Kleine Brauerei, großer Andrang

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Prost: Fritz Tauscher, Charlotte Müller und Lukas Locher stoßen auf den Start ihrer Brauerei an
Prost: Fritz Tauscher, Charlotte Müller und Lukas Locher stoßen auf den Start ihrer Brauerei an (Foto: li)
Schwäbische Zeitung

Das Brauprojekt von Charlotte Müller, Lukas Locher und Fritz Tauscher ist Geschichte. Mit der offiziellen Eröffnung ihrer ins Hopfenmuseum in Siggenweiler integrierten Brauerei am Sonntagvormittag ist aus dem Projekt ein Unternehmen geworden. Und einen Namen hat es seit Sonntag auch: „Hopfengut N°20 – Die Brauerei“.

Bereits am Entstehungsprozess ihrer Brauerei haben Müller, Locher und Tauscher Bier- und Hopfenfreunde rege teilhaben lassen – auf ihrer Facebookseite und vor allem mit dem Verkauf von 250 Brausteinen. Damit haben sie sich schon vor dem offiziellen Start ihres Unternehmens eine recht ordentliche Fanbasis geschaffen. Was nun dazu geführt hat, dass die Eröffnungsfeier gar nicht in der Brauerei stattfinden konnte, weil die knapp 300 geladenen Gäste dort schlicht und einfach nicht hineingepasst hätten. So verlegten die drei Gastgeber zumindest den offiziellen Teil nach draußen vor die Tür.

Charlotte Müller skizzierte noch einmal den Weg von der Idee bis zur Umsetzung nach. Dass diese Idee eine erfolgversprechende sein könnte, das merkten sie und ihre Mitstreiter beim Verkauf der Brausteine, mit der sich Bierfreunde gewisse Vorrechte sichern konnten. 250 statt der ursprünglich geplanten 200 Brausteine haben Müller und ihre Mitstreiter schließlich verkauft. Die Namen der Brausteinleger sind an einer Wand neben dem Sudhaus verewigt.

Worum es im „Hopfengut N°20“ geht, das erklärte Lukas Locher den Gästen. „Wir wollen zeigen, was Hopfen leisten kann, und schauen, was möglich ist“, so Locher. Neue Biersorten kreieren und mit Bier- und Hopfenfreunden darüber diskutieren – sei es an den Brautagen oder den monatlichen Craft-Beer-Abenden. Das übergeordnete Ziel: „Interesse für Hopfen und Bier wecken und den Ruf Tettnangs als Hopfenstadt ausbauen.“

Erst fließen Tränen, dann das Bier

Die Brauanlage ist zwar klein, bietet beim Brauen aber fast unbegrenzte Möglichkeiten, wie Braumeister Fritz Tauscher erklärte. Dabei sei die Anlage so konzipiert, dass viel von Hand gesteuert werden kann, um den Brauvorgang auch für Museumsbesucher anschaulich darstellen zu können. „Auf dieser Anlage kann man sich richtig austoben“, stellte Tauscher mit einem breiten Grinsen im Gesicht fest. Tränen liefen dann Minuten später über selbiges, als die Eltern den Brauereigründern ein Sudbuch überreichten – quasi ein Rezeptbuch fürs Brauen. Immer wieder stockte Tauschers Stimme, als er davon erzählte, wie er 2006 die Kronenbrauerei seines Vaters übernommen und sich daraufhin für einen Abend eingeschlossen hatte, um in den alten Familiensudbüchern zu stöbern, die bis ins Jahr 1892 zurückreichen. „Diese Bücher sind etwas ganz Besonderes“, so Tauscher.

Dann war es endlich so weit: Statt Tränen flossen die ersten Biere – ein Lager, ein Indian Pale Ale und ein Stout –, die sich die Gäste nicht nur schmecken ließen, sondern die auch sofort zu einem beliebten Fotomotiv wurden – samt der mit edlem Etikett versehenen 0,75-Liter-Flaschen, die ein bisschen an die Form von Sekt- oder auch Cognac-Flaschen erinnern. Manch ein Bier-Enthusiast ließ sich seine erste Flasche sogar von den Brauereigründern signieren.

Danach gab’s reichlich Gelegenheit zu diskutieren, zu fachsimpeln, sich mit einem Film über die Entstehungsgeschichte der Brauerei zu informieren, Fritz Tauscher beim Brauen eines „Black Ale“ zuzuschauen – oder ganz einfach Bier zu genießen.

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