Mit spielerischer Virtuosität tanzt die Trompete

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Kinderkonzert im Schlosshof: Dirigent Thomas Dorsch geht mitten hinein ins Publikum, um Antworten der Kinder hervorzulocken.
Kinderkonzert im Schlosshof: Dirigent Thomas Dorsch geht mitten hinein ins Publikum, um Antworten der Kinder hervorzulocken. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Auch wenn es erst gar nicht danach ausgesehen hat: Das Kinderkonzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben (KBO) im vollen Schlosshof ist zur Freude aller Beteiligten tatsächlich bis zum Ende durchgelaufen.

Prüfende Blicke an den Himmel, einzelne Tropfen, fliegende Notenblätter – eilig werden zusätzliche Sonnenschirme hergebracht und über den Musikern und ihren empfindlichen Instrumenten aufgespannt. Bloß die Blechbläser müssen unter freiem Himmel bleiben. Dirigent Thomas Dorsch ist zuversichtlich. Zum Publikum sagt er: „Ihr sagt mir Bescheid, wenn’s zu nass wird.“ Und zu den Musikern: „Wem’s zu nass wird, der darf gerne aufhören – die wichtigsten Instrumente müssen da bleiben.“

Sie fangen wirklich an zu spielen und die Wolken spielen Katz und Maus. Schon breiten sich neue Tropfen auf der Hose aus. Dorsch guckt unterm Schirm hervor: „Ja, es geht.“ Ein kleiner Strahlemann büchst immer wieder aus, wandert vor und wird wieder eingefangen. Dorsch erzählt den Kindern von Peer Gynt, denn auf dem Programm steht Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite Nr.1. Er erzählt von der unglaublichen Leichtigkeit in Anitras Tanz, leicht und luftig spielen die Streicher, die Tropfen werden wieder größer, die Aufmerksamkeit ist geteilt.

Startrompeterin tritt barfuß auf

„Ihr müsst überlegen, was diese Musik erzählt“, sagt Dorsch – und eine sehr traurige Weise erklingt. Traurig? Moll-Tonart? Peer Gynt trauert, die Mutter stirbt. Über dem Schlosshof wird’s heller, ein Sonnenstrahl fällt herein, passend zu den Zwergen und Gnomen, die jetzt von Fagotten, gezupften Bässen und „gestopften“ Hörnern zum Leben erweckt werden und immer rasanter stampfen und tanzen.

Der Himmel ist wieder blau geworden, Johann Nepomuk Hummels berühmtes Trompetenkonzert Es-Dur ist angesagt und mit ihm Star-trompeterin Tine Thing Helseth, „Artist in Residence“ des Bodenseefestivals. „Tine, magst du zu uns kommen?“, ruft Dorsch zum Café hinüber – und schon huscht sie über den Hof, im duftigen cremefarbenen Kleid und barfuß: „Keine Schuhe, ist Sommer“, sagt sie vergnügt. Gerne führt sie ihr Instrument vor, versucht zu erklären, wie sie darauf den Kammerton spielt, erst auf Deutsch, dann verfällt sie ins Englische. Doch wenn sie spielt, versteht sie auch der jüngste Zuhörer.

Organisch wächst ihr Ton aus dem Orchester, das der Dirigent in der richtigen Balance hält. Rein und geschmeidig, weich und warm und dann wieder strahlend ist ihr Ton, betörend schön, mit wunderbarem Piano, wunderbaren Crescendi. Vor dem zweiten Satz zeigt sie den Kindern, wie die Triller entstehen, vor dem dritten führt sie die Doppelzunge vor. Und schon kommt, um mit Dorsch zu sprechen, „die Post herangerast“. Dabei tanzt die Trompete in der Luft – spielerisch kommt Tine Thing Helseths Virtuosität daher.

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