Daniela Barth führt Mitglieder und Gäste des Förderkreises Heimatkunde durch Museumsräume im Schloss Großlaupheim.
Daniela Barth führt Mitglieder und Gäste des Förderkreises Heimatkunde durch Museumsräume im Schloss Großlaupheim. (Foto: Gisbert Hoffmann)
Schwäbische Zeitung

Seit 1998 erinnert das „Museum zur Geschichte von Christen und Juden“ in Laupheim in beeindruckender Weise an eine der größten jüdischen Gemeinde im Königreich Württemberg. Lebendig und mit entsprechender Sensibilität führte Daniela Barth ihre aus Tettnang angereisten Gäste vom Förderkreis Heimatkunde durch die Ausstellungsräume im barocken Schloss Großlaupheim. Der einstige Schlossherr Carl Damian von Welden hatte 1732 erstmals Juden aus (Bad) Buchau aufgenommen. Er sah für sein kleines, hochverschuldetes Territorium darin die Möglichkeit, durch Schutzgelder seine Finanzlage zu verbessern. Aus den ersten vier Familien wuchs bis Mitte des 19. Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde mit 860 Menschen. Das entsprach einer Stadtbevölkerung von 23 Prozent. Schon 1770 wurde eine kleine Synagoge gebaut, die man 50 Jahre später durch ein imposantes Gebäude ersetzte.

Einprägsam kann man die wechselvolle Geschichte von Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander zwischen der jüdischen und der katholischen Gemeinde in dem vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg konzipierten Museum nachvollziehen. Nach der rechtlichen Gleichstellung der Juden in Württemberg 1864 waren jüdische Vertreter im Gemeinderat von Laupheim aktiv. Im Glauben an das Vaterland meldeten sich 1914 auch jüdische Männer zum Wehrdienst. Nach gemeinsamer Bewältigung der Krisenjahre während der Weimarer Republik begann wie überall in Nazideutschland die Hetze, Verfolgung und Ermordung, bis 1942 die letzten Juden aus Laupheim deportiert wurden. Nach 1945 bestimmte das Schweigen in Laupheim den Umgang mit der jüngsten Geschichte. Noch bei der Museumseröffnung hörte man Meinungen wie „Des hätt‘s au it braucht“, wie Daniela Barth wusste. Heute wird das Museum als ein Symbol der Aussöhnung zwischen Christen und Juden wahrgenommen.

In ihrer Blütezeit hat die jüdische Gemeinde maßgeblich zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Stadt beigetragen. Beispielhaft dafür sind Firmengründungen, Hopfenhandel und Bankgeschäfte der Familie Steiner, deren Geschichte in einem besonders repräsentativen Schlossraum dargestellt wird.

Hier gibt es auch eine Verbindung zu Tettnang, wo Simon Heinrich Steiner um 1922 das Hopfengut errichten ließ. Dem 1884 in die USA ausgewanderten Laupheimer Juden Karl Lämmle ist eine eigene Abteilung im Museum gewidmet. Als Mitbegründer der Filmfabrik Hollywood gelang ihm der Aufstieg vom Laufburschen zum erfolgreichen Filmproduzenten.

Nach einer entspannenden Pause im Schlosscafé nutzten einige Besucher die Gelegenheit, den nahen jüdischen Friedhof zu besuchen, den schon Carl Damian von Welden genehmigt hatte. Dass diese friedliche Stätte mit etwa 1000 erhaltenen Grabsteinen vor allem die Gräuel des NS-Regimes unversehrt überstanden hat, grenzt an ein Wunder.

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