Mit Bareiß geht Politik durch den Magen

Lesedauer: 5 Min
Küchengemeinschaft (von links) mit Wirtin Cordula Sorg, Thomas Bareiß und Ehefrau Andera Verpoorten sowie Koch Günter Holitsch.
Küchengemeinschaft (von links) mit Wirtin Cordula Sorg, Thomas Bareiß und Ehefrau Andera Verpoorten sowie Koch Günter Holitsch. (Foto: oej)
Olaf E. Jahnke

Erneut ist ein prominenter CDU-Politker ins Tettnanger Hinterland gekommen, um über aktuelle Themen zu diskutieren. Und zwar in der „Traube“ in Wielandsweiler, wo einmal im Jahr zum Essen auch Politik und Thesen aufgetischt werden. Dieses Mal begrüßte Manfred Ehrle, CDU-Kreisgeschäftsführer und Kreisrat, den Vorsitzenden des Kreisverbandes und Parlamentarischen Staatssekretär, Thomas Bareiß, und dessen Frau Andrea Verpoorten.

Dabei waren die prominenten Gäste aus Berlin oder Albstadt auch in der Küche mit eingebrannter Grießsuppe und Ofenschlupfern aktiv. Unterstützung gab es freilich vom Wirte-Team um Chefin Cordula Sorg. Nach launiger Einführung und dem Hinweis auf die Chefköche ging es direkt zur Weltpolitik.

„Die Welt schaut auf Deutschland und Europa“, mit diesem Worten begann Bareiß den politischen Teil des Abends. Er musste es wissen, war er doch erst mit Minister Peter Altmaier in Brasilien. „Greta Thunberg verbreitet eine Untergangsstimmung“, stellte der Politiker fest und forderte, die CDU solle dagegenhalten. Das schließe auch die Produktion im Bereich von größeren Autos mit ein, in dem man Marktführer sei.

Die Energiefrage, eines seiner Ressorts, möchte er positiv angehen. Weniger überzeugt war Bareiß, dass die CO2-Einsparungsrichtwerte zu schaffen seien. Allerdings hielt er dagegen: „Deutschland kann mit einem Anteil von zwei Prozent am globalen CO2-Ausstoß nicht die Welt retten.“ So möchte der CDU-Spitzenpolitiker lieber „keine Politik mit der Brechstange“, während er gleichzeitig von einer „Riesenverantwortung“ sprach. Mit pragmatischer Herangehensweise will Bareiß möglichst viele Möglichkeiten nutzen, auch Wasserkraftwerke seien in Deutschland ein Thema. Der Politiker-Blick ging dabei auch nach Afrika oder weniger entwickelte Länder – hier sah er Chancen für deutsche Technik.

Aus der Runde der CDU-Mitglieder wurden kritische Stimmen verschiedener Art laut. Ein Landwirt kritisierte den „Kuhandel“, bei dem mit südamerikanischem Rindfleisch Markt, Preis und Ökologie im ländlichen Raum unter Druck gesetzt würden. Ein anderer wies darauf hin, dass man schon seit 30 Jahren verpasst habe, die richtigen Weichen beim Thema Energie zu stellen – vor allem in der großen Politik.

Bürokratie als Hindernis

Bareiß sah dagegen die Energiewende und entsprechende Notwendigkeiten als machbar an, jedoch sei die Bürokratie ein Hindernis: „Das ist eine Chance, von den Umweltauflagen herunterzufahren.“ Einig war sich die CDU-Runde von der Ministerebene bis zum Ortsverein, dass man etwas machen müsse. In weiteren Fragen gingen es um katastrophale Verhältnisse im öffentlichen Personennahverkehr, wegen derer eine Reise von Hiltensweiler nach Stuttgart zum Tagesprogramm werde. Hier hofft Bareiß auf Verbesserung durch die Elektrifizierung.

Auch die Frage nach den konservativen Werten der Partei wurde gestellt. Der Staatssekretär verwies auf Familie, Werterhalt, Mütterrente, Deutschsprachigkeit und Sicherheit. Seine Hoffnung: Das helfe auch gegen die AfD. Gleichermaßen sprach er von mehr Bedarf für Chancengerechtigkeit für den Einzelnen, der „Irrweg der Gemeinschaftsschule“ würde dies verhindern.

Nicht fehlen durfte die Frage nach der Initiative „Rettet die Bienen“, wodurch der Frager die Landwirtschaft in der Region grundsätzlich gefährdet sah. Bareiß hoffte auf besonnenes Vorgehen. Besonderen Applaus gab es für den Staatssekretär, als er von Ehrle für „echte Politik zum Anfassen“ und von der Tettnanger CDU-Ortsvereinsvorsitzenden Sylvia Zwisler für Bürgernähe, Dialogbereitschaft und Präsenz vor Ort gelobt wurde. Das fehle vielen in der großen Politik. Manfred Ehrle kündigte an, dass die Gesprächs-Reihe mit CDU-Politikern fortgesetzt wird.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen