Glotzen und grapschen? Nein!

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Kinder haben das Recht nein zu sagen
Schwäbische Zeitung
Kai Lohwasser

Nein sagen will gelernt sein. Erst recht, wenn es um sexuelle Belästigung von Kindern geht. Der Bodenseekreis geht nun in die Offensive. Am Donnerstag haben die Frauen- und Familienbeauftragte des Landkreises, Veronika Wäscher-Göggerle, und Tettnangs Bürgermeister Bruno Walter das Thema in die Öffentlichkeit gerückt. Im Freibad im Ried warben sie dafür, Übergriffe bereits im Keim zu ersticken und nötigenfalls Hilfe zu holen.

Es beginnt oft im Kleinen. Aus Blicken werden Berührungen, aus unbefangenem Spiel entstehen unangenehme Situationen. „Das fängt beim Betatschen an und kann bei einem Übergriff enden“, sagt die Familienbeauftragte des Bodenseekreises. Formen von Belästigung können grapschen, Badehose runterziehen oder auch nur eine Form des Anfassens sein, die sich nicht gut anfühlt. Gegen solche unliebsamen Aktionen können Kinder sich wehren, ermutigt man die jungen Badbesucher seitens des Landkreises und wirbt mit Flyern, Postern und Klebetattoos für das Recht der Jüngsten nicht alles hinnehmen zu müssen.

Denn die Familienbeauftragte weiß: Sexuelle Belästigung von Kindern und Jugendlichen ist ein Tabuthema – und übrigens keineswegs ein neues Phänomen. „Übergriffe gab es zu allen Zeiten“, sagt Wäscher-Göggerle, der es bei der Kampagne des Kreises vor allem darum geht, „dass betroffene Kinder sich trauen, sich zu wehren oder Hilfe zu holen“, wenn sie selbst oder andere Kinder Gefahr laufen, Opfer einer wie auch immer gearteten Belästung zu werden.

Wie oft Kinder tatsächlich Opfer von fehlgeleiteten Trieben Erwachsener werden, lässt sich nur schwerlich beziffern, denn die Übergänge sind fließend. Die Frage ist: Wo beginnt Belästigung? Das hänge einerseits von der Motivation des Belästigers und andererseits davon ab, wie es beim Kind ankommt, heißt es seitens der Polizei. Während sich für den einen bereits bei bestimmten Blicken ein komisches Gefühl einstellt, steckt ein anderer möglicherweise weg, dass er gerade geschubst, getunkt oder an den Beckenrand gedrängt wurde.

„Ich bin überzeugt, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist“, sagt Bruno Walter, der die Thematik erst in den vergangenen Jahren aus der Tabuzone entweichen sieht. Für den Bürgermeister steht fest: „Man muss Kinder und Jugendliche schützen.“ Einerseits. Andererseits gelte es aber auch, sensibel mit der Problematik umzugehen.

„Du hast das Recht Nein zu sagen“

Zunächst ist den Initiatoren der Kampagne aber wichtig, das Thema in den Fokus zu rücken. Denn die jungen Besucher der 24 Freibäder im Bodenseekreis sollen wissen, dass sie Belästigungen gleich welcher Natur nicht einfach erdulden müssen. „Du hast das Recht Nein zu sagen“, heißt es beispielsweise in einer Broschüre, die Veronika Wäscher-Göggerle herausgegeben hat. Oder: „Glotzen und grapschen? Nicht mit mir!“ Erste Ansprechpartner können in Zweifelsfällen das Schwimmbadpersonal oder auch andere Badegäste sein. Tipps gibt’s auch bei der polizeilichen Beratungsstelle, dem Jugendamt und der Beratungsstelle „Morgenrot“ in Friedrichshafen.

Weitere Infos zur Kampagne erteilt Veronika Wäscher-Göggerle, Telefon 07541 / 204 54 75, E-Mail

veronika.waescher-goeggerle@ bodenseekreis.de

Kinder haben das Recht nein zu sagen
In einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne stellt der Bodenseekreis sexuelle Belästigung von Kindern in den Mittelpunkt. Gerade in den 24 Schwimmbädern des Bodenseekreises komme es immer wieder vor, dass Kinder gegen ihren Willen belästigt werden.
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