Puppentheater begeistert Publikum

Lesedauer: 4 Min
Wanja hat nur vier Zehen und sorgt für lustige Momente in der Stadtbücherei.
Wanja hat nur vier Zehen und sorgt für lustige Momente in der Stadtbücherei. (Foto: Stadtbücherei)
Schwäbische Zeitung

Auf Einladung von Spectrum-Kultur und der Stadtbücherei gastierte die Puppenspielerin Anke Scholz kürzlich mit ihrer neuesten Produktion im KITT.

Der Bilderbuchklassiker „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ könnte nicht aktueller sein: Erzählt er doch davon, wie eigentlich feindlich gesinnte Tiere in der Not zusammenhalten: Hase, Fuchs und Bär verbringen nämlich eine Nacht gemeinsam in der Hütte des braven Wanja, der sie so vor einem Schneesturm rettet. Vertrauen und Zusammenhalt hilft am Ende allen, lautet die innere Botschaft der Geschichte.

Die Inszenierung von Anke Scholz basiert auf dem gereimten Text des Bilderbuchs, den sie als Erzählerin zwischen den Szenen spricht. Dabei kommentiert ihre Mimik auch das Treiben der Puppen, vor allem dann, wenn Wanja sich dusselig anstellt, teilt die Stadtbücherei mit. Ihre Inszenierung lebt vom Fehlen jeder Hektik. Man fühlt sich in die eingeschneite Hütte versetzt und darf in Ruhe die liebevollen Details anschauen.

Babuschkas tummeln sich wie die Muklas bei „Petersson und Findus“ am Dachbalken, im Ofen glüht es rot auf, die Lampe über dem Bett geht an und aus. Jede Bettdecke hat ein anderes Muster und an der Wand hängen stilecht ein Geweih sowie ein Gewehr. Wenn Wanja seine grünen Wollsocken auszieht, erkennt man sogar in der hintersten Reihe seine lustigen Zehen. Er hat allerdings nur vier davon an jedem Fuß. Die drei Tiere können nicht sprechen, sondern drücken sich durch Gesten und Tiergeräusche aus. Meist spielt das Geschehen in der Hütte, dann aber wieder draußen im verschneiten Wald. Melodien und Windgeräusche untermalen die Szenen und zum Lachen gibt es auch immer wieder Anlass. All dies fügt sich harmonisch zu einer stimmungsvollen Inszenierung zusammen, so die Stadtbücherei.

Anke Scholz, die ihr Theater seit 2008 führt, gibt dem berühmten Bilderbuchklassiker ihr eigenes Gesicht. In der Szene, als alle schlafen, schläft sie als Erzählerin kurzerhand mit ein und lässt einen langen, poetischen Moment lang nichts geschehen. Erstaunlich, dass dabei die Spannung nicht abfällt.

Eine Veränderung gegenüber dem Bilderbuch bemerkte die „Weltklasse“ der Schillerschule mit ihrer Lehrerin Dorothea Fünfgeld: Bei Anke Scholz klopft es nämlich überhaupt nicht. Stattdessen ziehen Hase, Fuchs und Igel an einer hübschen, alten Glocke und klingeln.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen