Ingrid Koch und Peter Frey: Poetischer Schlagabtausch über Liebe

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Sprechen über die Liebe: Ingrid Koch und Peter Frey.
Sprechen über die Liebe: Ingrid Koch und Peter Frey. (Foto: Thomas Steinberger)
Thomas Steinberger

Tettnang - Das Thema der Themen stand zum Auftakt des diesjährigen Kulturkalenders in der Stadtbücherei Tettnang auf dem Programm: die Liebe. Unter dem Titel „Liebe - kleiner Versuch über das Unmögliche“ referierten Ingrid Koch und Peter Frey im benachbarten Kino „Kitt“ und lieferten sich ein lyrisches Rededuell über die Liebe.

Wie viermal zuvor in Ravensburg, so war auch in Tettnang die Veranstaltung bis auf den letzten Platz ausverkauft. Die beiden Wortbaukünstler Ingrid Koch aus Tettnang und Peter Frey aus Ittenbeuren traten an zwei weiße Stehtische, die mit roten Accessoires symbolisch bereits das Thema aufgriffen. Die dahinter steckende Farbmetaphorik: Weiß für die unschuldige, sehnsüchtige, sich herantastende Liebe, und tiefes Rot als Sinnbild für leidenschaftliche Liebe, bis hin zur Bluttat aus Liebe. Das spiegelte die Bandbreite von Liebe, die die beiden Künstler mit ihrem Publikum an diesem Abend durchwanderten, gut wider.

Ingrid Koch gelang es zudem, mit ihren schwäbischen Mundarttexten das Publikum zu begeistern. So schilderte sie dem Zuhörer wohlvertraute Alltagsszenen spitzzüngig humoresk, wie etwa die von einem älteren Paar, über dessen langersehntem Liebesurlaub das Damoklesschwert eines möglicherweise nicht ausgeschalteten heimischen Bügeleisens schwebte. Zudem hielt sie der Gesellschaft einen Spiegel vor, als sie aufzeigte, dass auch in Zeiten von Macron in Oberschwaben ein großer Altersunterschied zwischen Mann und Frau in einer Liebesbeziehung nur in eine Richtung toleriert wird und Frauen bei Nichtbefolgung dieses ungeschriebenen Gesetzes mit Kommentaren wie folgendem beleidigt werden können: „Meinsch der hat noch Sex mit der alten Hex?“

Die beiden Künstler spielten sich durch Assoziationen des vorhergehenden Textes die Themenbälle zu. Peter Frey gab den distinguierten Intellektuellen, der es verstand, in minimalistisch gestalteten Lyrikfetzen mit exaktem Timing auf oft krasse, überraschende Pointen hinzuführen. Er beschrieb eher Endstadien der Liebe, wo höchstens noch in der Intensität des gegenseitigen Ressentiments alte Schatten der Liebe zu erahnen sind. Sein Humor spielte oft auch mit der Fallhöhe seiner eigenen bildungsbürgerlichen Sprache und an Loriot erinnernden spießbürgerlichen Settings, die er meist unversehens in Wilhelm Busch-artigen Gewaltakten auslaufen ließ. Bei Freys Humor blieb so manchem Zuschauern das Lachen im Halse stecken, etwa wenn er einen Wortwitz zur Motorsägenmarke Stihl machte: „Beim Fällen eines Baums im Garten passte Müller nicht auf – fiel auf seine Gattin drauf. Ein Konfliktlösungsmodell mit Stihl(Stil)“. Ein Zuschauer kommentierte das im Hintergrund mit: „Des isch jetzt aber echt schwarzer Humor.“ Nicht jede Pointe konnte hier zünden.

Die beiden Künstler präsentierten sich als ungleiches Paar, dem es jedoch gelang, dem Publikum ein breites Gefühls- und Handlungsspektrum der Liebe aufzuzeigen. Die gegenseitige Wertschätzung des jeweils anderen war deutlich spürbar. Der Veranstaltung gelang es sicherlich den einen oder anderen gutgelaunten häuslichen Diskurs über die eigene Beziehung anzustoßen.

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