Stadt krönt „Gold-Verena“ zur Ehrenbürgerin

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Gold, das richtig glänzt aber auch ziemlich schwer ist. Begleitläufer Thomas Friedrich und Verena Bentele haben jeweils drei Kil
Gold, das richtig glänzt aber auch ziemlich schwer ist. Begleitläufer Thomas Friedrich und Verena Bentele haben jeweils drei Kil

Die Schilder an den Eingängen der Stadt haben plakativ darauf hingewiesen, was kommen sollte: Tettnang hat am Mittwochabend mit großem wie herzlichem Bahnhof seine fünffache Paralympics-Goldmedaillengewinnern empfangen. Im Mittelpunkt der rauschenden Gratulationscour für Verena Bentele standen ein Bad in der Menge wie auch ein Festakt im Rittersaal mit Verleihung der Ehrenbürgerschaft für die so erfolgreiche, aber von Geburt an blinde Spitzensportlerin.

Von unserem Redakteur Alexander Mayer

Keine Frage, für ihr sportliches Aushängeschild haben sich die Tettnanger nicht lumpen lassen. Nicht die Stadtverwaltung und auch nicht die Bürger. {element}So wird die empfangsgewöhnte und dennoch hoch gerührte Langläuferin und Biathletin die Rückkehr von den Paralympics im kanadischen Vancouver so schnell nicht vergessen. Geleitet von der Bürgerwehr Laimnau chauffiert das brandaktuelle und schneeweiße Mercedes-Cabrio die sympathische Sportlerin openair vom Bärenplatz via Rathaus.

Vor lauter Menschen steckt die Nobelkarosse immer wieder fest. Nichts geht mehr. Hier ein Küsschen. Dort noch eines. Oder ein Autogramm und inniges Händeschütteln. „Gold-Verena“ badet in einem Menschenmeer. Wird am Rathaus letzendlich vom Bürgermeister offiziell empfangen. Selbst einen roten Teppich hat ihr das Stadtoberhaupt ausgelegt. Verena Bentele schlüpft in die Genießer-Rolle.

Sie ist bestens drauf. Äußerlich völlig entspannt, saugt sie die montfortschen Ehrenbekundungen nach den kräftezehrenden Wettkämpfen in der Loipe geradezu in sich auf: „Ich heule gleich“, sagt die Sportlerin im offiziellen Outlook der Olympiamannschaft. „Ich hätte nie gedacht, dass Tettnang mit mir so feiert.“ Szenenapplaus in der Menge. Es sind Tausende, die gekommen sind.

Ehrung im Rittersaal

Bevor der offizielle Akt im Rittersaal steigt, mit Reden und der Verleihung der Ehrenbürgerschaft (damit ist die 28-Jährige der zweite Mensch Tettnangs, der diese Ehrung schon zu Lebzeiten erfährt), wird Verena auf dem großen Forum des Montfortplatzes mit dem konfrontiert, mit dem sie nach ihrer langen Sportlerkarriere inzwischen genügend Erfahrung hat: mit Fragen. Der Bürgermeister bittet zum Interview.

Genauer gesagt, es geht um ein „Frage-Antwort-Spiel“ mit Verena, Begleitläufer Thomas Friedrich oder Trainer Werner Nauber. Und auch Mama und Papa Bentele sind wie in Vancouver mit von der Partie. Auch Mercedes-Chauffeur, wenglor-Chef und Sponsor von Verena Bentele, Dieter Baur. Im öffentlichen Small-Talk geht es darum, wie eine blinde Sportlerin beim Biathlon schießt, um den so tollen Windschatten des Begleitläufers, der Verena natürlich höchst gelegen kommt. Da ist von Nauberschen Trainingsmethoden auf dem Laufband die Rede. Sie gestalten sich so, dass die blinde Sportlerin richtig Tempo bolzen, Kondition machen kann. Und es geht um die Aufregung vor dem Start. Auch bei diesen Spielen war sie Dauerbegleiter der sympathischen Sportlerin.{element}

Dazwischen immer wieder ein euphorischer Bürgermeister. Seine immer wieder geäußerten Worte, „Phänomenal - unglaublich!“, reißen mit. Der Funke der Begeisterung ist schnell übergesprungen. Er sollte auch im Rittersaal nicht so schnell verglühen.

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