Technischer Ausschuss besichtigt Kläranlage Apflau

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Redaktionsleiter

Eine Abwechslung im Sitzungsalltag des Technischen Ausschusses hat es am Mittwoch gegeben. Tagt dieser normalerweise im Sitzungssaal des Rathauses Tettnang, trafen sich die Ausschussmitglieder diesmal an der Kläranlage in Apflau, bevor es weiter in die Ortsverwaltung Langnau ging. Bei dem Ortstermin erhielten sie einen Überblick über Infrastruktur und Technik. Betriebsleiter Manuel Hotz zeigte die Anlage im laufenden Betrieb.

In Tettnang landet überwiegend Mischwasser im Kanal. Sprich: Regenwasser und Abwasser werden von den Häusern aus gemeinsam ins Abwassernetz eingespeist. Bei Neubaugebieten ist das mittlerweile anders: Dort gibt es eine Trennung von Regenwasser und Schmutzwasser. Diese Menge, erläutert Horst Hölz, Leiter des Fachbereichs Tiefbau der Stadt Tettnang, könnten Klärwerke ohne Weiteres vertragen.

Hier landen die Abwässer des Hinterlands
In der Kläranlage Apflau fließen die Abwässer des Tettnanger Hinterlands zusammen. Ob Medikamentenrückstände, Pflanzensschutzmittel oder Mikroplastik: Die Maschinen auf der Kläranlage haben viele hartnäckige Gegner im Abwasser. Wie die Kläranlage funktioniert, davon konnten sich die Tettnanger Gemeinderäte überzeugen.

Ein Problem stellt allerdings sogenanntes Fremdwasser dar. Das ist Grundwasser mit Trinkwasserqualität, das etwa aus alten Drainagen oder durch Undichtigkeiten in den Abwasserkanal eindringt. Zum einen muss dieses nicht geklärt werden, zum anderen erhöht dies die Wassermenge, die die Kläranlagen verarbeiten müssen. Wichtig ist daher, den Anteil des Fremdwassers so gering wie möglich zu halten.

Steffen Eckhardt vom Büro Wasser-Müller erläuterte, dass einige Investitionen im Raum stehen: Bei der 1987 errichteten Kläranlage sind das Maßnahmen für die Einhaltung der Arbeitshygiene, die Erneuerung der Schaltanlage und die laufenden Instandhaltungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen sind laut Horst Hölz noch nicht bezifferbar.

Bei den Pumpwerken empfahl Eckhardt die Umrüstung der 39 Pumpwerke auf ein einheitliches System und die Aufstellung einer Musterausschreibung. Das vereinfache auch die Wartung der Systeme. Bei den Mischwasseranlagen – unter anderem den Regenüberlaufbecken, mit denen der Zufluss in die Kläranlage geregelt wird – soll Messtechnik eingebaut werden. Diese ist nicht überall vorhanden. Diese Maßnahmen sollen stufenweise bis 2024 umgesetzt werden. Die Bruttokosten liegen auf Basis einer früheren Schätzung bei 790 000 Euro.

Die Herausforderungen der Zukunft, so Eckhardt, liegen mittelfristig auch noch im Rückhalt von Arzneimitteln, das gebe es derzeit nur bei großen Anlagen. Und auch Mikroplastik wird zunehmend Thema.

Auf eine Frage von Gerhard Brugger (FDP) zu Starkregen sagte Horst Hölz, dass Tettnang da in der Vergangenheit verschont worden sei. Das gebe es schon mal, aber nicht in der Größenordnung wie etwa in der Gemeinde Meckenbeuren. Wobei Bürgermeister Bruno Walter darauf verwies, man dürfe sich keine Illusionen machen: Es könne natürlich extreme Fälle von Starkregen wie auch in anderen Regionen Deutschlands geben, die dann aber zu ganz anderen Problemen führen würden.

Alexander Peter vom Büro Wasser-Müller brachte noch ein bisschen Statistik ein. Das gesamte Abwassernetz in Deutschland habe eine Länge von 575 000 Kilometern. Müsste man dies alles neu bauen, läge der Wiederbeschaffungswert bei etwa 631 Milliarden Euro. Bei sämtlichen Straßen und Schienen liege er bei 535 Milliarden Euro. Die Botschaft von Peter: „Der größte Wert der Kommunen liegt in dem, was im Boden vergraben ist.“

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