Pfarrvikar aus Indien tritt Dienst an

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Anand Rajamma-Das
Anand Rajamma-Das (Foto: oej)
Olaf E. Jahnke

Pfarrer Sebastian Powath verlässt nach zehn Jahren das Argental in Richtung Ravensburg und auch der Pfarrer i.R. Kurt Hamaleser steht nicht mehr zur Verfügung. Er zieht mit seiner Haushälterin Barbara Meißner nach Laufen am Neckar. Umso mehr freut sich Pfarrer Reinhard Hangst über neue Gäste, wie er beim Pressegespräch im Laimnauer Pfarrhaus erklärte. Der neue Pfarrvikar steht nun in den Startlöchern: Pfarrer Anand Rajamma-Das. Bis Juni wird der neue Pfarrvikar von Reinhard Hangst eingearbeitet, bevor es für Hangst zur Seelsorgeeinheit Ailingen-Ettenkirch-Oberteuringen geht.

Pfarrer Anand Rajamma-Das stammt aus Kerala in Südindien. Dort hat er im Jahr 2014 die Priesterweihe empfangen. Sein Theologiestudium in Rom hat er mit gleich mit drei Bachelor-Abschlüssen absolviert, bevor er 2015 nach Deutschland kam. Und obendrein beendete er auch noch die deutsche katholische Ausbildung für ausländische Pfarrvikare mit Bravour. Nach nicht immer ganz einfachen Zeiten in Tuttlingen und Stuttgart sei er nun sehr froh, auf dem Land zu sein und in dieser schönen Gegend, die ihn auch ein bisschen an seine Heimat auf dem Land erinnere. Seit Oktober wohnt Pfarrer Anand im Tannauer Pfarrhaus, wo er herzlich empfangen worden ist.

Der 31-Jährige erzählt auch von anderen Stationen seines Lebens. Dass er so gut Deutsch kann, liege an den ersten Ausbildungen beim Goetheinstitut in Indien, den Kontakten mit FSJlern der Diözese Rottenburg-Stuttgart dort sowie der Alltagspraxis in Deutschland. Obwohl er ein gewisses Talent für Sprachen habe – italienisch habe er bereits nach zwei Monaten beherrscht – habe er mit der deutschen Sprache nach sieben Monaten erst seinen Frieden gemacht und arbeite immer noch daran, auch am Schwäbischen.

Mit einem Augenzwinkern berichtete er von seinem Weg zum Priestertum. Eigentlich sei er drauf und dran gewesen, Kampfpilot wie sein Bruder zu werden. Er hatte sogar schon mit der Bewerbung begonnen. Aber nach einem Zahnarztbesuch sei das mit der Pilotenausbildung hinfällig geworden. Eine Begegnung mit Kapuzinern habe ihm den Weg gewiesen, er sich spontan berufen gefühlt und sei in die Ausbildung gestartet.

Wichtig seien für ihn seine Großeltern gewesen. Sie waren Christen der zweiten Generation in seiner Familie. „Glauben zu leben, ein Vorbild für die Jugend zu sein, ist besonders entscheidend dafür, den Glauben weiter zu geben“, sagte Anand Rajamma-Das. Im südindischen Kerala lebe die christliche Minderheit von drei Prozent in gutem Einvernehmen mit den Hindus. Gegenseitiger Respekt sei die Voraussetzung.

Theologisch und für die Entwicklung der katholischen Kirche seien die Gastpfarrer wichtig, beschreibt Pfarrer Hangst, denn inzwischen werden fast ein Drittel der Priesterstellen in der Diözese von Geistlichen aus anderen Kontinenten gestellt. Hier haben sich wohl die Verhältnisse umgekehrt, sagte Hangst: „Früher ging es zur Mission nach Afrika, Asien oder Südamerika. Heute kommen Impulse und eine Auffrischung von dort.“

Wenn es ans Theologische und die Gesamtkirche gehe, sagte Hangst, müsse man die katholische Kirche als weltumfassend verstehen. So sehe man, dass die jungen Kirchen von den anderen Kontinenten eine belebende Wirkung auf die heimische Kirchensituation mitbringe.

Pfarrer Anand formulierte in diesem Zusammenhang das Bild von einer Art Winterschlaf, in der sich die europäische katholische Kirche befinde. Dabei sei der Ritus und das Praktizieren des Glaubens doch sehr ähnlich, erklärte der indische Pfarrvikar. Niemand müsse erwarten, dass mit ihm als Pfarrer aus Indien besondere Exotik, orientalische Bräuche oder Yoga in die Kirche einkehrten. Sprachtalent Anand ist privat Hobbyfotograf, möchte sich bei den örtlichen Vereinen mit Fußball, Volleyball und Tischtennis einbringen, mag die Natur und die Musik.

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