Nicht immer eine einfache Beziehung

Lesedauer: 5 Min
 Claudia Haarmanns Bären stellen Mütter und Töchter dar.
Claudia Haarmanns Bären stellen Mütter und Töchter dar. (Foto: Annette Rösler)
Annette Rösler

Weitere Informationen über die Vortragsreihe gibt es per E-Mail an

info@schulsozialarbeit-tt.de

Um die besondere, gleichzeitig aber auch oft schwierige Beziehung zwischen Müttern und Töchtern ist es beim zweiten Vortrag im Rahmen des „Pädagogischen Herbsts“ in der Aula des Montfort-Gymnasiums in Tettnang gegangen. Claudia Haarmann, Journalistin, Buchautorin und Therapeutin aus Essen, sprach einfühlsam und humorvoll darüber, welche Auswirkungen die Bindungserfahrung zur Mutter auf unser Leben und den Kontakt zu anderen Menschen hat.

Manfred Heller, Leiter der Schulsozialarbeit Tettnang, freute sich bei seiner Begrüßung über das „volle Haus“, in dem der Männeranteil mit drei Personen fast nicht zu erkennen war.

„Ich habe keine PowerPoint-Präsentation dabei, sondern möchte direkt mit Ihnen in Kontakt sein und Sie bitten, mit Tochterohren zu hören. Fragen sind jederzeit erlaubt“, sagte Claudia Haarmann. Laut neurobiologischen Erkenntnissen sei die Biografie des Kindes schon in der Schwangerschaft abgeschlossen. Diese einmalige, enge Bindung beeinflusse das Muster für alle folgenden Beziehungen im Leben, auch Liebesbeziehungen. An allen Gefühlen der Mutter, ob positiv oder negativ, nehme das Kind im Mutterleib teil. Deshalb hätten Kinder, die gewollt sind, ein größeres Wertgefühl und mehr Vertrauen ins Leben als andere.

Ist das Kind da, sorgt das Neurohormon Oxytocin, auch Kuschelhormon genannt, unter anderem für die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind. Die Mutter ist seine erste Liebe und es braucht das Gefühl, willkommen und angenommen zu sein, um ein sicheres Fundament im Leben zu haben. „Schauen Sie doch mal Ihre Sitznachbarin an und sagen: Schön, dass du da bist“, ermutigte Claudia Haarmann ihre aufmerksam lauschende Zuhörerschar. Sofort hörte man fröhliches Lachen. „Sehen Sie, wie wichtig das ist?“ Deshalb sagen Sie ihrem Kind sooft wie möglich ,schön, dass du da bist, ich liebe dich, so, wie du bist!’“

In der Pubertät beginnt die Suche

Während das kleine Mädchen sich mit seiner Mutter identifiziert, fängt das pubertierende Kind an, sich selbst zu suchen. Wer bin ich, wenn ich nicht Mama bin? Es sei in jeder Phase eine biologische Notwendigkeit, sich über andere Menschen zu regulieren, sagte Haarmann. Deshalb solle man einander zuhören und in Verbindung bleiben.

„Sie schildern hier das Positive, aber was tut man, wenn der Idealfall fehlt?“, fragte eine Zuhörerin. Wichtig sei es, den Idealfall zu kennen, sagte die Referentin. Nicht jede Mutter kann den Kindern alles geben, was sie brauchen. Das hängt von ihrer eigenen Lebensgeschichte ab und oft gibt es „etwas“, was sie daran hindert. Durch persönliche negative Erfahrungen der Mutter fehlt manchmal die Nähe zwischen Mutter und Tochter. Für die Tochter sei es deshalb wichtig, Freunde zu haben, denen sie sich öffnen kann, und die Mutter solle versuchen, mit der Tochter über Erlebtes zu sprechen.

Haarmann beschrieb daraufhin die zwei wichtigen Säulen der Liebe: Die eine ist die Nähe und Vertrautheit und die andere der eigene Weg der Kinder, auf dem man sie zwar nicht vor Schicksalsschlägen bewahren, aber als sicherer Hafen jederzeit erreichbar sein kann.

Nach ihren Worten, die manche Tochter und Mutter nachdenklich gemacht hatten, erhielt Claudia Haarmann einen langanhaltenden Applaus. Anschließend wurde ihr Angebot, persönliche Fragen zu beantworten, gerne angenommen.

Weitere Informationen über die Vortragsreihe gibt es per E-Mail an

info@schulsozialarbeit-tt.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen