Packendes Stück in starken Bildern

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Max und Taifun am MGTT: Gelangweilt und unzufrieden hängt die Jugend herum, leicht empfänglich für Jonas' Hassparolen.
Max und Taifun am MGTT: Gelangweilt und unzufrieden hängt die Jugend herum, leicht empfänglich für Jonas' Hassparolen. (Foto: Helmut Voith)
Helmut Voith

Zeitig im Jahr hat die Theater-AG des Montfort-Gymnasiums zu ihrem Stück „Max und Taifun“ eingeladen. Die „Schwäbische Zeitung“ durfte die Generalprobe am Freitagmittag besuchen, die Premiere wird am Montag in der Aula des Gymnasiums über die Bühne gehen.

Über die Bühne? Fast. Anders als sonst wird nicht nur die Bühne bespielt, sondern eine Plattform mit einer mobilen Bushaltestelle, die weit in den Zuschauerraum hineinragt. Sie ist der Treffpunkt für die Dorfjugend, die Zuschauer sitzen darum herum. Ganz hinten, erhöht, ist ein Refugium, in das sich zwei Personen zurückziehen können – hier werden die Protagonisten Max und Taifun einander verstehen lernen. Auf der Bühne bleibt nur ein schmaler Raum, auf dem gerade mal ein Tisch Platz hat, der Familientisch des Bürgermeisters irgendeines idyllischen Dorfes, und auf der gegenüberliegenden Seite ein Teppich, auf dem die Flüchtlinge kauern, die das Dorf aufgenommen hat. Dahinter sitzt die Bigband des MGTT, die unter der Leitung von Patrick Brugger das Stück begleitet und kommentiert, je nach Situation mal als respektable Blaskapelle – alle Achtung -, mal als Bigband.

Am Ende des Programmflyers steht „Text und Regie Sebastian Korth“. Der neue Leiter der 1989 gegründeten Theater-AG führt sich mit einem eigenen, mit den Schülern erarbeiteten Stück ein, das die Problematik der Flüchtlinge sehr eingängig von beiden Seiten zeigt: in der Haupthandlung und Jahre später in Prolog und Epilog.

Ein vierstimmiger Chor murmelt und wirft immer lauter die gängigen Vorurteile, die Gedanken in den Raum. Die Flüchtlinge kommen an, werden mit freundlichen Worten begrüßt, und schon ist das Verhältnis gespannt: Die Ankommenden lehnen das zum Willkommen angebotene Bier ab, Barrieren werden heraufbeschworen. Am Tisch des Bürgermeisters wie im Lager der Flüchtlinge wird die Aufnahme diskutiert, werden Fronten sichtbar. Tiefgehende Gespräche loten die eigene Stellung aus, ehe die Konfrontation mit der anderen Seite erfolgt. Konfrontation gibt es gerade auch unter den Jugendlichen, die sich bei der Bushaltestelle begegnen, ihre Stärke erproben, sich verhalten wie im richtigen Leben. Vorurteile prallen aufeinander, die Unzufriedenheit der Dorfjugend mit ihrer Enge macht sie empfänglich für Hassparolen. Eine scheue Freundschaft entsteht zwischen Max, dem Sohn des Bürgermeisters, und dem geflüchteten Taifun, sie öffnen sich einander, entdecken Gemeinsamkeiten. Natürlich lassen die anderen nichts unversucht, so eine Freundschaft auseinanderzubringen, sind taub gegen Argumente. Dass auch friedliches Miteinander geht, zeigen zwei Afrikaner, Christ und Muslim, die die Flucht zusammengeführt hat.

Die Jugendlichen spielen mit innerer Anteilnahme. Sie kennen die Probleme, halten die Beschäftigung damit für notwendig. Das überträgt sich schnell auf die Zuschauer. Diese bekommen hier ein besonderes, packendes Theatererlebnis, voll aus dem Leben gegriffen, als Anstoß, die eigene Haltung zu reflektieren.

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