Klimadialog: Experte fordert radikale Wende, Landwirt warnt vor „Öko-Diktatur“

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Sprechen übers Klima (von links) Ralf Nickel, August Schuler, Lothar Riebsamen, Moritz Hadenfeldt und Sylvia Zwisler.
Sprechen übers Klima (von links) Ralf Nickel, August Schuler, Lothar Riebsamen, Moritz Hadenfeldt und Sylvia Zwisler. (Foto: annette rösler)
Annette Rösler

Viele Interessierte, auch aus anderen Parteien, hat der erste Tettnanger Klimadialog der CDU Tettnang am Samstag in die Cafeteria der Elektronikschule gelockt. Ortsverbandsvorsitzende Sylvia Zwisler freute sich bei ihrer Begrüßung über die vielen Gäste, die gekommen waren, um über das komplexe Thema zu diskutieren. Der Bundestagsabgeordnete Lothar Riebsamen und der Landtagsabgeordnete August Schuler standen bei der anschließenden Podiumsdiskussion Rede und Antwort. Als Fachmann hatte man den Diplomphysiker Ralf Nickel, Geschäftsführer der Solarwerkstatt Tettnang, eingeladen. Moderator Moritz Hadenfeldt bat die drei Herren zu Beginn um ihre Statements.

Ralf Nickel schilderte die Situation der Klimaerwärmung höchst bedrohlich. Es sei schon zu spät, man könne nur noch versuchen, den Schaden zu begrenzen. Dazu sei eine radikale Wende nötig.

August Schuler, der im Landtag als stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sitzt, beschrieb, was man schon erreicht habe und was künftig getan werden muss, um die CO-Emissionen zu reduzieren. Das Klimaschutzgesetz müsse fortgeschrieben und der Klimadialog weitergeführt werden. E-Bike statt Auto zu fahren mache Sinn. Wichtig sei jedoch auch, dass die Stromversorgung der Unternehmen gesichert ist. In einer Demokratie dauere alles etwas länger als im Absolutismus, sagte Lothar Riebsamen. Wir brauchen Zeit, um zu erkennen, dass Verzicht notwendig wird.

Doch was kann man tun, um die Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen? Ist die E-Mobilität eine Möglichkeit? Diese Frage löste eine längere Diskussion der Befürworter und Gegner aus, was Moderator Moritz Hadenfeldt dazu veranlasste, die Teilnehmer um „kurze, prägnante“ Fragen zu bitten. Ralf Nickel bemerkte zu dem Thema, dass die E-Mobilität momentan eine gute Lösung sei, da es bis jetzt nicht viele andere Möglichkeiten gebe. Man müsse das Geld in die Forschung investieren, um weitere Alternativen zu finden, sagte August Schuler. Einig war man sich, dass der Verzicht auf das Auto ein wichtiger Beitrag ist. Man könne die „Automasse“ ohne Verbote reduzieren, indem Bus und Bahn attraktiver gemacht werden.

Auch die Landwirtschaft stehe bei dem Thema im Fokus. „Von uns wird verlangt, dass wir immer mehr produzieren, aber die Auflagen werden immer höher. Wir sind auf dem besten Weg zu einer Öko-Diktatur“, sagte Landwirt Ludwig Häfele. Dabei versorgen wir die Menschen mit regionalen Produkten ohne lange Anfahrtswege.“

Klaus Nuber wollte wissen, wie es um die eigene Stromerzeugung bestellt sei. „Ich wollte mit einer eigenen Photovoltaikanlage umweltfreundlich sein und zahle nun Steuern für meinen eigenen Strom“, warf Georg Haug zu diesem Thema ein. „Da müsse die Politik einiges korrigieren“, sagte Nickel. „Warum wird so viel Geld in den sozialverträglichen Kohleausstieg gesteckt?“, fragte Maximilian Betten von den Grünen. Wieso verwendet man es nicht für erneuerbare heimische Energien? Es gehe hier um die Unterstützung von betroffenen Familien, die dihren Arbeitsplatz verlieren, sagten Schuler und Riebsamen. Manfred Moosmann von der FDP wollte wissen, was die Energiewende kostet und verlangte Fakten. Georg Haug wünschte sich mehr Interesse an der Situatuion aller Menschen und kein Wachstum um jeden Preis.

Sylvia Zwisler und Moritz Hadenfeldt dankten den Teilnehmern abschließend für die Ideen, Wünsche und Anregungen.

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