Ortschaftsrat Kau korrigiert Formfehler

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 Der Kampf des Ortschaftsrates Kau und der Interessengemeinschaft-Walchesreute-B
30-neu gegen die geplante Ostumfahrung geht we
Der Kampf des Ortschaftsrates Kau und der Interessengemeinschaft-Walchesreute-B 30-neu gegen die geplante Ostumfahrung geht weiter: In den kommenden Tagen bekommt das Regierungspräsidium Tübingen Post von Ortsvorsteher Joachim Wohnhas. Das bereits vor Jahren aufgestellte Protestplakat ist derzeit übrigens verschwunden, kommt aber bald zurück: Es hat einen Wetterschaden erlitten und muss repariert werden. (Foto: Archiv: Linda Egger)
Sportredakteur

Der Ortschaftsrat Kau hat am Montagabend einen Verfahrensfehler korrigiert, der dem Gremium kürzlich unterlaufen war: Am 10. September hatte der Rat unter dem Vorsitz von Ortsvorsteher Joachim Wohnhas in nichtöffentlicher Sitzung einen Beschluss zum Thema B 30-Ostumfahrung gefasst. Die Voraussetzungen für einen nichtöffentlichen Beschluss waren laut Sitzungsvorlage jedoch nicht gegeben. Am Montag nun wurde der Beschluss vom 10. September nochmals öffentlich und damit gültig gefasst. Im Wortlaut heißt es darin: „Der Ortschaftsrat Kau steht geschlossen hinter der Interessengemeinschaft-Walchesreute-B 30-neu und lehnt somit einen Bau der B30-Variante Ost ab.“ Der Beschluss sei im Ortschaftsrat bei einer Enthaltung gefasst worden, sagte Joachim Wohnhas der Schwäbischen Zeitung am Dienstag und bekräftigte erneut den eigenen Standpunkt: „Wir sind für eine Westtrasse durch den Brochenzeller Wald.“

Die vom Regierungspräsidium derzeit geplante B 30-Variante Ost bedrohe nämlich mehr Landwirte als eine vom Ortschaftsrat und der Interessengemeinschaft angestrebte Westumfahrung. Wohnhas weiter: Eine Quertrasse gebe es so oder so. Bei der Variante West wären außerdem viel weniger Grundstückeigentümer betroffen. Hinzu kommt laut Wohnhas, dass die Ostvariante sieben Kilometer länger wäre – was nicht im Sinne des Naturschutzes sein könne. Denn der Transitverkehr, das seien etwa 10000 Autos pro Tag, müsse durch die Verlängerung 25 Millionen Kilometer mehr pro Jahr fahren – allein durch die zusätzlichen sieben Kilometer.

Beim Bau der Ostvariante hingegen wären in der Ortschaft Walchesreute einige landwirtschaftliche Vollerwerbsbetriebe existenziell bedroht und im schlimmsten Fall gar zur Aufgabe gezwungen, weil sie Flächen für den Straßenbau zur Verfügung stellen müssten. Darüber hinaus würde nördlich der Hegenen-Straße (Verbindungsstraße zwischen Pfingstweid und Reute) ein Rastplatz für Zugvögel, die jeden Herbst dort eintreffen sowie ein Biotop zerstört.

Trotz der Brisanz des Themas bleibt Wohnhas im Ton sachlich-konstruktiv: „Wir sind im Ortschaftsrat ja auch der Meinung, dass die B 30-Ortsumfahrung kommen muss. Der Lückenschluss muss her. Und Flächen sind auch auf der Ostseite durchaus vorhanden. Aber wir wollen den Lückenschluss eben anders als das Regierungspräsidium. Ich fürchte zwar, dass unsere Chancen, die bestehenden Pläne tatsächlich nochmal zu ändern, nahezu gegen Null tendieren. Aber wir wollen uns am Ende nicht vorwerfen müssen, nicht wenigstens alles versucht zu haben.“

Zumindest die exakte Trassenführung auf der geplanten Ostumfahrung sei seines Wissens noch nicht abschließend festgelegt, so Wohnhas. Wenn die Ostumfahrung, wie allseits erwartet, käme, läge zumindest da noch Verhandlungsspielraum, falls die Trassenführung nicht den Vorstellungen von Ortschaftsrat und Interessengemeinschaft entspräche. Wohnhas: „Wenn diese Entscheidung auch nicht in unserem Sinne ausfällt, muss man halt nochmal diskutieren.“

Jetzt kriegt das Regierungspräsidium in Tübingen aber erst mal den gültigen Beschluss zugesandt. Wohnhas: „Und dann schauen wir mal, wie es weitergeht.“

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