ifm investiert Großteil der 90 Millionen vor Ort

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Ab Mai 2013 soll die neue Firma ifm automotive in Bürgermoos zu finden sein. (Foto: Roland Weiß)
Schwäbische Zeitung

Auf zwei Hochzeiten zu tanzen, wird mitunter schon als schwierig empfunden. Auf fünf Baustellen voran zu kommen, das ist gerade bei ifm angesagt – wenngleich natürlich auf die Schultern mehrerer „Töchter“ verteilt. In Wasserburg und Kressbronn wird dabei ebenso gebaut wie an drei Standorten in Tettnang – bei der „Mutter“ ifm electronic in Bechlingen, bei ifm prover im Waldesch (Schäferhof) und natürlich der Neubau von ifm automotive in Bürgermoos.

Ein 90-Millionen-Euro-Paket hatte ifm im Vorjahr geschnürt, das bis 2014/15 abgearbeitet sein soll. „Der Großteil der Investitionen passiert hier vor Ort“, bestätigt Martin Buck als Vorsitzender der ifm-Geschäftsführung. Was als klares Bekenntnis zu den hiesigen Standorten zu verstehen ist – zumal ihnen allen eines gemeinsam ist: Um sie herum hat ifm Flächen vorrätig, kann also bei Bedarf weitere Gebäudeabschnitte erstellen. „Das haben wir stets im Blick“, legt Buck Wert auf vorausschauende Planung.

Zu dieser gehört auch ein Vorgehen, das einer Diversifizierung nahe kommt: Nicht nur der verschiedenen „Töchter“ wegen, sondern auch durch den Auf- und Ausbau der ausländischen Standorte im technischen Bereich. „Wir haben sie deutlich gestärkt“, verweist der ifm-Geschäftsführer (zusammen mit Michael Marhofer) auf eine Strategie, die in den Jahren seit 2009 vermehrt verfolgt wird.

Zurück geht sie auf den Fakt, dass ifm rund 75 Prozent seines Umsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaftet – und das Wachstum im Ausland stärker ausfällt als im Inland. Weltweit ist ifm electronic in über 90 Ländern präsent (zumeist mit Vertriebsorganisationen) und hat über 100 000 Kunden bei besagter hoher Exportquote. „close to you“, das Motto und der Anspruch der Firma schlug und schlägt sich deshalb auch in der verstärkten internationalen Ausrichtung auf die Märkte nieder – gerade auch bei den Produktionsstandorten.

„Präsenter sein in den relevanten Märkten und unabhängig sein von Währungsschwankungen“, das sind Gründe, die Martin Buck in diesem Zusammenhang anführt. Nicht verschweigen will er ein im Süden Deutschlands hausgemachtes Problem: Da in der Region fast Vollbeschäftigung herrscht, gestaltet sich die Personalfrage „chronisch“ schwierig. Über 100 offene Stellen sind es bei ifm zur Zeit, wobei nicht nur der Ingenieurs- und Fachkräftemangel ein Thema ist: Auch Produktionspersonal findet sich nicht immer so leicht in der Zeit, wie es ifm benötigt. Daher also der Ausbau in den USA, Polen, Singapur und Indien. Wobei sich Martin Buck gegen den Begriff „Verlagerung“ wehrt: Zutreffen mag dies allenfalls für die Steckverbindungen (künftig in Opole/Polen), seien dies doch Produkte, „die sich nur schwer automatisieren lassen, somit langfristig für die Produktion in Deutschland nicht geeignet sind“.

Die internationale Orientierung habe also keinerlei Auswirkungen auf die Arbeitsplätze am Bodensee gehabt. Betroffene Mitarbeiter seien auf andere Standorte und Abteilungen verteilt worden – so wie ifm es von vornherein zugesagt hatte. Was möglich ist, denn: „Wir generieren Wachstum, so dass es auch auf die hiesigen Standorte positive Auswirkungen hat.“ Verweisen kann Buck dabei auf Umsatzsteigerungen, die 2010 bei beeindruckenden 20 und 2011 bei 25 Prozent lagen.

Über 4300 Beschäftigte hat ifm weltweit, mit etwa 1600 ist Tettnang-Bechlingen auf lange Sicht der größte davon. Für das große Investitionspaket skizziert Martin Buck den Kontext der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: 2009 sei noch wenig angestoßen worden (außer dem Umzug prover), 2010 und 2011 kam es zu einem Investitionsstau, „den wir momentan abarbeiten“. Sollte die Wirtschaft abkühlen (Buck: „noch ist keine deutliche Eintrübung zu verfolgen“), ist auch ifm auf ein „normales“ Wachstum eingestellt – und hat die Investitionsphase dann bereits in trockenen Tüchern.

Im Einzelnen: An folgenden fünf Standorten wird derzeit gebaut:

Kressbronn : Ist ifm syntron an der Argenstraße beheimatet, so ist bei ifm ecomatic im Heidach heute in einer Woche Einweihung.

Wasserburg : Der Erweiterungsbau der ifm flexpro (seit 1998 in Hege) sollte 2012 abgeschlossen sein.

TT-Bürgermoos: Der Rohbau steht im Gewerbegebiet: Die neue Firma ifm automotive öffnet hier wohl ab Mai 2013 die Türen.

TT-Bechlingen: Am Hauptsitz sind die Arbeiten kurz vor der Fertigstellung. 12,5 Millionen Euro fließen und flossen hier in ein neues Produktionsgebäude, Parkplätze und das Zentralgebäude.

TT-Waldesch: Hier steckt die Erweiterung von ifm prover noch in der Bauphase.

Zudem fällt der Blick auf vier Standorte im Ausland:

Exton/Malvern (USA) : Ende Juli hat ifm prover den neuen Entwicklungs- und Produktionsstandort in Malvern/ Pennsylvania eröffnet (3600 Quadratmeter/70 Mitarbeiter). Erweitert wird damit die vorhandene Produktion in Exton, das als Vertriebsstandort verbleibt. Gefertigt werden in Malvern neben induktiven Sensoren der optoelektronische Sensor „OG cube“ und die Kabeldosenlinie ecolink – zunächst speziell für den US-Markt.

Opole (Polen): An Steckverbindungen arbeiten seit 2012 rund 150 Mitarbeiter im Südwesten Polens.

Pune (Indien): 16 Mitarbeiter sind es seit 2010 an dem Entwicklungsstandort (hauptsächlich Software) im Westen des Landes.

Singapur: Seit 2011 sind 13 Mitarbeiter mit Produkten der Positionssensorik befasst.

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