Holzer bereut Schritt über den großen Teich nicht

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mit den Freunden Fabian Funke und Mannschaftskamerad Jannick Martens vom FC St. Pauli. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung

Früh morgens um 6 Uhr zum Training und das drei Mal in der Woche, da würde selbst der durchschnittliche deutsche Bundesliga-Profi zucken. Für Michael Holzer war das ein Jahr lang Alltag: Im Sommer 2011 war der 22-jährige Tettnanger von den Stuttgarter Kickers in die amerikanische College-Liga gewechselt – mit der Verlockung, parallel dazu an der University of North Carolina in Greensboro zu studieren.

„Ich hatte ein sehr gutes Jahr“, sagt Holzer, der auf Empfehlung seines Kickers-Kollegen Hakan Ilhan den Sprung über den großen Teich gewagt hatte, allerdings auch zugibt: „Ich wusste nicht, was mich erwartet.“ In einem Wort: Umstellung. Was mit dem Wetter (durchgängig schwüle Hitze) anfing und übers große Interesse der Amerikaner an der College-Liga (im Schnitt mehr als 2000 Zuschauer) bis zu den Trainingszeiten und –methoden reicht.

Bei letzteren stehen Kraft und Kondition im Vordergrund – speziell die Laufarbeit um 6 Uhr morgens ist prägnant. „Körperlich hat mir das sehr gut getan“, will Mittelfeldmann Michael Holzer nicht klagen. Wie er auch seinen Tagesablauf sehr sachlich schildert: Aufs Morgentraining folgt ein gemeinsames Frühstück, ab 9 Uhr dann Uni-Betrieb (Fachrichtung Medien und Kommunikation) bis 14 Uhr, gefolgt um 16 Uhr vom zweiten Training und vom Abendessen. Und statt Party ist danach nochmals Büffeln angesagt – „eigentlich ein ziemlich harter Tag“, schmunzelt Holzer.

Allerdings mit einer Gegenleistung – übernimmt die Universität doch die Kosten für Wohnung, Verpflegung und Studium. Für dieses Stipendium erwartet sie ihrerseits Leistung: zum einen fußballerischer Natur, zum anderen fachbezogen. So braucht es einen bestimmten Notenschnitt, um ins nächste Semester einzuziehen – vier Jahre, also acht Semester sind das Gardemaß.

Für Michael Holzer passiert dies in einer Fremdsprache – in Englisch eben. „Das war schon eine Umstellung“, bilanziert er – samt dem Nachsatz: „Aber ich bin sehr zufrieden.“ Was er auch mit seinem sportlichen Werdegang sein kann: „Zumindest Regionalliga-Niveau“ bescheinigt er der College-Liga, deren „Division I“ immer wieder auch im Fernsehen aufscheint.

Unter sieben Teams wurde die University of North Carolina Meister, allerdings gibt es hier keinen Auf- oder Abstieg. Hingegen darf sich der Pokalsieger auf nationaler Ebene messen. Aber eben dieses Pokalfinale haben Holzer und die Seinen verloren.

Ziele sind also vorhanden, wenn Michael Holzer am 6. August wieder nach Charlotte fliegt (übrigens von Frankfurt aus in nur acht Stunden). Zuvor wird er sich schon bei Neu-Drittligist Stuttgarter Kickers fit machen. Die sollten ihn in bester Erinnerung haben: Mitte Mai war Michael Holzer aus den USA zurückgekehrt und war mit Gastspieler-Erlaubnis für die U23 der Kickers aufgelaufen. Ein 2:2 gegen seinen vormaligen Club FC 08 Villingen und ein 2:1 gegen Nöttingen trug dazu bei, dass die „Blauen“ den Abstiegsrang verließen und die Oberliga hielten.

Vor Zukunft nicht bange

Viele gute Erfahrungen also, die der württembergische Auswahlspieler der U21 sammeln durfte. Doch nicht nur deshalb ist es Michael Holzer vor der Zukunft nicht bange: „Das Studium gibt mir Sicherheit“, weiß er seine beiden Standbeine zu schätzen – wohlwissend, dass ein solches Miteinander von Studium und professionellem Fußball in Deutschland kaum zu realisieren wäre. In den USA ist dafür alles eng aufeinander abgestimmt – und dann lässt sich auch das 6-Uhr-Training verkraften.

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