So könnte es 2035 in Tettnang aussehen

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Auch die Geburtenzahlen steigen in Zukunft weiter an - zumindest bis 2030.
Auch die Geburtenzahlen steigen in Zukunft weiter an - zumindest bis 2030. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
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Wo die Stadt Tettnang im Jahr 2035 in Sachen Bevölkerung und Infrastrukturnachfrage stehen könnte, hat Herbert Fitterling von der „LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH“ dem Gemeinderat am Mittwoch vorgestellt. Der Tenor: Die Weichen stehen auf weiterem Wachstum. Und: Würde nichts gemacht, wäre die Einwohnerzahl rückläufig.

Die Einwohnerzahl: „Sie haben eine ambitionierte Entwicklung hinter sich“, sagte Fitterling mit Verweis auf das bisherige Wachstum. Im Jahr 1990 gab es 16 251 Einwohner, zehn Jahre später waren es 18 648. Am 31. Dezember letzten Jahres hatten 19 445 Menschen ihren Hauptwohnsitz in Tettnang. Laut Vorausberechnung werden es 2035 nochmals 1700 Menschen mehr als heute sein, also 21 125 Einwohner, mit einer Spitze im Jahr 2030 (21 500 Einwohner). Die Zahlen liegen höher als die des Statistischen Landesamtes, das von knapp unter 20 000 bis zu fast 21 000 Einwohnern ausgeht. Die LBBW Immobilien Kommunalentwicklung hat hier allerdings die „geplante städtische Baulandentwicklung“ berücksichtigt, wie es in dem Papier heißt.

Die Wohnbaumaßnahmen: In der Gesamtstadt geht die Prognose in Summe von 1396 neuen Wohneinheiten bis zum Jahr 2029 aus. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Jahren 2019 (204 Wohneinheiten) und 2020 (243 Wohneinheiten). Das Modell geht im Schnitt von zwei Einwohnern und 0,75 Kindern je Wohneinheit aus. Dies wird wiederum mit Sterbefällen und den Zu- und Fortzügen verrechnet.

 

Entwicklungsbedingter Leerstand: Ein zusätzlicher Faktor ist Leerstand in Gebäuden, der auf der Altersstruktur beruht. Am Beispiel Schäferhof und Oberhof etwa ist zu sehen, dass der Anteil von Menschen über 70 Jahren größer ist als in anderen Teilen der Stadt. „Dort steht ein Bevölkerungsumbruch bevor“, sagte Fitterling mit Blick auf die nächsten Jahre. Die Häuser seien teils in den 1970ern und 1980ern entstanden.

Die Geburten: Die Zahl der Neugeborenen pro Jahr wird laut der Prognose von etwa 165 (im Jahr 2018) auf knapp unter 190 im Jahr 2030 ansteigen. Danach deutet sich ein Sinken der Geburtenzahlen an. Vor allem in der Kernstadt werde es, so Fitterling, „eine sehr, sehr dynamische Entwicklung“ geben. Dort gibt es den größten Gesamtzuwachs.

Kindergärten und Schulen: Die steigenden Geburtenzahlen führen laut der Prognose zu einem erhöhten Bedarf im Krippenbereich. Besonders stark in der Kernstadt (mit 50 bis 70 Plätzen) und Kau (plus 20 Plätze). Tannau und Langnau würden dagegen stabil bleiben, sagte Fitterling. Auch im Ü3-Bereich werde es einen erheblich höheren Bedarf geben, zumal Ganztagsbetreuungsangebote zunähmen. Hier sprach Fitterling von 525 nötigen Plätzen ab 2020. Derzeit gibt es 435 Plätze. Tannau und Langnau blieben stabil, in Kau und Bürgermoos seien die Plätze ausreichend, aber das Angebot müsse optimiert werden. In der Grundschule zeichne sich der höhere Bedarf zeitversetzt ab. „Die Betreuungsinfrastruktur muss mitwachsen“, sagte Fitterling.

Zur Größe der Einrichtungen: Ob aus seiner Sicht kleine dezentrale oder große zentrale Kindergärten besser seien, fragte Susanne Lund (Grüne) Herbert Fitterling. Der sagte. Größere Einrichtungen würden ein besseres Angebot bieten und erlaubten eine bessere Personalsteuerung. Das Argument Lunds, größere Einrichtungen würden vom Personal als unattraktiver empfunden, konnte Fitterling nicht bestätigen.

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