Sternsinger hüllen sich in königliche Gewänder

Lesedauer: 5 Min
 Diese Sternsinger sind bereit für den Besuch des Aussendungsgottesdienstes.
Diese Sternsinger sind bereit für den Besuch des Aussendungsgottesdienstes. (Foto: anrö)
Annette Rösler

Am Donnerstagmittag haben sich etwa 50 Kinder und Jugendliche im Gemeindezentrum St. Gallus eingefunden, um sich in königliche Gewänder kleiden zu lassen und den Tettnangern als heilige drei Könige die frohe Botschaft von der Geburt Jesu zu überbringen. Doch bis Caspar, Melchior, Balthasar und der Sternträger starten durften, gab es noch Einiges zu tun und das Gewusel bei Irmgard Junginger und Team im Keller des Gemeindezentrums war riesengroß.

Zuerst etwas zögerlich, dann in Massen, erschienen die jungen Akteure, teilweise mit ihren Eltern, und gaben ihre Gruppennummer an. Der Sternträger bekommt Stern und Sammeldose zugeteilt. Das Organisationsteam hatte alle Hände voll zu tun, in kürzester Zeit weiße Tuniken, Umhänge, Kronen, Turbane, Halsketten in sämtlichen Größen und alles über dicke Winterkleidung passend, zu verteilen. Klara und Rosa, neun und sechs Jahre alt, sind zum ersten Mal dabei, weil ihre Mutter auch bei den Sternsingern war. Marlena (16), ihre Schwester Alisa (14) und der zehnjährige Bruder Samuel sind schon erfahrene Könige, die seit vielen Jahren in die Gewänder schlüpfen.

Jaafar (10) und seine Zwillingsschwestern Jana und Hibtullah (8) stammen aus Syrien und sind Muslime. „Wir machen mit, weil wir diesen Brauch sehr schön finden und außerdem sind wir alle Menschen, egal welchen Glaubens“, meinte der Vater.

Auch die Geschwister Lea (11), Niklas (9) und Sternträgerin Anna (7) sowie Freund Tim (7), waren mit viel Freude dabei. Niklas hatte sich am Vortag am Bein verletzt, ließ es sich aber nicht nehmen, mitzuhumpeln.

Nachdem die Gewänder recht zügig verteilt waren, gab es noch ein paar Tipps zur Bewegung in den ungewohnten Kleidungsstücken und einen Andrang beim Schminken des dunkelhäutigen Königs. „Du musst die Lippen einklappen, sagte Schminkexpertin Sarah Hellmann zu Lea, sonst sind Mund und Zähne auch schwarz.“ Nachdem alle ihre passenden Outfits bekommen hatten, zogen die Könige zum Aussendungsgottesdienst in die Kirche. Pfarrer Rudolf Hagmann erteilte den Sternsingern Gottes Segen für die Verkündigung der frohen Botschaft.

Die 21 Sternsingergruppen werden nach Familienzugehörigkeit eingeteilt und haben mit ihren erwachsenen Begleitern in den vier Tagen eine recht umfangreiche Strecke zu absolvieren. Sie erfreuen die Menschen mit ihren Liedern und schreiben als sichtbares Zeichen den Segensgruß C+M+B mit geweihter Kreide über die Haustür, was nicht etwa die Anfangsbuchstaben ihrer Namen sind, sondern „Christus Mansionem Benedicat“ („Christus segne dieses Haus“) bedeutet. Mit den Spendengeldern werden zahlreiche Projekte in der Dritten Welt für Kinder in Not und Armut unterstützt. Neben den Geldspenden freuen sich die jungen Könige aber auch über Süßigkeiten, von denen ein großer Teil an die Tettnanger Tafel gespendet wird.

Deutschlandweit steht die Aktion der Sternsinger unter dem Motto „Frieden! Im Libanon und weltweit“. Die Tettnanger Sternsinger sammeln, wie schon die Jahre zuvor, für Projekte in Simbabwe, Brasilien, Peru und Indien. „Die Tettnanger Sternsinger gibt es seit 52 Jahren. Leider lässt das Interesse an diesem Ehrenamt von Jahr zu Jahr immer mehr nach“, bedauerten die Organisatorinnen Maria Schuster und Marianne Scherle. Die Eltern sind weniger bereit, ihre Kinder in den Ferien zu verpflichten. Wir können deshalb bedauerlicherweise nicht mehr alle Gebiete abdecken. Gut für uns wären auch mehr ältere Sternsinger, wie unsere beliebte und erfahrene Ministranten-Gruppe.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen