Der Mordprozess vor dem Landgericht Ravensburg wird am Montag, 18. November, fortgesetzt.
Der Mordprozess vor dem Landgericht Ravensburg wird am Montag, 18. November, fortgesetzt. (Foto: Peter Steffen)
Siegfried Großkopf

Abgründe aus einem Zusammenleben zweier Menschen haben sich auch am gestrigen fünften Prozesstag im Tettnanger Mordfall vom 28. April wieder aufgetan. Wie die Schwester der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagten Ehefrau des Opfers aussagte, habe sie von ihrer Schwester eine Sprachnachricht mit dem Wortlaut erhalten: „Ich könnte ihn umbringen. Dann gehe ich zwar in den Knast, aber das lohnt sich“. Mit „ihn“ war ihr 59-jähriger Ehemann gemeint.

Im auch am Freitag wieder mit zahlreichen Prozessbeobachtern besetzten Saal 1 des Landgerichts Ravensburg kamen zunächst Polizeibeamte zu Wort, die nach der Tat in der Tettnanger Jahnstraße mit der Auswertung von Datenträgern der Beteiligten befasst waren. Dabei wurden in den Botschaften des Öfteren eine Unzufriedenheit mit der Wohnsituation kommuniziert, Scheidungsabsichten und gegenseitige verbale Angriffe geäußert und Verabredungen zum gemeinsamen Trinken getroffen. Immer ging es auch um die Bestellung von Alkoholika und Zigaretten.

Bilder des betrunkenen Opfers

Auf dem Handy der 45-jährigen Angeklagten gab es Bilder von dem späteren Opfer, als dieses betrunken auf dem Sofa gelegen hat.

Geklagt wurde von ihr darüber, ihr Noch-Ehemann behandle sie schlecht, sei dauernd betrunken und mache die Nacht zum Tag. Auch die Nachricht, „Ich könnte ihn umbringen…“ gab es dort und die Vermutung, „Er wird wohl doch nicht umziehen“. Gemeint war damit die gescheiterte Absicht, den 59-Jährigen zum Auszug aus der Wohnung zu bewegen.

In der Tatnacht war eine junge Rettungssanitäterin mit ihrer Truppe zweimal in der Wohnung. Sie schilderte die dort angetroffene angespannte und aggressive Stimmung, die von allen Bewohnern ausgegangen sei. Bei ihrem zweiten Einsatz, als der Patient auf dem Boden lag und reanimiert werden musste, wurde lautstark beleidigt, schimpfte dessen Stieftochter, der „tue nur so“. Gemeint war ihr Stiefvater.

Die Schwester der Ehefrau des Opfers und Tante deren Tochter, berichtete im Zeugenstand von der gemeinsamen Kindheit in der ehemaligen DDR, die, obwohl die Eltern geschieden waren und die Mutter fünf Kinder zu ernähren hatte, harmonisch gewesen sei. Ihren Vater hatten die Kinder nicht kennengelernt. Zu ihrer Schwester, die zweimal verheiratet gewesen war, habe sie immer ein gutes Verhältnis gehabt. In deren Probleme mit dem späteren Opfer habe sie sich nicht eingemischt. Sie habe gewusst, dass ihre Schwester „nicht richtig glücklich“ mit ihm war und er sie geschlagen habe.

Deren jetzt wegen Mordes angeklagten späteren Liebhaber habe sie bei einem gemeinsamen Besuch der drei Jahnstraßen-Bewohner in Pirna kennengelernt. Er habe als „guter Freund“ des 59-Jährigen gegolten.

Der Prozess wird am Montag, 18. November, um 9 Uhr fortgesetzt.

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