Lebensmittel-Fratz in Laimnau schließt

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Jahrzehntelang betrieben sie in Laimnau ein Lebensmittelgeschäft: Heribert und Elisabeth Fratz (Mitte) mit Paula Rundel und Orts
Jahrzehntelang betrieben sie in Laimnau ein Lebensmittelgeschäft: Heribert und Elisabeth Fratz (Mitte) mit Paula Rundel und Ortsvorsteher Peter Bentele (jeweils außen). (Foto: Cosima Kehle)
Cosima Kehle

Zahlreiche Kunden wollten es lang nicht wahrhaben – und dennoch verabschiedeten sich am vergangenen Samstag die Geschwister Fratz in den Ruhestand. Jahrzehnte lang betrieben sie in Laimnau ein Lebensmittelgeschäft, das ihr Großvater vor 85 Jahren als Bäckereibetrieb gegründet hatte.

Schon morgens um 6.30 Uhr begann der Verkauf nicht nur von Backwaren, sondern von einem erstaunlich breiten Sortiment. „Für Dampfnudeln Vanillesoße, für Nudeln, Erbsen aus der Dose. Für Eintopf eine Stange Lauch, für Bratkartoffeln Speck vom Bauch“ tönte es im Abschiedsgedicht einer der vielen Stammkundinnen, die sich auch glücklich schätzte, was sie sonst noch alles erwerben konnte: „Im Winter Saft mit Vitaminen, am Samstag für den Zopf Rosinen, fürs kranke Kind ein Donald Duck, für Abfall einen großen Sack.“

Ortsvorsteher Peter Bentele bedankte sich im Beisein zahlreicher Freunde und Gäste für den unschätzbaren Beitrag zum Dorfalltag. Das kleine Lebensmittelgeschäft war auch ein Zentrum, an dem man Neues erfuhr, Bekannte traf und stets mit großer Umsicht bedient wurde: „In der Ruhe liegt die Kraft, wenn d’Chefin hinterm Tresen schafft, oins noch’m andra sagt sie sich, ob Leberwurst, ob Bienenstich“, skizzierte das Gedicht die Ladenchefin.

Unzählige Geschichten und Erinnerungen ranken sich um das Geschäft. Nach einem Ligagewinn der Laimnauer Fußballer fuhren beispielsweise einige der Kicker versehentlich im Übermut mit dem Auto aufs geschlossene Garagentor, so dass die Dachziegel herabregneten. War doch die früher noch genutzte Backstube oftmals letzte Station nächtlicher Partygänger.

Durch die vielen Jahre kannten Heribert und Elisabeth Fratz zahlreiche Kunden persönlich, sahen Kinder heranwachsen und wussten um die Lebenswege der inzwischen älteren Generation. Diese gewachsenen Verbindungen werden vielen Kunden fehlen. Trotzdem schätzen sich alle glücklich darüber, dass die Bäckerei Rundel aus Betznau das Geschäft als Filiale weiterführen wird.

Dies dürfte im Sinn des Gründers sein, der ebenfalls Bäcker war. Er wäre zudem stolz auf den Ruf, den die Kuchen aus dem Hause Fratz weit über Laimnau hinaus genossen haben.

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