Kinder dürfen Weltklasse-Saxofonistin erleben

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Die Weltklasse-Saxofonistin Grace Kelly dürfen die Kinder beim Kinderkonzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben im Sch
Die Weltklasse-Saxofonistin Grace Kelly dürfen die Kinder beim Kinderkonzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben im Schlosshof erleben, hier im Gespräch mit Dirigent Thomas Dorsch. (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Der Himmel hat am Samstagnachmittag ein Einsehen gehabt: Die Sonne, die bei der Probe davor noch geschienen hatte, versteckte sich zwar, graue Wolken zogen über den Schlosshof, und es wurde empfindlich kühl. Doch das Kinderkonzert der Kammerphilharmonie Bodensee-Oberschwaben (KBO) mit der Saxofonistin Grace Kelly, der „Young Artist in Residence“ des Bodenseefestivals, ist trocken über die Bühne gegangen.

Mit prüfendem Blick nach oben meinte Dirigent Thomas Dorsch schmunzelnd, er werde etwas schneller sprechen, doch nahm er sich dann in Ruhe Zeit, den Kindern und ihren Begleitern die Musik nahezubringen, die die Zuhörer dieses Jahr nach Amerika führte. Wie beim Konzert für die Großen am Tag darauf stand Antonin Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ auf dem Programm. Dorsch machte auf die Besonderheiten aufmerksam, ließ einzelne Instrumente Themen anspielen und das ganze Orchester das Thema aufnehmen, ehe er das Ganze wieder zusammensetzte. So erfuhren die Kinder, wie Dvorak in einem Flötensolo das Spiritual „Swing home sweet chariot“ umgesetzt und durch Veränderung des siebten Tons der Molltonleiter der Musik ihren spezifischen Drive gegeben hat und woher das Englischhorn, das hier ein berühmtes Solo hat, seinen Namen hat. Zuletzt spielte das volle Orchester den vierten Satz: „Unglaublich lebensfroh, schwungvoll, richtige Kindermusik“, kündigte Dorsch ihn an, und vielfarbig erfüllte das KBO sein Versprechen.

Dann kam mit „Hello, Hi“ Saxofonistin Grace Kelly auf die Bühne und begeisterte mit herrlich unkompliziertem Wesen und natürlich erst recht mit wunderbar vielseitig-geschmeidigen Spiel. Gerne erzählte sie auf Dorschs Fragen, dass sie ihr Instrument schon als Kind geliebt und wie eine menschliche Stimme empfunden habe. Bereits als sie noch brav seriös klassische Musik geübt habe, habe sie lieber auf eigene Weise gespielt – das Improvisieren lag ihr im Blut und sei das, was sie am Jazz besonders liebe. Die Kinder durften das erleben in Ausschnitten aus dem Concerto für Jazz Saxophone „Focus on Grace“, das Komponist Thomas Oboe Lee ihr auf den Leib geschrieben, und im Stück „101“, das sie selbst als 14-Jährige komponiert hat. Der Dirigent seufzte, wie schwer ihm hier anfangs der Rhythmus erschienen war, den er dann das Publikum mitklatschen ließ. Auch für das Orchester war diese ungewohnte Musik eine außerordentliche Herausforderung, die die Musiker bestens meisterten.

Grace Kelly dankte Dirigent und Orchester für das Erlernen dieser Musik und applaudierte fürs Herüberbringen. „Danke schön“, sagte sie und fügte auf Deutsch hinzu: „Ich bin gerne in Deutschland, ich liebe Bratwurst, Bier und Spätzle.“

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