Spatenstich für Kindergarten: Start für ein Sechs-Millionen-Euro-Projekt

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5 Erwachsene und 5 Kinder stehen mit einer Schaufel in der Hand auf einer Wiese und schauen in die Kamera
Die Projektverantwortlichen und kleine Nutzer freuen sich auf den Start der Bauarbeiten. (Foto: Mark Hildebrandt)
Mark Hildebrandt

Die Zuschauer drängen sich am Montagnachmittag in den Schatten der Bäume und der Faltpavillons, heiß brennt die Sonne auf die große Wiese, auf der bis Januar der neue Kindergarten Schäferhof stehen soll. Aufgebaut sind für den Spatenstich auch zwei Stellwände mit Plänen , an denen Anwohner sich nach den Begrüßungsreden über den Kindergartenbau für etwa 6,2 Millionen Euro informieren können.

Eine Nachbarin ist selbst gelernte Erzieherin, jetzt Tagesmutter. Sie sagt: „Ich finde das eigentlich richtig klasse.“ Auch in St. Anna werde es zukünftig viele Kinder geben, die dann dort hingehen könnten. Allein die Parksituation macht ihr ein bisschen Kopfzerbrechen. Das gilt auch für Christina und Helmut Jordan. Er sagt: „Ich sehe da einfach ein mögliches, logistisches Problem.“ Schließlich brächten viele Eltern den Nachwuchs mit dem Auto, während Kinder früher in der Regel zu Fuß oder mit dem Roller gekommen seien.

Dass nebenan ein Kindergarten gebaut wird, freut die beiden dagegen sehr. „Das finde ich super“, sagt Christina Jordan, „absolut positiv“. Kinder gehörten zum Leben, das Gebäude sei architektonisch gelungen. Dem pflichtet auch ihr Mann bei. Der sagt, er habe sich immer gewundert, dass dort nie etwas gebaut worden sei. „Ein Kindergarten ist eine sehr gute Alternative“, sagt er mit Blick auf andere denkbare Möglichkeiten wie die Ansiedlung einer Firma oder eines Wohnhauses.

Rasante Zunahme der Einwohnerzahl

Diesen Punkt hatte Bürgermeister Bruno Walter auch in seiner Begrüßungsrede aufgebracht: Im Bebauungsplan sei dort immer schon ein Kindergarten vorgesehen gewesen. Vor allem die rasante Zunahme von Bevölkerung und Arbeitsplätzen in den letzten Jahre habe diesen Schritt notwendig gemacht: „Die Wirklichkeit hat uns eingeholt.“ Der Kindergarten werde neues Leben bringen, sagte er weiter. Und verwies aber auch auf die Beeinträchtigungen durch die kommenden Bauarbeiten und den Verkehr, das sei der Verwaltung auch „bewusst“. Er appellierte, das Projekt mitzutragen und mit Fragen auf die Kommune zuzugehen. In Sachen Konzept sagte Walter, man habe sich für das „überzeugendste, beste und stärkste“ entschieden.

Das zweistöckige Gebäude wird genug Platz für drei Kindergarten- und zwei Kitagruppen bieten. Wenn die Grundplatte erstellt ist, baut die Firma Weizenegger aus Bad Wurzach das Gebäude selbst in Fertigholzbauweise. Die meisten restlichen Gewerke seien schon vergeben, wobei auch regionale Firmen berücksichtigt worden seien, sagte Geschäftsführer Wolfgang Knöpfle in seiner Ansprache.

Architekt Martin Winterkorn lobte die gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, das sei „weltrekordverdächtig vom Zeitplan her“. Das sei auch wichtig, wenn in sieben Monaten 100 Kinder in das Gebäude einziehen sollten. Er nannte einige Eckdaten wie 300 Fenster, 1,5 Kilometer Sockelleisten, etwa 7,5 Kilometer Leitung für die Fußbodenheizung und 350 Lampen, die am Ende verbaut oder eingebaut sein sollen.

Bis Freitag soll der „rote Punkt“ da sein, aber es gibt auch schon eine Teilbaufreigabe für nächste Woche. Dann können die ersten Arbeiten im Schäferhof beginnen.

Eine Übergangslösung, die kein Provisorium ist

Geht alles nach Plan und der Kindergarten Schäferhof ist am 13. Januar nächsten Jahres fertig, werden dort erst einmal die Gruppen des Loretokindergartens unterkommen. Denn neben der Loretokapelle muss abgerissen und ebenfalls neu gebaut werden. Der katholische Kindergarten in seiner jetzigen Form platzt nämlich aus allen Nähten, das Gebäude selbst genügt nicht mehr den Anforderungen eines modernen Kindergartenbetriebs.

Eine andere Möglichkeit wäre lediglich gewesen, parallel zum Bau des Kindergartens Schäferhof ein zusätzliches Provisorium zu schaffen. Das wäre am Ende noch mal teurer geworden. Auch vor diesem Hintergrund hatte der Gemeinderat im März entschieden, das Projekt mit Hochdruck voranzutreiben. Das bedeutet auch, dass der Zeitplan ambitioniert ist. In wenigen Monaten soll das Gebäude schließlich stehen.

Der neue Loreto-Kindergarten wiederum soll bis Spätsommer 2021 fertig sein, der Abriss des alten Gebäudes kann schließlich erst erfolgen, wenn die Kinder und Erzieherinnen aus der bestehenden Einrichtung raus sind. Bisher sind dort drei Gruppen untergebracht. Schon mit dem vorübergehenden Umzug in den neuen Kindergarten im Schäferhof gibt es zwei Kita-Gruppen mehr als bisher.

Und auch der bisher dreizügige Kindergarten neben der Loretokapelle soll als neue „Kindertagesstätte Loreto“ fünfzügig sein. Die geschätzten Kosten liegen hierfür bei 6,45 Millionen Euro, von denen 20 Prozent die katholische Kirche zahlen soll. Neben die Loretokapelle ziehen die Kinder dann aus dem Schäferhof wieder zurück. Wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, gibt es durch diese beiden Baumaßnahmen sieben Gruppen mehr in Tettnang als bisher.

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