Silvesterkonzert ist zweimal ausverkauft

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 Silvesterkonzert in Tettnang: Wenn das Vokalensemble „Zungenschlag“ singt, dirigiert Ina Weißbach das Streichensemble „Il Giard
Silvesterkonzert in Tettnang: Wenn das Vokalensemble „Zungenschlag“ singt, dirigiert Ina Weißbach das Streichensemble „Il Giardino", hinter ihr spielt Wolfram Lutz auf seiner Bratsche. (Foto: Helmut Voith)
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Wieder hat das traditionelle Silvesterkonzert im Rittersaal des Tettnanger Schlosses so viele Zuhörer angezogen, dass auch die Zweitvorstellung am Vortag ausverkauft war und einige das Konzert durch die geöffnete Tür im Nebenraum erlebten.

Wolfram Lutz begrüßte im Namen von Spectrum Kultur und der städtischen Musikschule zum Konzert von „Il Giardino“, einem Streichorchester mit Schülern, Ehemaligen und Lehrern der Musikschule. Der Musikschulleiter stellte sich mit seiner Bratsche ins zweite Glied, beobachtete vergnügt seine Kollegin Elke Schaar, die als erste Geigerin das Kammerkonzert leitete und dafür als Einzige eine leuchtend rote Blüte am eleganten schwarzen Abendkleid trug. Dass sie ausgezeichnet spielte, war zu erwarten – ihr Bruder Immo Schaar ist Bratschist im renommierten Leipziger Gewandhausorchester –, darüber hinaus überraschte sie mit einer frischen, informativen Moderation voll jugendlichem Schwung.

Als zweite Besonderheit brachte Ina Weißbach, Gesangslehrerin an der Musikschule und gefragte Solistin in der Region, ihr Vokalensemble „Zungenschlag“ mit. Das zehnköpfige Ensemble ist 2017 aus der kleinen Mozartschen Spieloper „Bastien und Bastienne“ hervorgegangen – ein kleiner Chor mit bezaubernden jungen Stimmen, die voller Intensität und getragen von innerer Begeisterung jubilierten, zuerst in Anton Diabellis Offertorium „Angelus ad Pastores ait“, später in Beethovens festlicher Kantate „Freude schöner Götterfunken“ in Otto Kaufmanns Bearbeitung für Chor und Orchester. Ein wunderbarer Abschluss für ein Konzert, das Ernstes und Heiteres, Barock und Gegenwart vereinte.

Feierlich setzte das Kammerorchester mit Ina Weißbach am Cembalo mit Arcangelo Corellis „Weihnachtskonzert“ op. 6 Nr. 8 ein, dann ein Aufleuchten im Allegro und pastorale Stimmung im Adagio. Zärtlich wiegend war das bekannte Largo am Ende. Heiter und geschmeidig erlebte man das 14-köpfige Streicherensemble in Albinonis Oboenkonzert D-Dur op. 7 Nr.6, hier in der Bearbeitung für Blockflöte. Fröhlich tirilierte Solistin Hanna Kaiser, seit 2016 Lehrerin an der Musikschule, auf ihrer Flöte und tänzelte nach ruhigem Adagio den Streichern im Allegro voran. Diabellis Offertorium beendete den Teil eins, ein unbeschwertes Potpourri von Ohrwürmern folgte. Karl Jenkins‘ immer gern gehörtes Stück „Palladio“ machte den Anfang, zärtlich folgte Elgars „Salut d’amour“, anmutig und spritzig das Allegro aus Mozarts Divertimento KV 138. Empfindsam schmeichelte Wolfram Lutz‘ Bratsche in Brittens „Sentimental Sarabande“, vergnüglich humorvoll war Leroy Andersons Pizzicato-Stück „Plink, Plank, Plunk“ – es muss nicht immer die Pizzicato-Polka sein. Dafür gab’s von Johann Strauß die muntere Annen-Polka, auch als „Schwips-Lied“ aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ bekannt. Glenn Millers „Moonlight Serenade“ leitete den stillen Ausklang ein. Wunderschön innig sang das Vokalensemble Rheinbergers „Abendlied“. Mit der festlichen Kantate „Freude, schöner Götterfunken“ klang das Konzert aus. Lang und herzlich war der Applaus, sodass die Musiker nach dem stillen Abendlied von Karl Bohm als letzte Zugabe die „Moonlight Serenade“ wiederholten. Ein schönes Konzert war zu Ende.

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