Kultkonzert bleibt Kultkonzert – auch wenn das Wetter mal nicht mitmacht

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Olaf E. Jahnke

Der Vogelwald an der Argen ist trotz mäßiger Wetterprognose schon am Freitag nicht verwaist geblieben. Zwar haben sich nicht ganz so viele Camper vor dem Festivalgelände niedergelassen wie im vergangenen Jahr – aber gefühlt war die Freilicht-Veranstaltung trotz Regenunterbrechungen gut besucht. Das bestätigten auch die Organisatoren Ein neues Festival-Feeling bot am Freitag eine große Schlammpfütze vor der Bühne, in der nicht immer ganz geplant manch Schlammbad stattfand. Auch die Fläche mit den Bierbänken- und Tischen war nur mit Gummistiefeln nutzbar. „Wir können froh sein, dass die Argen kein übermäßiges Hochwasser führt“, sagte der langjährige Mitorganisator Michael „Dagesch“ Sailer, „aber ansonsten wird die Veranstaltung bei fast jedem Wetter durchgezogen.“

Den Vogelwald-Rock-Start hatten die Lokalmatadoren von „Midnight Mission“ schwungvoll hingelegt. „Eine tolle heimische Formation mit Zukunft“ bewertete Sailer den Auftritt. Auch „Johnny Blade“, mit Hard-und Punk-Rock-Touch Inspiriert von „Prä-Astronautik“ bis Rock’n’Roll ließen es trotz Schauern rocken. Friesennerz-Feeling im Vogelwald.

In der Schweiz weiß man, wie Heavy Metal geht – das bewiesen „Bronco“ mit einem vielseitigen druckvollen Programm. Die norddeutschen „Esprits“ betonten mehrfach ihre weite Anreise, überstanden einen Generatorausfall und begeisterten dennoch immer wieder mit gut abgestimmtem Gesang, Gitarrenriffs und Punk-Elementen das Vogelwald-Publikum. Für eine besondere Post-Gewitterstimmung mit Dark-Rock und Metal auf der Vogelwaldbühne sorgten dann schließlich die seit 1993 in unterschiedlichen Besetzungen bestehenden „Lacrimas Profundere“ (lateinisch für ‚Tränen vergießen’) samt flashender Gitarrensounds, Trommeldonner und stürmischem Gesang. Dazu gab es reichlich F***-Worte, auch ans Publikum, die munter und einigermaßen trocken in den nächsten Festival-Tag feierten.

Deutlich weniger feucht ging es am Samstag zu. Das nutzen schon über 100 Gäste für die Vorstellung von Max dem Puppenspieler. Dann lösten „Voltkid“ die Aufgabe des samstäglichen Festivalstarts recht souverän, mit deutschen Texten und schon am frühen Abend mitreißend. Weniger älter, sondern schnell und schwungvoll gingen die „Elderly People“ dann etwas härter zur Sache. „Kalapi“ aus München begeisterten schließlich alle Punkfreunde mit harten Riffs und deutschen Texten. Damit brachten sie einmal mehr Bewegung ins Vogelwald-Publikum. Dabei zeigten sie sich wie angekündigt „geradlinig punkrockig“.

„Kalon“ werde englisch ausgesprochen, ließ ein Fan wissen, das Berliner „Indie-Rock-Quartett“ gibt es seit 2017 und inzwischen sind sie mit ihrem Alternative-Rock von Süddeutschland bis London unterwegs. Sie spielten routiniert, gut abgestimmt, mit Topgesang – und boten auch mal leisere Balladen-Klänge. „The Wake Woods“ freuten sich über ihre Position als „Finish-Band“. Mit gemischtem Programm ließen es die drei Berliner, meist gesanglich zusammen, zum Abschluss des Festivals nochmal hard-rockig krachen.

Alexander Prinz zufrieden

Apropos Krach – bei den Soundabstimmungen und dem Licht haben „Grimm-Lights“, die seit Jahren das Festival begleiten, wieder ganze Arbeit geleistet. Organisator Alexander Prinz zeigte sich ebenfalls zufrieden. Auch wenn das Wetter anfangs nicht optimal war, sind nur ein Viertel weniger Publikum als im vergangenen Jahr gekommen – auch zum Campen. „Es war für jeden etwas dabei“, sagte Prinz im Pressegespräch und hob hervor: „Die engagierte Mitwirkung von vielen Helfern, von Sport- und Förderverein, ist immer wieder ein Highlight“. Auch beim Aufräumen, denn am Montag sehe man schon nichts mehr vom diesjährigen 33. „Rock im Vogelwald“.

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