mindestens 2000 Milliarden Euro bis zum Jahr 2050. Auf Tettnang mit seinen 20 000 Einwohnern komme demnach bis 2050 eine Belastung von mehr als 500 Millionen Euro zu.

Nach Ansicht der Tettnanger FDP ist im ersten Schritt eine Vision des fast CO2-emissionsfreien Tettnang im Jahr 2050 hilfreich. Diese beschreibt beispielsweise die energetische Sanierung von kommunalen Gebäuden, die Umstellung des Gemeindefuhrparks auf alternative Antriebe oder die CO2-neutrale Energieversorgung in der Gemeinde. Auf dieser Basis lasse sich ein Maßnahmenkatalog erstellen, der auch eine grobe finanzielle Bewertung der einzelnen Schritte ermögliche.

Neben den Investitionen der Gemeinde sind laut FDP auch die privat finanzierten Beiträge der Bürger zum Beispiel bei der Mobilität oder der Energiebilanz von Gebäuden zu beachten. Dabei ist es insbesondere wichtig, die Bevölkerung umfassend über alle Aspekte der Klimawende zu informieren. Hier sehen die Liberalen in Tettnang derzeit Defizite.

Wesentlicher Eckpfeiler der FDP-Klimapolitik ist es, dort zuerst zu investieren, wo mit den geringsten Mitteln am meisten erreicht werden kann. In der Praxis könnte das bedeuten, dass man in Tettnang erst einmal nicht in Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden investiert, wie dies zur Zeit angedacht wird, sondern zuerst in Auf- und Umforstungsprogramme zur CO2-Reduzierung, heißt es weiter.

Eine weitere Kernforderung der FDP ist ein technologieoffener Wettbewerb, welcher dafür sorgt, dass immer die beste beziehungsweise günstigste verfügbare Technik zur Anwendung kommt. „Rein dogmatisch getriebene Ansätze wie die alleinige Fokussierung auf die umstrittenen Elektroautos“, wie die FDP schreibt, werden abgelehnt.

Vor dem Hintergrund, dass bundesweit aktuell nur fünf Prozent des gesamten Primärenergiebedarfes durch jederzeit verfügbare erneuerbare Energien abgedeckt werden und unter Berücksichtigung des zeitweise vorhandenen Überangebotes an Windstrom, sollten insbesondere grundlastfähige Energiekonzepte oder Energiespeicher als Alternativen in Tettnang angedacht werden, schlägt die FDP vor und fragt sich in diesem Kontext, warum in einem größeren Neubaugebiet (Leimgrube) auf ein zentrales Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmeerzeugung und auf die Errichtung eines Nahwärmenetzes unter den neu gebauten Straßen verzichtet wurde.

Über Investitionen in die gemeindeeigene Infrastruktur hinaus müsse auch überlegt werden, wie die Bürger bestmöglich bei der Reduzierung von Emissionen im privaten Bereich unterstützt werden können. Dabei gehe es beispielsweise um Handlungsfelder wie die Förderung des Fahrradverkehrs, die regionale Versorgung mit Nahrungsmitteln und Gütern, Urlaub in der Region oder Ernährung.

Bezüglich der Landwirtschaft folgt die FDP dem Vorschlag des Umweltministeriums, Emissionen zu reduzieren. Auch hiervon sei Tettnang betroffen. Zusammen mit weiteren Gemeinden in der Region sollte es laut FDP möglich sein, Lösungsvorschläge und finanzielle Unterstützung bei der Landes- und Bundesregierung einzufordern.

In eigener Sache: In einer früheren Version des Artikels stand, dass die FDP CO2-Reduzierungen in der Landwirtschaft fordert. Das stimmt so nicht: Die Forderung kommt vom Umweltministerium.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen