Philippinenhilfe freut sich über eine Pensionierung

Lesedauer: 8 Min

Senden viele Grüße nach Tettnang: Johnny D. Lungao (rechts), daneben Pfarrer Jose Pic-It.
Senden viele Grüße nach Tettnang: Johnny D. Lungao (rechts), daneben Pfarrer Jose Pic-It. (Foto: PHH)

Bereits jetzt weist die Philippinenhilfe auf das Benefizkonzert hin, das Thin Mother am Samstag, 10. November, im Bäumle zugunsten der Hilfsaktion gibt.

Für Otmar Holz schließt sich mit der Pensionierung von Johnny D. Lungao ein Kreis: Seit den Anfängen der Tettnanger Philippinenhilfe anno 1985 wurde der damals 14-Jährige als einer der ersten überhaupt unterstützt. Und nun beschließt Lungao sein Berufsleben - und kehrt nach Tinglayan zurück. Dorthin, wo alles begann und wo die Paten der Hilfsaktion heutzutage immer noch 300 Kinder unterstützen.

Stationen aus Johnny D. Lungaos Leben: 1971 in Luplupa (einem der 20 Dörfer Tinglayans) als jüngstes von zehn Kindern einer armen Familie geboren. Die Grund- und Hauptschule schloss er 1986 als Jahrgangsbester ab. Nach dem Besuch der Saint Theresita Highschool absolvierte er ein Studium zum Elektroingenieur an der Technischen Hochschule in Manila, das er 1994 erfolgreich beendete. Während seiner gesamten Ausbildung konnte sich Johnny D. Lungao auf ein Stipendium stützen, bei dem der Verein „Heimat und Umwelt“ (mit Ottmar Ringer als Ansprechpartner) als Pate auftrat, der von der Philippinenhilfe Tettnang geworben wurde.

Im Jahr 1996 wurde Lungao Polizeibeamter im Ingenieurkorps der philippinischen Polizei. Drei Jahre später gelang ihm als „Seiteneinsteiger“ der Sprung zum Polizeiinspektor. Als diplomierter Elektroingenieur arbeitete Johnny D. Lungao in einer Vielzahl von Projekten und wurde mehrfach ausgezeichnet. Nach 21 Jahren im Polizeidienst ging er nun in Pension und lebt heute mit Frau und Kind wieder in seinem Haus in Tinglayan.

Sein Dank gilt der Philippinenhilfe Tettnang und seinem Sponsor; ohne ihre Unterstützung wäre sein Lebenstraum nicht in Erfüllung gegangen - das ist ihm wichtig mitzuteilen.

„Wir sind uns immer wieder begegnet“ – Otmar Holz, der Gründer und seitherige Vorsitzende der Philippinenhilfe Tettnang, erinnert sich gerne daran, dass sich Johnny D. Lungao in seiner Zeit in Manila (500 Kilometer von Tinglayan entfernt) als äußerst gastfreundlich gegenüber anderen Studenten aus Tinglayan zeigte. „Das ist natürlich toll: Wenn man jemand hilft und der gibt diese Hilfe dann an anderer Stelle weiter.“

Für seine frühzeitige Pensionierung hat Lungao eine Option genutzt, wonach Polizeibeamte nach 20 Dienstjahren in Pension gehen können. Dass er nun als Elektroingenieur in Tinglayan noch nebenher arbeitet, hält Otmar Holz für durchaus möglich - passt es doch zu dem Hintergedanken, dass Dorfbewohner nach Ausbildung und Beruf wieder im Heimatort ihre Kenntnisse einbringen und weitergeben.

„Wir haben viele Studenten, die von der Grundschule über die Highschool bis zum College und Studium von unseren Paten unterstützt werden“, ist Otmar Holz überzeugt, dass das Modell Philippinenhilfe nicht nur in Vergangenheit und Gegenwart erfolgreich war, sondern auch Zukunft hat.

BLICK

„Hinter der positiven Entwicklung der Gemeinde Tiglayan, der ,Heimat von Dornröschen’ und des letzten Tätowieres oder Mambabatok, verbirgt sich eine Geschichte, von der die meisten Leute vielleicht noch nie gehört haben – es ist die Geschichte von Otmar Holz und der Philippinenhilfe Tettnang.

Es war im Dezember 1982 als ein Tourist namens Otmar Holz aus der Stadt Tettnang in Oberschwaben in das kleine Dorf Tinglayan kam. Während seines Aufenthalts machte er Bekanntschaft mit Reverend Gilbert Obin, einem belgischen Priester, der damals die Missionsstation in dem Dorf leitete. Durch ihn lernte Otmar die Kultur und die Traditionen der Menschen in Tinglayan kennen.

Darüber hinaus erfuhr er von den Sorgen und Wünschen der Familien, vor allem in Bezug auf Schulbildung. Die meisten Kinder konnten damals aus finanziellen Gründen nicht zur Schule gehen. Zudem waren die vorhandenen Schulen in einem schlechten Zustand und es fehlte an ausgebildeten Lehrern. Otmar beschloss damals etwas zu unternehmen, durch Schulstipendien, getragen von Sponsoren. Das war die Geburtsstunde der Philippinenhilfe Tettnang. Es dauerte dann aber noch zwei Jahre ehe das Programm voll etabliert war.

Das Programm begann als private Initiative, die einige Kinder unterstützte. Sie wurden während ihrer Schulzeit und auch während der College-Ausbildung gefördert. Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad engagierten sich immer mehr Förderer aus Otmars Bekanntenkreis und aus ganz Deutschland in der Philippinenhilfe, die sich nun auch um die Verbesserung der schulischen Einrichtungen an der Saint Theresita High School kümmerte, der Schule im Zentrum des Programms.

Fast 35 Jahre später gewährt die Philippinenhilfe Tettnang immer noch Stipendien an die Menschen in Tinglayan und sie hat vielen geholfen, ihre Träume zu verwirklichen und indirekt für mehr Wohlstand in der Gemeinde Tinglayan gesorgt. Über die Jahre haben zahllose Menschen durch die Philippinenhilfe eine Ausbildung erhalten und einige von ihnen gehören heute als Politiker oder kirchliche Würdenträger zu den Machern im öffentlichen Leben der Philippinen. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Stipendien aus Tettnang zum Lebensnerv der Schule und der Gemeinde geworden sind.

Im Namen der St. Theresita High School und der Gemeinde Tinglayan, möchte ich Otmar Holz meine tief empfundene Dankbarkeit ausdrücken und in meinen Dank schließe ich alle die Wohltäter ein, die weiterhin helfen und unserer Jugend eine Ausbildung ermöglichen.

Auch Atty. Sacrament S. Gumilab, der Bürgermeister von Tinglayan – ein Stipendiat der Philippinenhilfe – drückt den Wohltätern aus Tettnang seinen Dank aus: „Wie unsere Förderer aus Tettnang bin ich davon überzeugt, dass Bildung von größter Wichtigkeit ist, der Schlüssel für Fortschritt, Entwicklung und nationalen Zusammenhalt und ich bin unseren Wohltätern dankbar für ihre anhaltende Unterstützung für unsere Schule und unsere Gemeinde. Gott wirkt wahrlich auf wundersame Weise.“

Bereits jetzt weist die Philippinenhilfe auf das Benefizkonzert hin, das Thin Mother am Samstag, 10. November, im Bäumle zugunsten der Hilfsaktion gibt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen