Indisches Flair im Laimnauer Gemeindehaus

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Pfarrer Anand Rajamma erzählt von seiner Heimat, nachdem seine Schwester einen indischen Tanz aufgeführt hat.
Pfarrer Anand Rajamma erzählt von seiner Heimat, nachdem seine Schwester einen indischen Tanz aufgeführt hat. (Foto: anrö)

Die Seelsorgeeinheit Argental hat am Freitagabend zu einem indischen Abend ins Gemeindehaus Laimnau eingeladen. Zu Gast war Pfarrvikar Anand Rajamma, der in einem bebilderten Vortrag von seiner Heimat erzählte.

Pfarrer Anand war bis Ende September 2018 in der Seelsorge in Stuttgart beschäftigt. Seit Oktober vergangenen Jahres ist er im Argental tätig. Schon eine halbe Stunde vor Beginn konnte man ratlose Menschengruppen vor dem Gemeindehaus sehen, denen der Eintritt verwehrt war. „Wegen Überfüllung geschlossen“ stand auf einem Schild an der Tür. Wer noch hineinhuschte, musste sich mit einem Sitzplatz auf dem Fußboden begnügen. Die Luft war zum Schneiden, die Temperaturen tropisch, die EDV versagte ab und zu den Dienst. „Ganz wie in meiner Heimat“, meinte Pfarrer Anand, „da ist auch immer Chaos“. Trotz Schweißausbrüchen und roten Wangen herrschte eine fröhliche und lockere Stimmung im Saal.

Schön anzusehen war ein indischer Tanz von Pfarrer Anands Schwester, der allerdings sehr schnell vorbei war, was viele bedauerten. „Glück gehabt, hier hat sie richtig lang getanzt“, sagte Pfarrer Anand, „in Stuttgart war schon in 30 Sekunden alles vorbei.“ Er begann, liebevoll, mit viel Witz und Humor von seiner Heimat zu berichten. Das stark bevölkerte Land mit 29 Bundesländern sei voller Gegensätze: Luxushäuser und Slums in enger Nachbarschaft, Hochwasser und Dürre, Kälte und Hitze, unzählige exotische Gewürze und Früchte, Farbenpracht sowie viele verschiedene Sprachen und Religionen und 2000 verschiedene Dialekte. Amtssprachen sind Englisch und Hindi. „Wenn Sie nach Indien kommen, müssen Sie unbedingt mit unserem Hochgeschwindigkeitszug fahren. Er schafft 125 Stundenkilometer und die offenen Kabinen sind gut klimatisiert. Auto fahren wir rein nach Gefühl“, sagte er. „Ich stamme aus dem Bundesstaat Kerala an der Malabarküste in Südindien, einer am dichtesten besiedelten Region Indiens. Die Menschen sind sehr arm und leben vom Ertrag kleiner Landwirtschaften.“ 20 Millionen Christen gebe es in Indien, es ist die drittgrößte Religion. Neben jeder Kirche gibt es eine Schule und die Kinder nehmen die christliche Erziehung sehr ernst. Sie sind stolz darauf, dazuzugehören. Der Bischof seiner Heimatgemeinde, Vincent Samuel, der lateinisch-katholischen Diözese Neyyattinkara, halte jeden Tag einen Gottesdienst für die Kinder und Jugendlichen, die sich dann extra für Gott besonders schön kleiden. Frauen und Männer seien gleichgestellt, es gebe viele Priesterinnen. Die Kirchen sind arm und kleine Bauern bauen und renovieren sie in Eigenleistung, erzählte Pfarrer Anand. Den Christen in Indien gehe es ausschließlich um den Glauben, nicht ums Geld. Die Seelsorger würden den Bauern bei der Arbeit in der Landwirtschaft helfen, was selbstverständlich sei. Auch er habe Schweineställe ausgemistet und Kühe gewaschen. Im Argental helfe er den Menschen bei der Ernte, das gehöre für ihn zur Seelsorge.

Dass Pfarrer Anand Rajamma im Argental wirklich angekommen ist, spürte man deutlich am Applaus der Zuhörer. Mit ihm zum Abschluss ein paar Worte zu wechseln, war nahezu aussichtslos, da er mit zahlreichem Händeschütteln und persönlichen Gesprächen beschäftigt war.

Nach Abschluss seines Vortrags gab Pfarrer Anand noch das Wort an den Indienexperten Patrick Kaiser weiter, der bei Besuchen vor Ort die bittere Armut der Menschen in Kerala kennen gelernt hat. Er möchte die Arbeit der Diözese Neyyattinkara gemeinsam mit Pfarrer Anand unterstützen und warb für die Übernahme einer Familienpatenschaft.

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