Musik, die die Seelen erhebt

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Kantor Stefan Göttelmann hat mit dem evangelischen Kirchenchor die Bach-Kantate "Lobe den Herren" einstudiert, im Bild singen di
Kantor Stefan Göttelmann hat mit dem evangelischen Kirchenchor die Bach-Kantate "Lobe den Herren" einstudiert, im Bild singen die Solisten Hermann Locher und Stefanie Müller-Deuschle (rechts vorne). (Foto: HV)
Christel Voith

Mit der Bach-Kantate BWV 137 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ hat die evangelische Martin-Luther-Gemeinde am Sonntagabend in der randvollen Schlosskirche einen besonderen Kantatengottesdienst gefeiert.

Von Liedern, die Gott uns ins Herz gelegt hat, sprach Pfarrer Thomas Wagner in seinem Eingangsgebet – der Choral „Lobe den Herren“ gehört ganz gewiss dazu. Johann Sebastian Bach hat das fünfstrophige Lied von Joachim Neander von 1680 wörtlich übernommen und zu einer Choralkantate geformt, die in symmetrischem Aufbau zwei Arias und ein Duett mit Ecksätzen für den Chor umrahmt. Besonders festlich wird die Kantate durch die Besetzung mit drei Trompeten, zwei Oboen, Streichern, Pauken und Orgel.

Gottesdienst mit zwei Besonderheiten

Zwei Besonderheiten prägten den erhebenden Gottesdienst: Die Kantate wurde zuerst in den Gottesdienst, in Gebete und Predigt einbezogen und am Ende im Ganzen wiederholt, so dass die Zuhörer in Ruhe noch einmal den Gesang und die Musik hören, sich in die Gedanken vertiefen konnten. „Nur ein schöner Sinnenrausch, der vernebelt?“, fragte Pfarrer Wagner, um die Frage sogleich mit Überzeugung zu verneinen: Diese Musik öffne im Gegenteil den Gedanken einen großen Raum und lasse den Blick ganz klar werden, sie singe von dem, was unsere Herzen erfüllt und unsere Seelen erhebt: „Gott sei Dank für solche Musik, solchen Gesang.“ Auf Augenhöhe spreche der Dichter den Menschen an: „Hast du nicht dieses verspüret?“ Er nehme einen an die Hand, lasse Gottes Spuren im Leben erkennen, ebenso wie Bach Hoffnung und Vertrauen schenke, sehen, fühlen und leben lehre.

Die zweite Besonderheit war die Besetzung der Kantate. Sorgfältig hatte Kantor Stefan Göttelmann, ein ausgesprochener Bach-Kenner, die Kantate mit dem Chor der evangelischen Kirchengemeinde einstudiert, auch das Ensemble mit dem sprechenden Namen „Cambiante“ bestand aus heimischen Kräften. Dazu ließ Göttelmann ein kollegiales Netzwerk wirken: An der Orgel saß, wenn Göttelmann dirigierte, Georg Grass, der Kantor der katholischen Geschwistergemeinde, von der Musikschule Tettnang kamen Musikschulleiter Wolfram Lutz an der Solovioline und Ruth Ochsner an der Oboe (zusammen mit Valentina Walser), am Cello saß Frank Westphal aus Lindau, die Pauke spielte der Tettnanger Hermann Locher, der zugleich die Bass-Aria übernahm im Duett mit der Sopranistin Stefanie Müller-Deuschle aus Lindau.

Harmonisch ergänzten die Tettnanger Altistin Birgit Halder und Tenor Peter Gortner aus Birmingham das Solistenquartett. Sehr schön war das Zusammenspiel von Solo-Sänger und Solo-Instrument: die Alt-Aria mit Solovioline, die Aria von Sopran und Bass im Dialog mit zwei obligaten Oboen und die Tenor-Aria mit der Trompete, welche Friedhelm Bießecker, Solotrompeter der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, leuchten ließ. Im Schlusschoral, den Göttelmann an der großen Orgel begleitete, war auch die Gemeinde einbezogen: „Lobe den Herren.“

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