So blickt Pfarrer Hangst auf 18 Jahre im Argental zurück

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Pfarrer Reinhard Hangst steht in Laimnau vor dem Haus mit Pfarrbüro und Wohnung. Im Sommer 2019 wechselt er nach 18 Jahren im Ar
Pfarrer Reinhard Hangst steht in Laimnau vor dem Haus mit Pfarrbüro und Wohnung. Im Sommer 2019 wechselt er nach 18 Jahren im Argental in die Seelsorgeeinheit Ailingen-Ettenkirch-Oberteuringen. (Foto: Mark Hildebrandt)
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Kommt die Rede aufs Argental, werden die Augen von Reinhard Hangst schon ein wenig feucht. Der Pfarrer hat gerade eben mit einem Paar über die Hochzeit und die Taufe des Kindes gesprochen. Zum Pressegespräch bittet er im Anschluss in seine Dienstwohnung im ersten Stock. Im Sommer wird Hangst nach 18 Jahren nach Ailingen wechseln (die SZ berichtete). Und während seine Gedanken immer wieder um den Abschied kreisen, geht das Leben am Ort eben weiter seinen gewohnten Gang.

„Nach über 18 Jahren im Argental und im Alter von 53 Jahren war klar, dass es noch einen Wechsel geben würde“, sagt der Pfarrer. Zehn, zwölf, maximal 15 Jahre seien es im Normalfall, bis so ein Wechsel komme. Und weil es so klar war, hatte er beim Bischof immer wieder den Wunsch geäußert, dann wenigstens in der Nähe bleiben zu können: „Ich mag die Region und die Menschen hier.“

Gleich mehrere Umbrüche: Hangst, Hamaleser und Powath

Durch den Ruhestand des Ailinger Pfarrers Robert Müller hat sich das jetzt so ergeben. Zum Schuljahreswechsel 2019/20 wird Hangst in Ailingen beginnen. Noch bis Anfang Juni wird er im Argental sein, dann folgen Reha und Auszeit vor Antritt der neuen Aufgabe. Ein Umbruch für Hangst, der zuvor einen großen Umbruch in der Seelsorgeeinheit Argental miterleben wird: Am Dreikönigstag wird Kurt Hamaleser, schon jetzt Pfarrer im Ruhestand, nun auch wirklich in den Ruhestand verabschiedet. Zugleich mit Hamaleser scheidet auch Pfarrer Sebastian Powath aus, er wird dann seine Stelle in Laufen antreten.

Tief sitzt bei Hangst noch der Schmerz über den überraschenden Tod von Diakon Martin Bernhard im April dieses Jahres. Reinhard Hangst unterstreicht seine Sätze sonst oft mit lebhaftem Mienenspiel, haut mit der Faust auch mal auf den Tisch, geht mit. Hier wird er ernst, sagt beinahe tonlos, mit hängenden Schultern: „Er fehlt mir unheimlich, der Martin Bernhard.“ Viel Veränderung in so kurzer Zeit. Da geht es um gewachsene Beziehungen und Freundschaften. Nicht nur mit Martin Bernhard, auch mit anderen im Argental, im Pastoralteam, in den Gremien.

Viel fahren in einer Region großen Wir-Gefühls

Pfarrer Anand Rajama Das hat derweil jüngst erst seine neue Stelle angetreten und lernt die Gemeinden der Seelsorgeeinheit kennen. Die Stelle von Reinhard Hangst wird im Januar ausgeschrieben. Der sagt: „Es wäre schön, wenn mein Nachfolger im Herbst antreten könnte.“ Pfarrer Rudolf Hagmann wird in der Übergangszeit Administrator.

Von dem, was seinen Nachfolger als Landpfarrer erwartet, hat Hangst nach seinen 18 Jahren vor Ort ein genaues Bild. Viel fahren müsse ein Pfarrer im Argental, Netzwerke schaffen, Kontakte pflegen und damit leben, dass es nicht eine, sondern mehrere Gemeinden in der Seelsorgeeinheit gebe. Und er müsse von Anfang an begreifen, dass es im Argental ein großes Wir-Gefühl gebe.

Hangsts wichtiger Tipp für seinen Nachfolger zum Thema Bürgerwehr

Und bei dem, so Hangst, spielen auch die Vereine eine große Rolle. Was ihn freue sei, dass es kaum ein kirchliches Fest ohne Vereine gebe, noch kaum weltliche Feste ohne Kirche. Und auf gar keinen Fall dürfe sein Nachfolger auf die Idee kommen, dass die Bürgerwehr Laimnau nicht in voller Ausrüstung an einer Messe teilnehmen dürfe. Solche Traditionen seien wichtig im Argental.

Er selbst sei damals mit der Idee des Miteinander angetreten, miteinander zu leben, zu feiern, zu glauben und Zeugnis zu geben, als Christ zu leben. „Ich durfte das so erleben, das macht mich dankbar“, sagt Hangst selbst über seine Zeit. Seinem Nachfolger wünscht er, dass er die Kirche so im Miteinander gestalten kann. Die Seelsorgeeinheit sei aus einer kleinen Pflanze in all den Jahren zu einem Baum geworden.

Auch mal Nein sagen

Doch er warnt, dass ehrenamtliches Engagement auch irgendwann an Grenzen komme, ebenso wie die Kraft der Hauptamtlichen im Pastoralteam. Im Bild bleibend folgert Hangst, so ein Baum müsse gepflegt und dabei sicher auch mal gestutzt werden. Daraufhin wird Hangst wieder abstrakter: Kontinuität erfordere in diesem Sinne vielleicht auch die Konzentration aufs Wesentliche, auch mal Nein zu sagen.

Doch zu diesen Gedanken kommen derzeit auch ganz praktische: Wo in Ailingen er wohnen werde, habe er noch nicht entschieden, sagt Hangst. Etwas wehmütig wird er allerdings schon, als es zum Foto aus der Wohnung die Treppe hinabgeht. Am Anfang habe es hier noch nicht so einladend ausgesehen wie heute, sagt er, da sei das Haus am Bollenbach noch eine Katastrophe gewesen. In 18 Jahren hat sich viel getan, sind auch viele menschliche Verbindungen entstanden. Am Ende sagt Hangst, so als sei der Moment des Abschieds schon jetzt da und nicht erst Mitte nächsten Jahres: „Es war schon Heimat hier.“

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