Neujahrsempfang im Neuen Schloss steht im Zeichen der Achtsamkeit

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Redaktionsleiter

Ein kurzweiliges Programm mit Musik, Reden und einem Impulsvortrag von „Überlebensberater“ Johannes Warth hat viele Tettnanger zum Neujahrsempfang der Stadt in den Rittersaal gelockt: Der war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Programm war berührend und amüsant. Im Anschluss gab es angeregte Gespräche beim Stehempfang im Bacchus-Saal.

In seiner Neujahrsrede verwies Bürgermeister Bruno Walter auf das kommende Wachstum, bei dem die Stadt Tettnang die 20 000-Einwohner-Grenze dauerhaft überschreiten werde. Das Jahr 2018 sei in diesem Zusammenhang ein Planungsjahr gewesen, um kommende Projekte vorzubereiten.

Hier nannte Walter eine Vielzahl an Vorhaben, unter anderem den Bau zweier Kindergärten, den Neubau einer städtischen Sporthalle, Sanierungsarbeiten am Schul- und Kindergartenstandort Kau samt Weiterentwicklung, die Fortführung der Innenstadtentwicklung, die Betrachtung der Verkehrs- und Parksituation und auch den Bau von Wohnungen. Mit den Investitionen, so Walter, „legen wir für die kommenden Generationen den Grundstein für eine erfolgreiche Perspektive“.

Er erwähnte auch die „Rekordhöhe“ der Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 15,56 Millionen Euro, die geringste Verschuldung seit 2010 (13,26 Millionen Euro am 31. Dezember) und eine Liquidität von etwa 7,7 Millionen Euro.

Auch seien weitere Anstrengungen für die Unterbringung von Obdachlosen und Flüchtlingen notwendig. Dies aber, so Walter, über den Bau kleinerer Einheiten, um „Grundlagen für eine gute Integration zu legen“. Hier wies er auf die Notwendigkeit von Achtsamkeit, Respekt und Toleranz hin.

Womit Walter den Bogen vom Beginn seiner Rede aufgriff, in der er sich besorgt über das Auseinanderdriften der Gesellschaft äußerte. Unter einer zunehmend schärferen Sprache und dem fehlenden Respekt voreinander leide das Zusammenleben. Walter rief dazu auf, sich – so wie bereits viele Menschen in der Stadt – bürgerschaftlich einzubringen. Er nannte hier etliche Beispiele von Sport- und Musikvereinen bis hin zum Dorfladen und Dorftreff Hiltensweiler.

Sozialminister Manne Lucha verwies ebenfalls darauf, dass es bei Politik darum gehe, wie man das Zusammenleben gestalten könne und nannte einige Beispiele, in denen das Land die Kommunen unterstützt, etwa im Bereich der Quartiersentwicklung oder in der frühkindlichen Betreuung. Wobei er nicht verschwieg, dass nicht immer alles perfekt sei, dies unter anderem mit Verweis auf den Zeitplan für die Elektrifizierung der Südbahn. Insgesamt aber verwies er auf die Attraktivität der Region Bodensee-Oberschwaben: Hier gebe es im Vergleich das niedrigste Armutsrisiko.

Lucha ermunterte dazu, im Mai zu wählen: „Wir dürfen unsere politische Kultur nicht aufgeben.“ Diese versuchten rechtspopulistische Parteien außer Kraft zu setzen. Es sei wichtig, Gesellschaft achtsam und respektvoll miteinander zu gestalten. „Der Sinn von Politik ist Freiheit“, zitierte Lucha die Historikerin und politische Philosophin Hannah Arendt. Diese Freiheit gelte es zu schützen.

Um die „acht Samen“ der Achtsamkeit ging es dann bei Johannes Warth, der in seinem Impulsvortrag packend und unterhaltsam klar machte, warum man offen sein und andere achten sollte, dies auch mit Jonglage-Einlage und Blechtrommel (Warth: „schwäbisches Schlagzeug“). Musikalisch allerdings hatten auch das Harfenensemble der Musikschule und Felix Gasper am Marimbaphon so einiges zu bieten.

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