Pfarrer Herbinger übernimmt Position des Liberos

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Konzelebration zur Amtsübergabe (von links): Pfarrpensionär Kurt Hamaleser, stellvertretender Dekan Josef Scherer, Dekan Bernd
Konzelebration zur Amtsübergabe (von links): Pfarrpensionär Kurt Hamaleser, stellvertretender Dekan Josef Scherer, Dekan Bernd Herbinger, Domkapitular Paul Hildebrand, Dekan Reinhard Hangst, Dekan Peter Nicola und Pfarrpensionär Manfred Schlichte. (Foto: hv)
Christel Voith

Unter Glockengeläut und dem Klang festlicher Fanfaren sind am Freitagabend Musikverein, Bürgerwehr und Spielmannszug in ihren schmucken Uniformen in die Laimnauer Kirche einmarschiert, wo Dekan Reinhard Hangst aus dem Amt verabschiedet und Dekan Bernd Herbinger eingeführt wurde. Im ländlichen Laimnau ist die Kirche noch fest im Dorf verankert.

Gut gefüllt war St. Peter und Paul, als nach den Vereinen die Konzelebranten mit den Ministranten einzogen. Unter den Gläubigen saßen auch die Bürgermeister und Ortsvorsteher, die Geistlichkeit und die kirchlichen Mitarbeiter der Gemeinden des Dekanats Friedrichshafen wie aus dem benachbarten Dekanat Linzgau. In Vertretung von Bischof Gebhard Fürst feierte Domkapitular Paul Hildebrand aus Rottenburg mit den Dekanen Hangst und Herbinger die heilige Messe, mit am Altar standen der alte und neue stellvertretende Dekan Josef Scherer, Dekan Peter Nicola vom Dekanat Linzgau und die Pfarrpensionäre Kurt Hamaleser und Manfred Schlichte, die auf 60 und 50 Jahre Priesterleben zurückblicken. Wie Hangst in seiner Begrüßung sagte, wurden er und sein Nachfolger beide vor 22 Jahren in Waiblingen zum Priester geweiht.

„Dem Vergangenen Dank, dem Neuen ein Ja“, so umriss Domkapitular Paul Hildebrand in seiner Predigt den Sinn der Feier. In einer „Gesellschaft der Ich-linge“, so ein Titel in der Stuttgarter Zeitung, in einer Zeit, in der auch in der Kirche Unruhe herrsche, Angst vor dem Verlust des Gewohnten und Unsicherheit vor dem Unbekannten, finde man auf der Suche nach Halt und Orientierung eine Wegweisung in der Bibel, im Wort Gottes. Aufgabe des Dekans sei es, seine Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken und den Menschen die Menschlichkeit Gottes zu zeigen.

Dekan Hangst habe in seiner 14-jährigen Amtszeit Vorbildliches geleistet, ebenso brächten Bernd Herbinger und sein Stellvertreter Josef Scherer eine reiche Erfahrung mit: „Das Dekanat Friedrichshafen darf sich glücklich schätzen, solche Dekane zu haben.“ Für die Arbeit der Kirche nannte Paul Hildebrand drei Zielrichtungen: Kindern und Jugendlichen Orientierung geben, Arme unterstützen und Alten, Kranken und Sterbenden Beistand leisten: „Wir müssen die Gemeinden so gut wir können unterstützen, mitnehmen auf dem Weg der Veränderung, ohne Angst in die Zukunft gehen und dabei die Kraft Gottes spüren.“

Umrahmt von Kirchenchor, Musik und Gemeindegesang schlossen sich an die Messfeier Grußworte sowie Reinhard Hangsts Worte zum Abschied und Bernd Herbingers Worte zum Beginn an. „Wie sieht’s denn aus mit Kirche und Politik?“, fragte Landrat Lothar Wölfle und sprach von vielfältigen Berührungspunkten. Wölfle lobte Hangsts Menschlichkeit und Humor, er habe nie halbe Sachen gemacht.

Umsichtig, zielorientiert und mit großem integrativem Geschick habe Dekan Hangst gewirkt, sagte Codekan Gottfried Claß im Namen der evangelischen Schwesterkirche, und an Dekan Herbinger gewandt: „Schön, dass du die nächsten Jahre mein katholischer Kollege bist – ich könnte mir dich auch als evangelischen Kollegen vorstellen.“ Herbinger bringe die besten Voraussetzungen mit: „Er kann verwalten und er kann prima predigen.“ Mit einem Überschuss an Hoffnung solle er anderen gegenübertreten und die Sorgen an Gott abgeben: „Leben aus der Hoffnung auf die neue Welt“. Als Sprecherin für die Fachdienste und Beratungsstellen im Dekanat lobte Schuldekanin Birgit Rathgeb-Schmitt Hangsts kompetente und humorvolle Leitung der gemeinsamen Konferenzen und wünschte sich dies auch von seinem Nachfolger.

Kein Haupt-, sondern Nebenamt

Als Zweiter Vorsitzender des Dekanatsrats sprach Bernhard Vesenmayer vom großen Vorbild, das Hangst vorgelebt habe: „Einfach ein toller Kerle!“ 29 Kirchengemeinden so eng wie möglich zusammenwachsen zu lassen und dabei immer die Realität im Auge zu haben, das sei ihm gelungen: „Wir sind gut beraten gewesen, Sie in Ihr Amt zu wählen.“ Dasselbe gute Gefühl hätten sie jetzt auch mit Dekan Herbinger, den sie einstimmig gewählt hätten, nachdem er bereits sieben Jahre stellvertretender Dekan war: „Haben Sie Freude und Freunde, vertrauen Sie auf den Heiligen Geist, segne Sie Gott!“

Herzlich dankte „Dekan a.D.“ Hangst allen Wegbegleitern von der Diözesanleitung bis zur Dekanatsreferentin Christa Hecht-Fluhr: „Wir sind echt ein tolles Team gewesen.“ Freude habe ihm Bischof Fürst gewünscht und viel Freude habe er auch erlebt: „Menschlich, theologisch und spirituell sind wir im Dekanat Friedrichshafen eine tolle Truppe.“ Angesichts allen Engagements, das Hangst in sein Amt eingebracht hatte, meinte Dekan Herbinger: „Ich werde oft bewusst Nein sagen und versuchen, etwas auszudünnen: „Der Dekan ist ein bisschen der Libero.“ Bewusst solle es kein Haupt-, sondern ein Nebenamt sein. Priester und Mitbruder wolle er bleiben: „In einer Zeit der Erwartung müssen wir voll Mut ausschreiten.“

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