„Ich versuche bis heute, ihm auf der Spur zu bleiben“

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Karin Berhalter
Karin Berhalter (Foto: tab)
Schwäbische Zeitung
Tanja Buchholz

Karin Berhalter, Dekanatsreferentin aus Wangen, hat hat in der St.-Gallus-Kirche in Tettnang über ihren Weg zu Gott berichtet und damit ein sehr persönliches Zeugnis ihres Glaubens abgelegt. Zuvor sagte Pfarrer Rudolf Hagmann zum Auftakt der vierten und letzten Fastenpredigt, dass man das Motto der Reihe auch aus einer anderen Perspektive sehen könne: Es gehe nicht nur um den Weg jedes einzelnen mit Gott, sondern ebenso auch um Gottes Weg mit allen Menschen, den man in diesen Betrachtungen finden könne.

Die Referentin kommt aus Wasseralfingen auf der Ostalb und ist in einer großen Familie aufgewachsen. In der frühen Kindheit ist sie von ihrer Mutter sehr im katholischen Glauben geprägt worden, die sie in die Kirche mitnahm und ihr Verständnis für den Sonntag und die kirchlichen Festtage prägte. „Je älter ich werde, umso mehr bewundere ich heute das untrügliche Gespür meiner Mutter als Christin. Sie hat immer, wenn es nötig war, ganz pragmatisch und teilweise unkonventionell ihren Teil beigetragen und war sich sicher, dass Gott alles weitere tun würde“, so Berhalter.

Auch zum Vater hatte sie eine enge Bindung, da dieser für sie da war, auf sie einging und ihr das Gefühl gab, sie könne mit allem zu ihm kommen. So entstand ihr Bild von Gott als gütigem Vater, zu dem man ohne Angst vor Strafe und voll Vertrauen kommen konnte. Mit sechs Jahren starb ihr geliebter Großvater, was sie zum ersten Mal im Leben dazu brachte, sich zu fragen: „Was soll das für ein Gott sein, der so etwas zulässt?“ Diese Frage stellte sie sich im Laufe ihres Lebens immer wieder, etwa in ihrer Zeit als Krankenhausseelsorgerin, die mit dem Tod krebskranker Kinder konfrontiert war. Aber aus den Zweifeln fand Berhalter immer wieder einen Weg heraus.

Theologie- statt Medizinstudium

„Mich haben immer wieder Menschen aufgefangen, die mich gesehen und mir etwas zugetraut haben. So wurde ich mit zehn Jahren Lektorin, leitete mit 16 eine Firmgruppe und bekam kurz vor meinem Abitur von unserem Pfarrer die Einladung zu einem Seminar ‚Theologie – wozu?‘ “, erzählt Berhalter. Dieses Seminar bewog sie, anstelle von Medizin doch Theologie zu studieren. Der Anfang fiel ihr schwer, bis ein Diakon sie als Studentin in die Klinikseelsorge brachte, wo sie aktiv für die Menschen da sein konnte.

Auch wenn sie immer wieder an die Grenzen ihres Glaubens kam und manchmal Gott wie ein großes Fragezeichen für sie sei, habe sie doch nie aufgegeben: „Ich versuche bis heute, Gott auf der Spur zu bleiben und bin dankbar für alle die Geschichten und Gleichnisse aus der Bibel, die ihn uns nahebringen.“ Immer wieder erfahre sie Gott als ermutigenden, den Menschen zugewandten und liebenden Gott, über den Jesus gesprochen hat. „Die höchste Ehre Gottes ist ein lebendiger Mensch, einer, der einen Blick für die Schönheit der Natur, die vielen Begegnungen mit anderen Menschen und das Vertrauen seiner Weggefährten hat. Das macht den Glauben aus“, schloss Karin Berhalter ihre Ausführungen.

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