Natur wütet gegen Polka „Unter Donner und Blitz“

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Natur wütet gegen Polka „Unter Donner und Blitz“
Natur wütet gegen Polka „Unter Donner und Blitz“ (Foto: Helmut Voith)
Redaktionsleiter

Die „romantische Opern-Nacht“ des Sinfonieorchesters Friedrichshafen im Innenhof des Neuen Schlosses hat nicht sollen sein. Statt der vorgesehenen „Blitz-und-Donner“-Polka von Johann Strauß sind Blitz und Donner und dicke Regentropfen von oben gekommen und das Konzert musste abgebrochen werden. Besucher und Musiker retteten sich in die Gänge des Neuen Schlosses und harrten der Dinge.

Der Regen indes ließ nicht nach, sodass das Konzert letzten Endes abgesagt wurde. Martin Dürr von Spectrum Kultur sagte auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“: „Auf allen Kanälen, die wir nutzen, hieß es, dass Tettnang verschont werden würde.“ So habe man entschieden, das Konzert unter freiem Himmel stattfinden zu lassen. Als dann der Regen kam und entgegen aller Hoffnung das schlechte Wetter nicht nachließ, sei der Aufwand für den Umzug wegen der späten Stunde zu hoch gewesen – auch wenn es prinzipiell eine Ausweichmöglichkeit für das schlechte Wetter gegeben hatte.

Was die Zuhörer im randvollen Schlosshof hören durften, hat umso mehr bedauern lassen, dass die Verantwortlichen das Risiko eingegangen waren, trotz dräuender Wolken auf Open Air zu setzen. Beschwingte Leichtigkeit brachte eingangs Franz Schuberts Ouvertüre zur Oper „Die Zauberharfe“, die der Komponist später als Ouvertüre der Bühnenmusik zum Schauspiel „Rosamunde“ erneut einsetzte. Bezaubernd war die Melodie in den Holzbläsern, mit der das tiefe Blech kontrastierte. Ein gelungener Auftakt für das „Eintauchen in die Welt der Romantik“, das Joachim Trost noch hoffnungsvoll versprach. Zum Opernorchester mutierte das Sinfonieorchester Friedrichshafen, als es, von Trost fein zurückgehalten, die Arie der Norina „Quel gardo il cavaliere“ aus Donizettis Oper „Don Pasquale“ begleitete. Ein Erlebnis war es, die junge Sopranistin Anna-Magdalena Perwein – wie Maria Hegele derzeit im Masterstudium Gesang am Mozarteum Salzburg – als Norina zu erleben. Erst im Juni hatten beide in St. Johann mit geistlichen Gesängen beeindruckt, nun durften sie mit einer ganz anderen Seite glänzen.

Perwein kokettiert als Luder

Köstlich charmierte und kokettierte Perwein als kleines Luder, das den alten Don Pasquale an der Nase herumführt. Kraftvoll trällerte sie ihre Koloraturen, ließ dabei mit lebhafter Mimik erleben, mit welchen Tricks sie den Alten bezirzen und dann wieder loskriegen wollte.

Ein Lob gilt hier auch dem gut eingestellten Mikrofon, das den Ton sehr echt herüberbrachte. In der folgenden Romanze zeigte Mezzosopranistin Maria Hegele mit wunderbar klaren und warmen Koloraturen viel Herz. Bestens traf sie den Ton der Zarzuela, der spanischen Spielart der Operette, in Ruperto Chapis „Las hijas del Zebedeo“ (Die Töchter des Zebedeus). Aus Léo Delibes’ Ballett-Suite „Sylvia“ stammte die Ballettmusik, in der die Musiker mit romantischem Hörnerklang und flirrenden Streichern in eine ebenso idyllische wie mythische Wald-Welt entführten.

Eine farbenprächtige Musik, die Bilder leichtfüßiger Nymphen vor den Augen entstehen ließ. Wie viel Schönes das Konzert noch versprach, ließ das Blumenduett der Sängerinnen aus Delibes’ Oper „Lakmé“ erahnen, in dem die beiden in perfekter Harmonie ihre Stimmen strömen ließen, vom Orchester sanft eingebettet. Doch vernehmlich grollte der Himmel und die ersten Tropfen fielen.

Zwar wurde noch eine Stunde abgewartet, doch den Musikern war nicht zuzumuten, ihre kostbaren Instrumente dem noch immer fallenden leichten Regen auszusetzen. Wie die Geigerin Andrea Diersch sagte, würden die Musiker das Konzert, für das sie ein halbes Jahr geprobt hatten, gerne wiederholen, was jedoch aus organisatorischen Gründen nicht möglich scheint. Dirigent Joachim Trost war wegen Unterrichtsverpflichtungen leider nicht für ein Gespräch erreichbar.

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