Pur-Songs aus drei Jahrzehnten zum Mitsingen

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Olaf E. Jahnke

Vor fast 5000 „attraktiven Menschen“ (Hartmut Engler) haben Pur das volle Programm gezeigt an Deutsch-Pop-Hits am Donnerstag Abend im tropischen Schlosspark. Viel anheizen brauchte als „Support“ im Vorfeld weder der Humorschwabe Klaus Birk mit einem selbst(schwäbisch)kritischen Stand-up-Feuerwerk noch Philipp Volksmund, mit deutschen Songtexten und Gitarre.

Pur on Stage

Ganz klar – Frontmann Hartmut Engler rockt den Abend durch und begeistert die Massen. Der Bietigheimer singt die emotionalen Texte mit viel Gefühl durch. Und der Dienstälteste noch vor dem bekannten Leadsänger, Ingo Reidl, ist auch mit dabei. Dazwischen moderiert Engler, bringt auch mal mahnende Worte gegen Rechtsruck, Populismus, Gewalt und Gleichgültigkeit an. Und dagegen – die Songs bringen es zum Ausdruck – hilft wohl Hinschauen, Liebe, Empathie. Eine Besonderheit gebe es, so Engler zu Publikum und Presse: „Erstmals in all den Jahren trete ich in kurzen Hosen auf. Es ist aber auch scheiß-heiß heute.“ Dennoch hält die Band durch – und etwas Freude am mitsingenden Publikum ist auch zu spüren.

Die Songs

Gestartet ist Pur mit aktuellen Titeln von der neuesten Platte „Zwischen den Welten“, wie „Freunde“ oder „Energie“. Weiter ging es dann bis zu den „Klassikern“ wie „Wo sind all die Indianer hin“ oder „Komm mit mir ins Abenteuerland“. Und damit möglichst viele Songs auf die Bühne kommen, gab es auch Medleys. Nicht nur die Mega-Hits haben die vielen, in der Mehrzahl weiblichen Fans jeden Alters erstaunlich textsicher mitgesungen. Bei den Pur-Songs geht es viel um Gefühl, Energie, Liebe und anderes – auch Politisches. Seit langem setzt sich die Band für Inklusion oder gegen sexuellen Missbrauch ein. Teilweise waren Emotionen deutlich spürbar – auf und vor allem vor der Bühne wie bei „Wenn sie diesen Tango hört“. Da bekommt das Stück „Geweint vor Glück“ noch eine andere Bedeutung.

Das Publikum

Die Zuschauer zeigten sich bunt gemischt, sehr friedlich und freundlich, echt gerührt und mit vielen Fans, die an T-Shirts aus verschiedenen Epochen zu erkennen waren.

Darunter von Enkelin bis zu Omi, vom Rentner bis zum Jugendlichen war alles dabei. Und auch bei komplizierteren Texten oder älteren Stücken – es wurde immer wieder in beachtlicher Qualität mit gesungen. Die vielen Frauenstimmen, vor allem im linken Flügel fielen auf. Und bei emotionalen Stücken ließ sich die Menge mitreißen, da wurde auf und vor der Bühne auch mal ein Tränchen verdrückt.

„Wir wären überall hin hingereist, wir sind echte Fans“ sagen zwei Markdorferinnen kurz von den Vierzigern. „Das ist unser Ding, wir sind echte Pur-Fans – deswegen sind wir hier“ erzählen die männlichen Teenager im Pur-Shirt, die aus der Tübinger Gegend angereist sind. Richtiggehend dankbar war das Schlosspark-Publikum über die lange Zugabensequenz – immerhin waren Pur ohne Pause zweieinhalb Stunden in Aktion.

Die Band

In Tettnang spielte Pur das zehnte von insgesamt 28 Konzerten der aktuellen Tour. Seit 1990 sind sie mit 16 Platten in den deutschsprachigen Charts oft und lange oben dabei. Vielfach ausgezeichnet, ob Bambi, Bundesrock-Sieger, Echo Pop, Goldene Europa, Goldene Kamera, Goldene Stimmgabel, RSH-Gold, meist mehrfach.

Eigentlich gibt es die Band aus Bietigheim schon seit dem Jahr 1975, zunächst als „Crusade“, dann 1980 als „Opus“, schließlich seit 1985 als „Pur“. Von Anfang an bis heute dabei ist Bandgründer Ingo Reidl, Keyboards und Gesang. Sänger Hartmut Engler mit Reidl für die oft tiefgründigen Texte verantwortlich, stieß kurz nach Gründung zur Band. Seit langem mit dabei sind Bassist Joe Crawford, Gitarrist Rudi Butlas, Martin Ansel an Gitarre und Akkordeon. Neuere Mitglieder sind Schlagzeuger Frank Dapper, Keyboarder und Sänger Cherry Gehring und Matthias Ulmer.

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