„Jetzt gibt es keine Ausreden mehr“

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Am Samstag waren die Informationen zum Stadtbus lebhaft nachgefragt. Von links: Anne Hackert (Bodo), Antje von Dewitz (Vaude),
Am Samstag waren die Informationen zum Stadtbus lebhaft nachgefragt. Von links: Anne Hackert (Bodo), Antje von Dewitz (Vaude), Hans Schöpf (Fraktion Grüne), Judith Maier (Stadtverwaltung), Horst Hölz (Tiefbauamt), Bürgermeister Bruno Walter und Phil (Foto: sig)
Schwäbische Zeitung
Siegfried Großkopf

„Das kommt zum richtigen Zeitpunkt“, lässt ein älterer Herr den Bürgermeister Bruno Walter wissen. Der Mann zeigt ihm am Informationsstand zum neuen Stadtbus-Konzept auf dem Städtlesmarkt seinen Kfz-Steuerbescheid, den er zum letzten Mal aus dem Briefkasten geholt hat. Zum letzten Mal, weil er künftig Bus fährt. Auf viele solcher Umsteiger hofft man nicht nur im Rathaus, sondern auch bei bodo, Strauss Reisen und Vorbild-Unternehmen wie Vaude oder ifm.

Die Helfer waren am Samstagmorgen noch mit dem Aufbau des Pavillons beschäftigt, als die ersten Interessierten schon informiert werden wollten. Und die rege Nachfrage hielt sich über Stunden. Wenn dieser Ansturm als Hinweis auf die künftige Nutzung des Stadtbus-Angebots gedeutet werden kann, darf man vorsichtig optimistisch sein. „Jetzt gibt es keine Ausreden mehr“, freute sich Bürgermeister Bruno Walter, der das neue Angebot zum richtigen Zeitpunkt gekommen sieht. 420 000 Euro pro Jahr lässt sich die Stadt den attraktiven Taktfahrplan mit stündlichen Verbindungen zum Bahnhof Meckenbeuren und damit guten Anschlussmöglichkeiten an den Schienenverkehr kosten. Lamentieren, auch aus den Firmen über ungenügende ÖPNV-Verbindungen, lässt er künftig nicht mehr gelten.

Vaude-Chefin Antje von Dewitz sieht im Neukonzept einen Kulturwandel und freut sich über die jetzt stündlichen Verbindungen auch zu und von ihrer Firma in Obereisenbach.

Das neue, umweltfreundliche Mobilitätsangebot passt zu ihrem Unternehmen, das seit Jahren unterwegs ist, Emissionen zu reduzieren und dabei auch ihre Mitarbeiter mit ins Boot nimmt. 60 000 Kilometer radeln die mittlerweile pro Jahr zu ihrem Arbeitgeber und wieder nach Hause. „Wahnsinnig wichtig“ nennt sie das Thema „positive Mobilität“, nachdem der Verkehr ein Fünftel der CO2-Emissionen verursacht. Vaude arbeitet seit 2011 an einem entsprechenden grünen Konzept. Künftig kann man beispielsweise vom Oberhof mit Umstieg - aber ohne Wartezeit am Bärenplatz - nach Obereisenbach gelangen.

Bruno Walter schreibt dem Stadtbus „elementare Bedeutung“ zu. Auch die auszugebenden wirtschaftlichen Mittel seien vertretbar, sagte er am Samstag auf dem Städtlesmarkt. Gerade für Tettnang, der flächenmäßig größten Kommune im Bodenseekreis, sei der öffentliche Personennahverkehr eine Herausforderung und das neue System für den ländlichen Raum wegen dessen Zersiedelung flexibler.

Grünen-Stadtrat Hans Schöpf sieht die Stadt mit der jetzigen Vertaktung, den zusätzlichen Angeboten und der Integration der BähnleLinie „auf dem richtigen Weg“. Die Reduzierung um einen Bus habe auch Mittel frei gemacht, erinnert er zu den nicht unerheblichen Kosten. „Klein einsteigen und wachsen“ sei das richtige Konzept, hofft er auf einen positiven Wandel, die Anbindung der Ortschaften - und besetzte Busse.

„Das ist nichts, was wir alleine schaffen“, appelliert bodo- Marketingleiterin Anne Hackert, gemeinsam das neue Konzept zu einem Erfolg werden zu lassen. Das brauche Zeit und Überzeugungsarbeit. Philipp Reinalter, Geschäftsführer von Strauss Reisen, ist „glücklich, es gemeinsam mit der Stadt, dem Arbeitskreis und Firmen wie Vaude geschafft zu haben“.

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