Kapellensanierung ist bald abgeschlossen

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Schwäbische Zeitung
Julius Bretzel

Noch sind die frisch restaurierten Heiligenfiguren und -bilder eingelagert und die Wände der Kapelle St. Georg leer. Doch die dortigen Sanierungsarbeiten neigen sich dem Ende zu. Neben der Umgestaltung des Innenraums soll in dem Gebäude eine Pilgerherberge entstehen. Zudem erhält der Taufstein der Grafschaft Montfort im Zuge der Sanierung einen exponierten Platz in der Kapelle.

Da die katholische Kirchengemeinde St. Gallus die Georgskapelle in Zukunft als Hochzeits- und Taufkapelle verwenden will, wird das Gotteshaus seit Ende 2016 saniert. Geplant worden ist das Projekt vom Langenargener Architekten Albrecht Weber, der Experte für Baudenkmäler ist. „Bei der Planung kam die Idee auf, eine kleine Pilgerherberge in die Kapelle zu integrieren“, sagt Weber. Hierfür wurden die Sakristei- und Seitenräume hinter dem Chorraum zu einer Wohnung mit Bad, Schlafzimmer und Aufenthaltsraum umgebaut. Hier können in Zukunft Pilger auf der Durchreise übernachten. Wichtig ist dem Architekten dabei, dass alle Umbauten transparent passieren. Das heiße, dass man immer noch ahnen kann, wie der ursprüngliche Zustand einmal ausgesehen hat, erklärt er. „Dann kann man später die Änderungen auch wieder rückgängig machen.“

Einen solchen Fall stellt der Taufstein von 1582 dar, der sich in der Kapelle befindet und bisher ein Nischendasein in der Mauer fristen musste, als Weihwasserbecken zweckentfremdet. Der Stein hat sich seiner Inschrift zufolge als Taufbecken dreier Gräfinnen von Montfort in der Kapelle befunden und ist nach den Steinen des Torschlosses der zweitälteste Gegenstand Tettnangs.

Montforter Taufstein restauriert

Nun ist das Becken vom Steinmetzmeister Frank Eger restauriert worden. „Wo sich der Taufstein ursprünglich befunden hat, ist unbekannt. Er war aber auf jeden Fall freistehend. Das sieht man am Sockel“, sagt Gisbert Hoffmann vom Förderkreis Heimatkunde. Der Verein hat die Restauration des historischen Objekts finanziert. Bisher war man davon ausgegangen, dass der Sockel unter dem Becken nur ein Imitat sei. Doch bei den Arbeiten zeigte sich, dass es sich tatsächlich um einen kunstvoll gearbeiteten Sandsteinsockel handelte, der in die Wand eingelassen war. Dieser ist daraufhin vorsichtig freigelegt und ebenfalls restauriert worden.

„Dass der Stein als besonderes Zeugnis unserer Stadtgeschichte aus seinem Schattendasen befreit wird, war uns schon lange ein Anliegen“, erklärt Hoffmann. Der Förderkreis Heimatkunde habe schon vor drei Jahren über eine Restauration des Beckens nachgedacht. Am gestrigen Freitag hat Steinmetz Eger das Wasserbecken mit zugehörigem Sandsteinsockel von seiner Werkstatt zurück in die Georgskapelle gebracht und an seinem neuen Standort links vom Altar aufgestellt. „Der Stein hat jetzt endlich einen würdigen Platz“, freut sich Hoffmann.

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