Initiative „Bleiberecht durch Arbeit“ erhält Integrationspreis

Lesedauer: 5 Min
Die Initiative „Bleiberecht durch Arbeit“ erhält einen Anerkennungspreis in der Kategorie „Unternehmen und Verbände“. Mit dabei
Die Initiative „Bleiberecht durch Arbeit“ erhält einen Anerkennungspreis in der Kategorie „Unternehmen und Verbände“. Mit dabei ist auch der Tettnanger Outdoorspezialist Vaude. (Foto: vaude)
Schwäbische Zeitung

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (die Grünen) und Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha (Die Grünen) haben in Stuttgart die Unternehmer-Initiative „Bleiberecht durch Arbeit” mit dem Integrationspreis des Landes ausgezeichnet. Antje von Dewitz, Vaude-Geschäftsführerin und Gründungsmitglied der Initiative, nahm die Auszeichnung gemeinsam mit weiteren Unternehmern entgegen. Mit dem Preis würdigt die Landesregierung laut Pressemitteilung das Engagement verschiedener Initiativen, die sich für Integration und Zusammenhalt in Baden-Württemberg einsetzen.

„Ich freue mich, dass so viele Menschen in Baden-Württemberg zeigen: Integration ist bei uns im Land gelebte Praxis. Lassen Sie uns weiterhin Farbe bekennen und für Vielfalt und ein respektvolles Miteinander eintreten“, betonte Lucha. Am Festakt nahmen rund 800 Gäste aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und Soziales teil, die sich alle auf vielfältige Weise für Integration engagieren. Durch den Abend führte Moderatorin und Tagesthemen-Sprecherin Pinar Atalay.

„Integration findet überall in Baden-Württemberg statt und hat viele Gesichter. Zahlreiche Menschen, Kommunen und Organisationen setzen sich im Land mit viel Herzblut und Leidenschaft für ein gelingendes und selbstverständliches Zusammenleben von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte ein“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Antje von Dewitz freute sich über den Anerkennungspreis für die Unternehmer-Initiative und bedankte sich für die Unterstützung der Ministerien für Integration auf Landes- und Bundesebene. Zugleich brachte sie aber auch deutlich die Forderung der Unternehmen zum Ausdruck: „Wir brauchen eine Perspektive und Sicherheit für unsere Unternehmen und die bei uns arbeitenden Menschen.”

Von Dewitz appeliert an Politik

Bei einer anschließenden Podiumsdiskussion mit Manne Lucha und dem Fußballspieler Cacau berichtete von Dewitz von ihrem Engagement und wandte sich eindringlich an die Politik: „Es ist zynisch, dass die Unternehmen mehrfach instrumentalisiert werden. Zunächst, um dazu beizutragen, möglichst viele Geflüchtete zu integrieren. Dann um die Sozialkassen durch beschäftigte Geflüchtete zu entlasten. Und schließlich, um durch den festen Arbeitsplatz, den sie den Geflüchteten bieten, deren Abschiebung zu erleichtern. Denn da wisse man verlässlich, wo sich die Geflüchteten aufhalten. Ohne jetzt auf die humanitäre Seite und den tiefen Frust einzugehen, der bei all denen ausgelöst wird, die sich für Integration mit Leidenschaft eingesetzt haben, wird dabei auch vergessen, dass gut integrierte geflüchtete Mitarbeiter inzwischen für das Funktionieren der Unternehmen sowie der Wirtschaft im ganzen Land unverzichtbar geworden sind.“ Für ihren Appell erhielt Antje von Dewitz einen überwältigenden Applaus vom Publikum.

Die Inititative „Bleiberecht durch Arbeit“ wurde 2017 von Antje von Dewitz gemeinsam mit Gottfried Härle (Brauerei Härle in Leutkirch) und weiteren Betrieben gegründet. Angesichts des Arbeitskräftemangels in vielen Bereichen setzen sich die Unternehmen dafür ein, dass Geflüchtete mit einem festen Arbeitsplatz eine Bleibeperspektive bekommen. Die Initiative engagiert sich für eine langfristige Integration von Geflüchteten in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt, sowie die Gestaltung einer gesetzlichen Regelung, die integrierten Geflüchteten in Arbeit eine Bleibeperspektive und den Unternehmen Planungssicherheit bietet. Mittlerweile haben sich der Initiative über 150 Unternehmen und drei Verbände angeschlossen. Diese Unternerhmen erwirtschaften einen Jahresumsatz von über 50 Milliarden Euro und sie beschäftigen insgesamt 550 000 Mitarbeiter, davon 2050 Geflüchtete in Anstellung oder Ausbildung.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen