IHK-Umfrage: Langsames Internet und hohe Mieten

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IHK-Umfrage: Langsames Internet und hohe Mieten
IHK-Umfrage: Langsames Internet und hohe Mieten (Foto: Mark Hildebrandt)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Einen Blick auf die Region aus Sicht der Unternehmen erlaubt die „IHK-Umfrage zur Standortzufriedenheit 2017“. Am Donnerstagabend hat Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der IHK Bodensee-Oberschwaben, in den Räumen von Avira die zentralen Ergebnisse für Tettnang vorgestellt. Als die zwei drängendsten Punkte haben die Unternehmen die Breitbandverbindung und die Verfügbarkeit von Wohnraum genannt.

Jürgen Strohmaier von der Volksbank Friedrichshafen-Tettnang verwies darauf, dass die Bodenseeregion von außen oft unterschätzt würde. Dabei gebe es dort enormes Potenzial, eben nicht nur Tourismus, sondern eben auch Hightech. Das machte auch Michael Silbermann, kaufmännischer Geschäftsführer bei Avira, am Beispiel des Antivirenherstellers als agilem Unternehmen mit junger, internationaler Belegschaft deutlich.

Starkes Wachstum in Tettnang

Diese Dynamik zeigt sich auch ganz allgemein, etwa im Zuzug: Zwischen den Jahren 2000 und 2016 ist Tettnang um sieben Prozent gewachsen(Baden-Württemberg: 3,8 Prozent). Die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter wuchs in diesem Zeitraum um 45,2 Prozent (Baden-Württemberg: 17,1 Prozent).

Vor diesem Hintergrund ist die Standortumfrage zu sehen, die alle fünf Jahre stattfindet. Ein Ergebnis: 40 Prozent der teilnehmenden Tettnanger Unternehmen sind in den vergangenen drei Jahren flächenmäßig vor Ort gewachsen (Bodenseekreis: 25 Prozent). 29 Prozent planen eine Flächenexpansion in den nächsten drei Jahren (Bodenseekreis: 26 Prozent). Auch das geplante Wachstum im Ausland sei mit 18 Prozent „extrem hoch“, so Jany. Dabei würden Unternehmen vor Ort bleiben und zusätzlich woanders investieren.

Breitband und Verkehr

In Sachen Breitbandversorgung sind Unternehmen aus Tettnang im Vergleich mit anderen Gemeinden und Städten des Regierungsbezirks Tübingen besonders unzufrieden: Schlechter sind nur Mengen und Münsingen bewertet worden.

Bei der überregionalen Erreichbarkeit über die Straße, so Jany, „können Sie machen was Sie wollen“. Das hinge an der Entfernung zur Autobahn. Wichtig sei es, die Bundesstraßen ausreichend zu ertüchtigen. Ebenfalls im unteren Drittel bewerten Unternehmen Tettnang beim Öffentlichen Personennahverkehr, was aber, so Jany, auch am fehlenden Bahnhof liege.

Bezüglich der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen verwies Jany darauf, dass eben keine „riesigen Flächen“ zur Verfügung stünden. Ziel müsse es allerdings sein, die vorhandenen Unternehmen zu halten und ihnen Wachstum vor Ort zu ermöglichen. Bei der Verfügbarkeit von beruflich qualifizierten Fachkräften und bei der Verfügbarkeit von Auszubildenden liegt Tettnang im oberen Drittel, aber die Zufriedenheit ist hier generell eher gering.

Stärke: Lebensqualität

Wichtig sei hier auch, Wohnraum bieten zu können. Jany: „Es ist schon mühsam genug, Fachkräfte anzuwerben.“ Da seien die hohen Mietpreise natürlich auch ein Thema. Jany: „Sie sind voll mit dabei im Siedlungsdruck.“ Jany verwies aber auch darauf, dass Tettnang auf der anderen Seite mit Stärken insbesondere mit Bezug auf Lebensqualität punkte.

Bürgermeister Bruno Walter bestätigte, dass preisgünstiger Mietwohnraum einer der größten Schwachpunkte der Region sei. Er verwies allerdings auf kommende Maßnahmen und hob die Bedeutung des St. Anna-Quartiers hervor, in dem 130 Mietwohnungen entstehen werden. Auch gebe es einen Breitband-Masterplan, aber das Thema sei eine große Herausforderung. Tettnang habe die größte flächenmäßige Ausdehnung im Bodenseekreis, auch seien bürokratische Hürden hoch. Walter brachte die kommunale Gesamtstrategie auf Basis des ISEK ins Spiel, die er auch schon beim Neujahrsempfang erwähnt hatte und die auf der Basis des Wachstums Ziele und Standards in verschiedenen Handlungsfeldern enthalten soll.

In der Diskussion ging es unter anderem um die Frage, ob Firmen etwa durch Werkswohnungen Wohnraum für Mitarbeiter schaffen könnten. Hier verwies Jany darauf, dass sich die Philosophie gewandelt habe und Unternehmen sich heute eher aufs Kerngeschäft. Hier seien in Zukunft kreative Lösungen gefragt.

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