Inspirierendes Zusammenspiel von Orgel und Schlagzeug

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Sie freuen sich, endlich zusammen zu konzertieren: Georg Grass und sein ehemaliger Schüler, Schlagzeuger Thomas Varga aus Tettna
Sie freuen sich, endlich zusammen zu konzertieren: Georg Grass und sein ehemaliger Schüler, Schlagzeuger Thomas Varga aus Tettnang. (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

So gut die zwei vorangehenden Konzerte der Reihe „Orgel trifft...“ mit Blaskapelle und Trompete als Partner auch waren, so war doch das dritte Konzert mit Georg Grass an der Orgel und Thomas Varga am Schlagzeug am Sonntagabend der absolute Höhepunkt – ein Konzert, das die Zuhörer in St. Gallus gepackt und mitgerissen hat.

Dass bei Händels „Halleluja“-Chor aus dem „Messias“ die Pauken den Jubel unterstreichen, hat man im Ohr. Ungewöhnlicher schon, wenn die Pauken die Orgelfassung begleiten, wie hier in der Zugabe, die den glanzvollen Schlusspunkt setzte. Neu war dagegen das Bach-Experiment, in dem Varga und Grass der Orgel für die berühmte Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 ein großes Schlagzeug gegenüberstellten. Atemlos verfolgte man das majestätische Miteinander, bei dem Varga den originalen Bach mit Schlaginstrumenten unterstrich, in die Orgelmusik hineinführte, ihr Raum ließ, sie begleitete oder auch selber ein Schlagzeugfeuerwerk entfachte – ein „abgefahrenes Experiment“, wie Grass ankündigte, aber ein bereicherndes, das Nachfolger finden sollte. Viel Sturm und Drang sei in dem Werk des 18-jährigen Bach, jetzt hat er wohl auf seiner Wolke mitgetrommelt. „Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Unerschrockenheit“, hatte Grass in seiner Einführung gesagt – die angekündigte Überraschung ist gelungen.

Zentral im Programm war Harald Genzmers Konzert für Schlagzeug und Orgel, das Grass mit seinem in Tettnang aufgewachsenen ehemaligen Schüler, inzwischen Erster Schlagzeuger des Philharmonischen Orchesters Freiburg, endlich realisieren konnte. In allen Schattierungen war hier das Schlagzeug als gleichwertiger Partner der Orgel zu erleben, ob mit Trommeln, Becken, Klanghölzern, Vibrafon oder Glocken, ein spannendes Zusammenwirken im lebhaften Allegro, im eindringlichen, zuletzt verheißungsvollen Andante wie im ekstatischen Schlusssatz. Da glaubte man gern, wie Grass gesagt hatte: „Es ist inspirierend, wenn sich zwei so unterschiedliche Instrumente begegnen.“

Besondere Preziosen waren die eingebetteten Soli. Atemlose Stille herrschte, als Varga vor dem Altar mit wunderbar samtenem Ton Evelyn Glennies „A little Prayer“ auf der Marimba spielte, wenn unwirklich fein, wie von fern eine Melodie entstand. Schön, dass man das Spiel, ob oben oder unten, auf der großen Leinwand mitverfolgen konnte. Zart war auch der „Blues for Gilbert“, der mit dem metallischen Ton des Vibraphons von der Empore herunterwehte. An der Orgel zeigte Grass an diesem Abend ebenso ungewöhnliche Klänge, ob in Petr Ebens verführerischem „Tanz der Schulammit“ oder mit südlichem Feuer im „Boléro de Concert“ – wie beweglich doch das ehrwürdige Kircheninstrument sein kann.

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