Tettnanger Bürgerbus startet in zwei Stufen

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Der Bürgerbus in Tettnang steht in den Startlöchern. In dieser Woche werden die ersten offiziellen Hürden genommen.
Der Bürgerbus in Tettnang steht in den Startlöchern. In dieser Woche werden die ersten offiziellen Hürden genommen. (Foto: dpa)
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In spätestens sechs Monaten soll er rollen, der Tettnanger Bürgerbus. In dieser Woche legen die städtischen Gremien dafür die Grundlagen.

Dass der Start des Fahrdienstes sich noch hinzieht, hat mit der ländlichen Struktur rund um Tettnang zu tun, sagen die Verantwortlichen, wenn alles glatt läuft, startet der Bus aber noch in diesem Jahr. Für die Gemeinde ist eigens ein „Tettnanger Modell“ entwickelt worden. Denn in den umliegenden Orten wie Meckenbeuren oder Kressbronn, wo bereits Bürgerbusse fahren, sind die Fahrwege kürzer. Das macht die Planung einfacher. Jeden einzelnen Weiler rund um Tettnang konzeptionell zu erschließen – das dauert. „In Tettnang haben wir leider das Problem der Fläche“, sagt Wolfgang Koczelniak, der im Bürgerbusteam mitarbeitet. Um dennoch möglichst schnell einen Bürgerbus einzurichten, planen die Verantwortlichen einen Start in zwei Stufen. So können sie Erfahrungen sammeln und das Projekt am Bedarf ausrichten.

Auftakt mit Rufbus-Prinzip

In Stufe eins wird der Bürgerbus in den kommenden sechs Monaten als sozialer Fahrdienst eingerichtet. So fahren auch der Bürgerbus in Kressbronn und bald in Neukirch. Das bedeutet, dass 75 Prozent der Fahrgäste eine Mobilitätseinschränkung haben müssen. Zum Beispiel weil sie älter sind oder eine Behinderung haben. In dieser Rufbus-Stufe fährt das Auto an festgelegten Tagen in der Woche von Haus zu Haus, je nach Bestellung. Die Planung und Durchführung der Fahrten übernimmt der Verein ehrenamtlich.

Peter Bentele, der Ortsvorsteher von Langnau, ist eine der treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Vor rund zweieinhalb Jahren war er vom Stadtseniorenrat in Sachen Bürgerbus angesprochen worden. Inzwischen kümmern sich 16 Gemeinderäte, Ortschaftsräte und Bürger um die professionelle Umsetzung des Projekts. Der Bedarf ist da, das haben sie herausgefunden. Außerdem: „Wir haben viel Begeisterung bei den Betreibern der Modelle in der Region erlebt“, sagt Bentele, das habe immer weiter angespornt.

Stufe zwei verlangt Nahverkehrs-Konzession

In Stufe zwei geht der Bus in den Flächenbetrieb. Das bedeutet, dass in den Ortschaften Haltestellen eingerichtet werden, die dann angefahren werden, aber wieder nur nach Bedarf. Hier kann jeder mitfahren, der Nachweis einer Bedürftigkeit ist nicht mehr notwendig. Doch der Flächenbetrieb hat seine Tücken, denn die Stadt benötigt eine eigene Konzession für diese Art Nahverkehr. In Meckenbeuren fährt der Bürgerbus bereits auf diese Weise. Die Planung der Fahrten übernimmt dort ein Callcenter des Ravensburger Verkehrsverbunds Bodo. So etwas könnten sich die Verantwortlichen auch für Tettnang vorstellen. Wann diese zweite Stufe aber starten soll, können Bentele und Koczelniak noch nicht sagen.

Eine Fahrt soll bei beiden Stufen nur einen symbolischen Beitrag kosten, in Meckenbeuren liegt dieser beispielsweise bei einem Euro. Die Mehrkosten trägt die Stadt, weswegen die Konzeption jetzt von den Räten diskutiert wird.

Zunächst soll der Bürgerbus mit einem Fahrzeug starten. Welches Auto es wird, ist aber noch nicht klar. Die Gesamtkosten für 2018 sind mit 20 000 Euro kalkuliert, für 2019 mit 34 000 Euro. Darunter fallen Leasingkosten, der Betrieb des Fahrzeugs oder auch die Personenbeförderungsscheine für die Fahrer. 20 Fahrer haben sich inzwischen gemeldet, die Gruppe sucht aber weitere Helfer. Stimmt der Gemeinderat zu, gründet sich ein eigener, nicht gemeinnütziger Bürgerbusverein.

Angebot darf keine Konkurrenz sein

Wichtig ist, dass das Angebot keine Konkurrenz zu Taxi- oder Busunternehmen ist, betonen Bentele und Koczelniak. Die Fahrten dürfen maximal ein ergänzendes Angebot sein. „Es kann auch sein, dass jemand nicht mitgenommen wird, weil eine Viertelstunde später ein Bus fährt“, sagt Bentele. Die Haltestellen im Flächenbetrieb dürfen zum Beispiel auch nur abseits existierender Haltestellen entstehen. Der Bus darf in dieser Stufe außerdem aus Gründen des Wettbewerbs das Gemeindegebiet nicht verlassen. „Wir dürfen keine Konkurenz sein“, sagt Wolfgang Koczelniak deutlich.

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