Musik von Johann Sebastian Bach erklingt in der Kapelle St. Georg

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 Musizieren gemeinsam (von links): Sologeigerin Veronika Unger, erste Violine Elke Schaar, zweite Violine Katrin Klemm, Sopranis
Musizieren gemeinsam (von links): Sologeigerin Veronika Unger, erste Violine Elke Schaar, zweite Violine Katrin Klemm, Sopranistin Nina Schulze und Mezzosopran und alt Felicitas Brunke. (Foto: Annette Rösler)
Annette Rösler

In der voll besetzten Kapelle St. Georg in Tettnang sind die Zuhörer am Abend des Palmsonntags in den Genuss einer Premiere gekommen. Das erste Konzert nach der Renovierung des Gotteshauses bot mit geistlicher Musik von Johann Sebastian Bach ein besonderes Ereignis in feierlicher Umgebung. Den Impuls für das Konzert hatte Hermann Locher gegeben, der in seinem Nebenberuf als Sänger eine besondere Liebe zu den Werken von J. S. Bach entwickelt hat. Mit dem Orgelwerk „Jesu, meine Freude“ aus „Fantasia super“ eröffnete Orchesterleiter und Organist Gerhard Breinlinger den Abend.

Die Verbindung zwischen Geburt, Opfertod und der Auferstehung Jesu sowie seiner Erscheinung vor den Jüngern, drückte die Kantate „Der Friede sei mit dir“ aus. Dem Bass-Solo mit Hermann Locher folgte ein lebhaftes Duett mit der Sopranistin Nina Schulze und Locher, begleitet von Veronika Unger auf der Solo-Violine, Kontrabass und Violoncello. „Laudamus te – Wir loben dich“ aus der h-moll Messe des Barockkünstlers, ausdrucksvoll gesungen von Felicitas Brunke, Mezzosopran, begleitet von den Streichern und „Christe eleison“, ein wunderbares Duett von Sopran und Mezzosopran, begeisterten die Zuhörer. Ein besonderes Erlebnis für die Konzertbesucher boten auch zwei Choräle aus Bachs Kantate „Herz und Mund und Tat und Leben“ zum Mitsingen. Die Lieder „Wohl mir, dass ich Jesum habe“ und Jesus bleibet meine Freude“ füllten gemeinsam mit den Kirchenbesuchern, den ausgebildeten Gesangstimmen und dem Orchester den Raum.

In einer Solo-Suite für Violoncello in C-Dur zeigte Frank Westphal sein Können. In den verschiedenen Suiten waren Hoftänze aus der Entstehungszeit um 1715 herauszuhören, mal glitt der Bogen zart über die Saiten, mal galoppierte er förmlich. Die dunklen Töne berührten sogar ganz kurz einen rockigen Sound. „Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten“ aus der Johannespassion soll die Erhabenheit Jesu auch im Leiden darstellen. Die Aufregung des Herzens und die Bitte der Menschen an Jesu, ihnen zu helfen, seinen Leidensweg ohne zu verzagen mitzugehen, brachte Nina Schulze in der Sopran-Arie wunderschön zum Ausdruck. „Schlummert ein, ihr matten Augen“ – in einer ernsten und gefühlvollen Szene sang Herrmann Locher aus dem Todes-Wiegenlied die Arie „Ich habe genug“. Das Werk erzählt von einem Greis, der sich schon von allem Irdischen gelöst hat und sich nach der Heimkehr in den Himmel sehnt. Sehr ernst auch das von Felicitas Brunke gesungene Alt-Solo aus der h-Moll-Messe „Agnus dei – Lamm Gottes“. Einen Höhepunkt protestantischer Kirchenmusik von Bach stellt die Matthäuspassion da. „Mache dich, mein Herze rein“, ist die letzte Arie vor Jesu Grablegung. Dramatisch, feinsinnig und schlicht zugleich sei der Aufbau des Werks, so die Ankündigung im Programm, was Hermann Locher mit Gesang und Veronika Unger mit der Solovioline wunderbar ausdrückten.

Nach dem zweiten gemeinsam gesungenen Choral blieb es in der Kapelle einige Sekunden still, dann erhielten die Sänger und das Orchester einen lang anhaltenden Applaus mit stehenden Ovationen.

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