Strahlender Schlusspunkt unter blauem Himmel

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Sinfonie im Innenhof: Herrlich wirken beim Dvorak-Violinkonzert die Solistin Sophia Jaffé, Dirigent Sebastian Tewinkel und das K
Sinfonie im Innenhof: Herrlich wirken beim Dvorak-Violinkonzert die Solistin Sophia Jaffé, Dirigent Sebastian Tewinkel und das K (Foto: Christel Voith)
Christel Voith

Strahlend blau hat sich am Sonntag beim Kinderkonzert und dem abendlichen Sinfoniekonzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben (KBO) der Himmel über den Innenhof des Neuen Schlosses gespannt – ein strahlender Schlusspunkt unter das Barockschloss Tettnang Festival, zugleich die letzte Tettnanger Veranstaltung des Bodenseefestivals 2015.

Dass der Sinfonie im Innenhof traditionell ein Kinderkonzert vorangeht, wird bestens angenommen, auch am Nachmittag waren die Reihen bis hinten voll besetzt. Schulen belegen Plätze, es kommen auch viele Kinder, die ihre Mama oder ihren Opa spielen hören wollen. Dirigent Sebastian Tewinkel versteht es bestens, den jungen Konzertbesuchern die Musik nahezubringen. Diesmal durften sie Smetanas „Die Moldau“ erleben, schön häppchenweise, um die angesprochenen Instrumente und Orchestergruppen genau herauszuhören und zu verstehen, was die Musik gerade erzählt – und zuletzt als Ganzes.

Noch beim abendlichen Konzert hatte man beim Erklingen der bekannten Tondichtung die Erklärungen im Ohr, hörte die Quellen munter sprudeln, hörte das Lied der Wellen, den Hörnerklang der Jäger, die rustikale Bauernhochzeit, das feine Glitzern des Mondlichts wie die wild gurgelnden Stromschnellen. In fein nuancierter Tonmalerei machte das Orchester mit murmelnden Geigen, innigen Holzbläsern und strahlendem Blech die Stationen hörbar, bis der Fluss leise in der Elbe aufging.

Süffig opulenter Klang

Mit Antonin Dvoráks Violinkonzert a-Moll op. 53 wartete ein besonderes Hörerlebnis auf das Publikum, denn die Solistin Sophia Jaffé bestach nicht nur mit ihrem Charme, sondern mit ebenso vitalem wie seelenvollem Spiel. Wie eine stolze, selbstbewusste Schöne gebärdete sich ihre Geige, kraftvoll, herausfordernd, voller Lebenslust und doch mit einem Hauch Melancholie. Sehr schön war die Kommunikation mit dem Orchester, die Zwiesprache mit einzelnen Instrumenten – wenn die Flöten samten antworteten oder die Hörner riefen – aber auch, wenn das ganze Orchester leise wogte, während die Geige süß zwitscherte, ein zärtliches Lied sang oder freudig jubelte.

Mit mitreißendem Schwung ging das Violinkonzert zu Ende, ein letztes Mal tobte und jubelte die Solovioline, dann kamen die Bravorufe, der Jubel der Zuhörer. Atemlose Stille gleich darauf, als die Solistin als Zugabe die stimmungsvolle „Morgenröte“ aus Eugène Ysaÿes Solosonate Nr. 5 spielte.

Stand hier bei aller Zwiesprache doch die Solistin im Mittelpunkt, gehörte die Brahms-Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 8 ganz dem Orchester und seinem Leiter, der ihm mit geschmeidigen Bewegungen einen süffigen, opulenten Klang entlockte, dazu im Adagio ein Schwelgen in Schönklang, dass die Vögel überm Schlosshof mitsangen. Wieder war es eine Freude, dem transparenten Tutti, aber auch einzelnen Instrumenten und Registern zuzuhören: der betörenden Flöte, den übrigen Holzbläsern, dem leuchtenden Blech wie der leisen Melancholie der Streicher, der Vitalität und den erregenden Kontrasten, die sich im vierten Satz entspannten, einem stillen Hornmotiv, der sakralen Stimmung eines Chorals Raum gaben. Ein rundum nachhaltiges, erfüllendes Konzerterlebnis.

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