„Schlimmer geht immer!“

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 Theater Kolping spielt die Farce „Gerüchte, Gerüchte“: Wer weiß wie viel? Wer darf wie viel wissen? Auf der Bühne stehen (von l
Theater Kolping spielt die Farce „Gerüchte, Gerüchte“: Wer weiß wie viel? Wer darf wie viel wissen? Auf der Bühne stehen (von links) Markus Kessler, Christina Witzemann und Martin Pfeifer. (Foto: Helmut Voith)

Hat er – oder hat er nicht? Hat sie – oder hat sie nicht? Und wenn, mit wem? Wo alles offen ist, ist der Gerüchteküche Tür und Tor geöffnet. So auch in Neil Simons 1988 uraufgeführter erster Farce „Gerüchte ... Gerüchte“ („Rumors“), die sich die Kolping-Theatergruppe für ihr diesjähriges Theaterspiel ausgesucht hat. Ein Klassiker mit köstlichen Dialogen, mit immer absurderen Lügengespinsten und Katastrophen. „Wie ein Käfig voller Narren“ sagt einer und setzt drauf: „Schlimmer geht immer!“ Und schon ist die nächste Katastrophe programmiert...

Um zu funktionieren, braucht das Ganze höchste Konzentration und Tempo, und die bewährten Kolping-Spieler übertreffen sich mal wieder selbst. Ganz klar, dass auch das Bühnenbild wieder bis aufs i-Tüpfele liebevoll ausgestattet ist, dass die Tapete stimmen und das Wählscheiben-Telefon zur rechten Zeit klingeln und nerven muss, dass die Hausbar wohlsortiert ist, dass die schicken Garderoben zum Anlass passen: Hausherr Karl und seine Frau haben ihre Freunde zum zehnten Hochzeitstag eingeladen.

Aber als die ersten Gäste kommen, ist nichts gerichtet, das Personal verschwunden, die Zutaten zum Festessen liegen unberührt in der Küche, von der Hausfrau ist keine Spur zu sehen und der Hausherr – klar, dass es in Tettnang der Tettnanger Bürgermeister ist - liegt halb weggetreten mit angeschossenem Ohr auf seinem Bett. Was tun? Ein Selbstmordversuch? Wenn ja, muss das auf jeden Fall vertuscht werden, bloß kein Skandal! Arzt anrufen? Wie viel darf der wissen? Und wann sagt man den nachfolgenden Gästen, was man weiß und was man nicht weiß und was man vermutet oder hat läuten hören? Soll man sich am Klatsch beteiligen? Welche Lügen lassen sich noch erfinden? Und wer hat wem schon was verraten? Stück für Stück muss man den Nachfolgenden wieder etwas sagen, denn die merken schnell, dass hier Lügen als Ablenkungsmanöver aufgetischt werden. Und auch der Kommissar und sein begleitender Polizist, die zu allem Überfluss hereinschneien, haben bald genug von den Ammenmärchen. Die Nerven liegen blank, doch wie’s ausgeht, wird natürlich nicht verraten.

Schauen wir uns lieber das bestens besetzte Personal an. Da gibt es keine Bösen: Alle Figuren sind vom Autor mit einem Augenzwinkern gezeichnet, alle haben ihre Macken, ihre Fehler und Schwächen und wursteln sich nach besten Kräften durch.

Da ist Markus Kessler als anfangs besonnener Rechtsanwalt Georg und Christina Witzemann als seine Frau Charlotte, die herrlich nahe am Nervenzusammenbruch vorbeischrammt. Als Steuerberater Ludwig ist auch Martin Pfeifer schnell dabei, Lügen zu erfinden, damit nicht zu viel Licht in die Sache kommt. Ordentlich scharfzüngig darf Irene Grupp als dessen Frau Clara sein. Geplagt ist Stefan Lanz als Psychiater Ernst, denn der hat schon genug am Hals mit seiner hysterischen Frau Caroline, deren Rückenprobleme und Krampfanfälle Anett Maier auch am Boden herumkriechen lassen. Bleiben als zu spät Ankommende Florian Schobloch als Freund Leopold und Petra Hagenmaier als dessen Frau Christa. Die beiden sind im miesesten Ehestreit, den Leopold als Kandidat für den Landtag doch ganz und gar nicht brauchen kann. Doch so schnell gibt seine erboste Frau nicht auf. Mit herrlicher Ruhe blickt Andreas Grupp als Kommissar Wels in das Chaos, in die allzu leicht zu durchschauenden Lügengebäude, während Regisseur Johannes Stopper als Polizist Schmelzle brav protokollieren darf. Aber was? Wie war das mit den zwei Schüssen, die Nachbarn gehört haben wollen? Schauen Sie selbst.

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