Kennzeichen-Liberalisierung: Das „TT“ am Auto rückt greifbar näher

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Professor Borchert mit "TT" auf Werbetour in Tettnang. (Foto: Alexander Mayer)
Alexander Mayer

Die Idee, in der Versenkung verschwundene Kfz-Kennzeichen, die früher eine Stadt repräsentierten – so wie das „TT“ in Tettnang, wiederzubeleben, nimmt immer mehr Gestalt an. Die eindeutige Zustimmung der Menschen für eine solche Kennzeichen-Renaissance „zeigt politischen Handlungsbedarf“. So die Worte von Professor Ralf Borchert, Vater des Forschungsprojekts „Heilbronner Initiative Kennzeichenliberalisierung“.

Wie berichtet hat Borchert in den Jahren 2010 und 2010 mehr als 30 000 Menschen in 144 deutschen Städten befragt. Er wollte herausfinden, wie die jeweilige lokale Bevölkerung zu dieser Idee steht. Jetzt liegen die Ergebnisse vor. Auch für Tettnang, eine Stadt, die ihr „TT“ mit der Gemeindereform im Jahre 1972 verloren hat. Nach Worten von Borchert wünscht sich eine deutliche Mehrheit von 70,3 Prozent, dass die Kennzeichen, die in den 70er Jahren abgeschafft wurden, wieder eingeführt werden. Nur 15,8 Prozent der Befragten wollten das derzeitige Kennzeichen behalten. Auffällig sei, dass sich „die jüngste Altersgruppe der 16 bis 30-Jährigen im Land mit über 74,8 Prozent am deutlichsten für eine Wiedereinführung auslaufender Kennzeichen ausspricht.“

Borchert hebt im Gespräch mit der SZ hervor, dass sich die Frage der Marketinginteressen der betroffenen Städte (hier im Bodenseekreis sind dies Tettnang und Überlingen) „offensichtlich mit den Bürgerwünschen decken“. Für ihn wie Tettnangs Bürgermeister Bruno Walter keine Frage: „Das Kfz-Kennzeichen ist für viele Städte wichtiges Symbol für die Marke einer Stadt, dieses Symbol kann nach innen und außen mit großer Wahrnehmung wirken.“

Dass dem so kommt, Tettnangs Gemeinderat hat sich bekanntlich per Gemeinderatsbeschluss im kommunalen Schulterschluss für die Wiedereinführung von „TT“ ausgesprochen. Und nicht nur das, die Tettnanger haben sich auch sonst noch positioniert. 14 Städte im Land, darunter Tettnang, haben beispielsweise die „Gmünder Erklärung“ unterzeichnet. Grundtenor: Die Unterzeichner bitten die Landesregierung um ihre Initiative, bei den beteiligten Bundesministerien und dem Bundesrat eine Änderung der Fahrzeug-Zulassung zu erwirken. Hintergrund: Die Verordnung kann durch die Bundesministerien für Verkehr, für Umwelt und des Inneren mit Zustimmung des Bundesrates geändert werden.

Derzeit ist die Angelegenheit beim Bundesrat angelangt. Gibt’s dort grünes Licht (was schon dieses Frühjahr erwartet wird – Anm. d. Red.), gehen die Zuständigkeiten letztendlich auf die Landkreise über. Im Fall von „ÜB“ und „TT“ wäre das Landratsamt Bodenseekreis dafür zuständig. Dort hat sich nach Worten von Pressesprecher Robert Schwarz an „unserer grundlegend ablehnenden Haltung zwar nichts geändert“, wenn die Kennzeichen-Liberalisierung aber Gesetz werde, „werden wir das aber selbstverständlich umsetzen und anbieten“, meinte die Stimme des Landratsamtes am Dienstag gegenüber der SZ.

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