Jetzt funkt’s in der Tettnanger Innenstadt

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Gemeinsam freuen sich auf den „Freifunk-Start" (von links) Florian Bauernfeind, Anna Bundy, Sven Empen und Elisabeth Aich.
Gemeinsam freuen sich auf den „Freifunk-Start" (von links) Florian Bauernfeind, Anna Bundy, Sven Empen und Elisabeth Aich. (Foto: Olaf E. Jahnke)
Schwäbische Zeitung
Olaf E. Jahnke

Freier, drahtloser, nicht kommerzieller und – für die Nutzer – kostenloser Internetzugang für alle in der Innenstadt: Wer künftig durch Montfort-, Schloss- oder Karlstraße oder auch über den Bärenplatz schlendert und sein I- oder Smartphone dabei hat, kann bequem und schnell im Internet surfen. Denn dort gibt es demnächst freies WLAN. Die ersten Router sind bereits installiert, weitere sollen folgen, damit das Vergnügen auch flächendeckend ist. Die Initiative von Martin Rösner, Florian Bauernfeind und Anna Bundy von der Tettnanger Elektronikschule wird von Einzelhändlern, Unternehmern, Wirten, Banken und Dienstleistern unterstützt.

Erste Informationen zum Thema hat es schon beim verkaufsoffenen Sonntag gegeben (die Schwäbische Zeitung berichtete). Mitinitiator und Organisator Martin Rösner, Lehrer an der Elektronikschule Tettnang (EST), erklärt, wie die Vernetzung im Einzelnen funktioniert. Partiell kann jetzt schon direkt beim Stadtbummel online gegangen werden. 22 WLAN-Stationen gibt es – und bald werden wohl die 13 Seesystem Stationen von EDV-Spezialist Marc Seckler, Unternehmer, Freenet-Pionier und Elektronikschulabsolvent, hinzu kommen. Seckler erklärte: „Die Netzwerke vernetzen sich zu einem großen Netzwerk.“

Zusammen mit Schülern der EST sollen im Rahmen einer Freifunk-AG weitere Installationen, Support und Wartung erfolgen. Die Idee von Freifunk-Tettnang und die Gründung der AG an der EST kam von Andreas Grupp, EST-Lehrer und Freifunker. Rösner schwärmt: „Bald gibt’s eine höhere Aufenthaltsqualität mit den verbundenen Freifunk-Wolken.“ Je mehr Vernetzung, um so sicherer und leistungsfähiger das Netzwerk, sagen die Fachleute.

Für Elisabeth Aich vom Schuhhaus Jung ist freies WLAN in der Innenstadt vor allem ein Alleinstellungsmerkmal für Tettnang: „Denn Friedrichshafen und Ravensburg sind da noch nicht dran.“

Optiker Sven Empen ist sich sicher: „Die Vernetzung in der Stadt schafft positive Impulse für einen besseren Zusammenhalt.“ Auch die Storchenstraße oder Lindauer Straße sollen mit eingebunden werden. Bei einer internen Info-Veranstaltung für die teilnehmenden Geschäftsleute wurden jüngst Fragen diskutiert wie Werbewirkung, Verweildauer, Nutzungsmenge oder Datenvolumen.

Einig war man sich, so fasste es Rösner zusammen, dass Kunden, Touristen, Jugendliche, Flüchtlinge, Bewirtungs-, Übernachtungs- oder Einkaufskundschaft – sie alle würden ein unkompliziertes kostenfreies und frei zugängliches WLAN in der Stadt als Pluspunkt erleben und nutzen.

Begonnen wurde das Projekt, das – zumindest im übertragenen Sinn – durchaus Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus besitzt, erstmal ohne Stadt und Stadtmarketing. Die Beteiligten hatten die Stadtverwaltung offenbar mehrfach angesprochen. So ist von fünf Treffen seit einem Jahr die Rede gewesen. Die Freifunk-Freunde ebenso wie die Tettnanger Gewerbetreibenden bedauerten, dass es nicht voran gegangen sei.

Nach Auskunft von Hauptamtsleiter Gerd Schwarz habe es bei Kosten- und Haftungsfragen Unsicherheiten und Verzögerungen gegeben. Schwarz sprach von Missverständnissen und Kommunikationsdefiziten auf beiden Seiten. Grundsätzlich habe die Stadt jedoch ebenso großes Interesse am freien WLAN und sei ja seit längerer Zeit an dem Thema dran. „Für die Stadtverwaltung ist klar, wir freuen uns, dass etwas geht, und wollen das Projekt unterstützen“, erklärte Schwarz auf Nachfrage.

„Eine tolle Sache“

Auch Stadtmarketingbeauftragte Martina Weishaupt zeigt sich von der Idee begeistert, wie sie im im Gespräch mit der SZ klarstellte – und nimmt wohl auch schon mit einem Router am Netzwerk teil. „Eine tolle Sache, diese Initiative für freies WLAN. Da wollen wir auch als Stadtmarketing gerne mitmachen,“ so Weishaupt.

Damit das Ganze läuft, gibt’s viel ehrenamtliches Engagement von Seiten der EST. Dazu kommen zunächst unentgeltliche Router, obwohl die auch für 15 Euro erworben werden können. Die jährlichen Stromkosten belaufen sich auf etwa vier Euro pro Teil. Installationen, Wartung und Support sind zwar unentgeltlich – Kosten entstehen dennoch. Daher hat die Freifunk-Initiative zu Spenden aufgerufen. Ab 30 Euro soll es eine Spendenbescheinigung geben. Die Initiative möchte rasch weiter machen. Anspruchsvolles Ziel: zum WM-Auftakt am 10. Juni sollen auch größere Datenvolumina in der Stadt – vor allem rund um den Bärenplatz – abrufbar sein.

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