Singen ohne Grenzen: Begeistert Rufe nach einer Zugabe

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Vera Prantl-Stock dirigiert beide Chöre, ganz rechts am Pult steht ihre Mutter, die Sopranistin Aletha Prantl.
Vera Prantl-Stock dirigiert beide Chöre, ganz rechts am Pult steht ihre Mutter, die Sopranistin Aletha Prantl. (Foto: Anrö)
Annette Rösler

Zu einem gemeinsamen Konzert haben der Liederkranz Tettnang mit Chorleiter Andreas Kiraly und die Rütner Chorgemeinschaft Hohenems-Reute, unter der Leitung von Vera Prantl-Stock, am Samstagabend in den Rittersaal des Neuen Schlosses eingeladen. Obwohl in Tettnang weitere Veranstaltungen lockten, war der Saal voll besetzt.

Die Sänger des Liederkranzes starteten mit „Musik, Musik, Musik“ von Johann Schrammel. „Unser Repertoire wird heute Abend vielseitig und international sein“, versprach Vorsitzender Manfred Weißenrieder bei seinen Begrüßungsworten und ergänzte: „Wir möchten durch unser Gemeinschaftsprojekt mit der Rütner Chorgemeinschaft die Herzen für Verbindendes öffnen.“ „Unsere Lieder sollen zum Mitsingen und Mitschwingen anregen“, sagte Jutta Spieß, die anschließend durch das Programm führte. Träumereien von einer langsam dahinfließenden Donau erweckte das „Drunt in der Lobau“. „Ich war noch niemals in New York“ ließ Fernweh aufkommen und David Ballet schlug beim Refrain einige Kapriolen am Flügel. „Bella bella Marie“ war aus einigen Reihen des Publikums deutlich hören, als das gut „behütete“ „Männerchörle“ des Liederkranzes mit viel Leidenschaft „die Capri-Fischer“ sang. „Lenas Sång/Fly with me“ aus dem Film „Wie im Himmel“ handelt von dem Dirigenten Daniel Dareus, der in sein schwedisches Heimatdorf zurückkehrt, um sich körperlich und seelisch von einem Herzinfarkt zu erholen. Dort lernt er die fröhliche und hübsche Lena kennen, die ihm neuen Lebensmut gibt. Das berührende Lied klang jung und frisch, schön kam das Klavier zu Geltung. Laut wurde es bei „Mambo“ von Herbert Grönemeyer, einer verzweifelten Suche nach einem Parkplatz.

Auf die Rütner Chorgemeinschaft bekamen die Gäste bei einem wunderschönen Duett von Aletha Prantl und Vera Prantl-Stock noch vor der Pause einen ersten Vorgeschmack. Mutter und Tochter sangen mit klaren Sopranstimmen „Ich wollt, meine Lieb‘ ergösse sich“ und „Sull’aria (Le Nozze de Figaro), begleitet von Andreas Kiraly am Flügel.

Schon das originelle Outfit ließ erahnen, dass die Rütner Chorgemeinschaft mit ihrer charmanten Chorleiterin Vera Prantl-Stock neue Wege des Chorgesangs beschreitet. Man bleibe der Klassik treu, doch da alle Altersgruppen im Chor vertreten seien, gäbe es auch viel Modernes, sagte Vera Prantl-Stock. Es wurden Lieder aus der Heimat Österreich, aus Südafrika, aus Island und aus Lateinamerika gesungen. Das unaussprechliche und lustige „Chlunki Halunki“ von Uli Führe machte den Anfang. Ernster und sehr schön „Die Nacht“. Bei „Nginesi Pronono“ einem traditionellen Lied aus Südafrika, fühlte man sich musikalisch in das Land versetzt. Ein traditionelles Tanzlied aus Irland „Sesere eeye“, mit Steppschritten präsentiert, kam ebenfalls gut an. In „Un poquito cantas – ein bisschen singst du“ aus Lateinamerika wurde getanzt und kurz in Ohnmacht gefallen.

Aus dem Publikum hörte man begeisterte Zwischenrufe nach einer Zugabe. Moderne Literatur gab es vom Ensemble „RütTones“ mit Vera Prantl auf der Gitarre und sieben jungen Frauen und Elias, der ein Solo sang: „Je ne parle pas Francais – aber bitte red‘ weiter“ und „Cheap Thrills“. Zum Abschluss sangen beide Chöre gemeinsam, abwechselnd dirigiert von Vera Prantl-Stock und Andreas Kiraly. Bei dem bekannten Oldie „Liebeskummer lohnt sich nicht“ und „A better Place“ war bei beiden Chören die Freude am gemeinsamen Singen deutlich zu spüren. Nach einem langen Applaus und zwei Zugaben zum Mitsingen fiel es dem begeisterten Publikum sichtlich schwer, die Chöre gehen zu lassen.

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