Montfortfest ohne Pferde?

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Seit über 60 Jahren gibt es das Montfortfest. Seit über 60 Jahren begleiten Pferde den Umzug. Damit soll Schluss sein, fordert
Seit über 60 Jahren gibt es das Montfortfest. Seit über 60 Jahren begleiten Pferde den Umzug. Damit soll Schluss sein, fordert eine Initiative. (Foto: Archiv: Linda Egger)

Er soll Geschichte lebendig machen: Der historische Festumzug, der sich am Sonntag, 2. Juli, mit über 120 Umzugsgruppen – darunter Traktoren, Pferdegespanne und Reiter – durch die Straßen schlängeln wird. Doch gerade die Teilnahme von Pferden soll verboten werden, fordert nun eine Initiative.

„Für Sicherheit und Ordnung wird im Vorfeld und natürlich auch während des Festumzugs alles getan. Aber trotzdem gibt es bei Festumzügen durch den Einsatz zahlreicher Pferde immer wieder Verletzungen bei Zuschauern, Teilnehmern der Umzüge sowie auch bei den Pferden. Und das ist vermeidbar“, heißt es in der Forderung, die die „Pferdeschutz-Initiative 2015“ vor wenigen Wochen an die Stadt Tettnang geschickt hat. Aus Tierschutz- und Sicherheitsgründen solle der Einsatz von Pferden verboten werden.

Die „Pferdeschutz-Initiative 2015“, 2015 in Hennef nahe Bonn gegründet und nach eigenen Angaben bundesweit tätig, habe einen Hinweis bekommen, dass Pferde an dem Umzug in Tettnang teilnehmen, erklärt Dieter Kübbeler, Sprecher der Initiative. Es war der Ausgangspunkt für die Forderung, die Anfang Juni bei der Stadt einging.

„Gewisses Risiko“

„Sicherlich stellt die Teilnahme von Tieren an einem Festumzug ein gewisses Risiko dar“, sagt Judith Maier von der Stadt Tettnang auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“: „Die Stadt Tettnang versucht natürlich alles, damit die Pferde sich wohlfühlen. Am Aufstellungsplatz ist ein Tierarzt vor Ort, falls sich ein Tier verletzt. Außerdem stellen wir ausreichend Trinkwasser zur Verfügung.“

Doch reicht das? Nein, sagt Dieter Kübbeler: „Es wird immer gesagt, dass Reiter und Pferd gut vorbereitet sind. Das selbe Argument haben wir hier vor den Karnevalsumzügen in Köln und Bonn gehört – und trotzdem ist etwas passiert.“ In Köln sei ein Pferd zusammengebrochen, in Bonn ein Pferdegespann durchgegangen.

Ein Vorfall mit Folgen

Ähnliches passierte 2016 in Tettnang: Ein Pferd ist an einem Karussell erschrocken, scheute. In einer Meldung hieß es damals: „Zu einem Vorfall beim Montfortfest haben am Montag zum Teil wilde Gerüchte die Runde gemacht, wonach durch scheuende Pferde Zuschauer verletzt worden sein sollen. Judith Maier, Pressesprecherin der Stadt, bestätigt, dass eine gesundheitlich vorbelastete Frau sich aufgrund scheuender Pferde erschrocken habe und deshalb kollabiert sei.“

Entscheidung: Mit Pferden

Über den Vorfall mit der Pferdekutsche sei, so Maier, diskutiert worden – insbesondere was getan werden könne, um so etwas künftig zu vermeiden. Thema sei aber nicht gewesen, ob der Einsatz von Pferden verboten werden solle. Das Resultat: In diesem und in den folgenden Jahren wird während des Umzugs die Musik der Karusselle nicht laufen. Maier: „Wir als Stadt haben uns in diesem Jahr entschieden, den Umzug wie in den vergangenen Jahren durchzuführen – mit Pferden. Gleichzeitig haben wir alles getan und werden wir alles tun, um solche Unfälle künftig zu vermeiden.“

Sie erwähnt, dass die Pferde, die am Umzug teilnehmen, Privatpersonen gehören und auch von diesen geführt werden. Die Pferdehalter nähmen nicht nur am Montfortfestumzug, sondern auch an anderen Umzügen in der Region teil. Zudem würden am Umzug nur erfahrene Pferde eingesetzt.

Änderung der Tradition

Doch die Initiative sieht es trotz aller Erfahrung kritisch. In deren Mitteilung heißt es: „Pferde können beim geringsten Anlass erschrecken, steigen, scheuen, austreten, in Panik geraten, durchdrehen und unkontrolliert davon stürmen.“ Und weiter: „Dadurch gefährden sie sich, ihren Reiter und andere. Ihr Einsatz ist unverantwortlich. Selbst gute und erfahrene Reiter oder Kutscher können in brenzligen Situationen Unfälle nicht verhindern.“

Alternative: Ausschließlich Traktoren

Die Stadt will das Thema, ob künftig noch Pferde eingesetzt werden sollen, wieder aufnehmen und mit der Montfortfest-Kommission ansprechen. „Allerdings wäre dann die Alternative, dass nur noch Traktoren fahren“, so Maier. Es wäre eine langjährige Tradition betroffen.

„Tradition - ich weiß nicht, wann man mit der Tradition angefangen hat, wahrscheinlich dann, als es noch keine Fahrzeuge gab“, sagt Kübbeler. „Es gibt viele Traditionen, die inzwischen geändert wurden. Und es gibt Festumzüge, die auf Pferde verzichten können. Tradition – das ist für mich kein Argument.“

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