Georgs-Kapelle soll Tauf- und Hochzeitskapelle werden

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Die St.-Georgs-Kapelle am Montfortplatz soll zur Hochzeits- und Taufkapelle werden. Ein Schmuckstück in der Kirche ist der Hoch
Die St.-Georgs-Kapelle am Montfortplatz soll zur Hochzeits- und Taufkapelle werden. Ein Schmuckstück in der Kirche ist der Hochaltar von Feuchtmayer, auf den Architekt Albrecht Weber besonders hinweist. (Foto: Angelika Banzhaf)
Schwäbische Zeitung
Angelika Banzhaf

In die St.-Georgs-Kapelle soll mehr Leben einkehren. Das Gotteshaus soll vor allem als Tauf- und Hochzeitskapelle mehr in den Mittelpunkt rücken. Von Vorteil ist hierbei die Nähe zum Rathaus. „In ihm kann zuerst standesamtlich und anschließend in der St.-Georgs-Kapelle kirchlich geheiratet werden“, empfiehlt Architekt Albrecht Weber vom Büro für Baudenkmale (Langenargen). Ihn hat die katholische Kirchengemeinde St. Gallus damit beauftragt, die erforderlichen liturgischen und denkmalgerechten Sanierungsarbeiten im Kirchenraum und im Chorumgang auszuführen.

„Der erste Bauabschnitt der Chorumgangsdächer ist bereits beendet“, erzählt Weber und ergänzt, dass für die Arbeiten Kosten in Höhe von 78 000 Euro zu Buche schlagen. Nötig wurde die Sanierung, da Fäulnis und eingedrungenes Wasser die Dachstühle der Chorumgangsdächer sowie Teile der Sandsteinsimse in großem Maße zerstört haben.

Im zweiten Bauabschnitt wird eine liturgische Umgestaltung der Kapelle ausgeführt. Hierzu wird der Taufstein, der derzeit als Weihwasserbecken genutzt wird und am Eingang Richtung Montfortplatz steht, in die Mitte des Raumes gerückt. „Viele wissen gar nicht, dass wir so einen wertvollen Ausstattungsgegenstand haben und dass er das ehemalige Taufbecken der Grafen von Montfort ist,“ sagt Pfarrer Hagmann. Bemerkenswert sei auch der wunderschöne, kunstvolle Hochaltar von Feuchtmayer. Er stammt aus der Schlosskapelle des Neuen Schlosses und entstand um 1755.

Eine weitere kleine Kostbarkeit ist das Prager Jesuskind, das ein Seidenkleid mit Rocaillesverzierungen trägt.

Mit der Sanierung soll die St. Georgs-Kapelle aus ihrem Schattendasein heraustreten. „Sie muss wieder mit Leben gefüllt werden“, sagt Rudolf Hagmann und ergänzt: „Manchen ist die St.-Gallus-Kirche für Taufen und Hochzeiten zu groß.“ Da die Georgs-Kapelle kleiner sei, sei sie für solche Feierlichkeiten ideal.

Verbunden mit dem Umbau ist der Einbau einer neuen Heizung. „Bis April testen wir eine Dunkelstrahler-Infrarot-Heizung. Es ist ein System, das es bisher in dieser Ausführung noch nicht gegeben hat“, sagt Weber, der sogar von einer Pionierarbeit spricht. Denn das System könnte auch für andere, denkmalgeschützte profane und sakrale Bauten mit kurzzeitigen Nutzungszeiten überaus wertvoll sein. Anfangs habe man noch überlegt eine Fußbodenheizung einzubauen, so der Architekt. „Hierfür hätte man jedoch den historischen Kapellenfußboden bedecken müssen.“

Räume im Chorumgang umnutzen

Die Strahlungsheizung, die nur zu den wenigen Nutzungszeiten in Betrieb sein wird, sei jedoch gesamtwirtschaftlich günstiger als eine Fußbodenheizung und denkmalgerecht reversibel zu installieren, so Weber. „Es gibt die Strahlflächen als dünne weiße Platten unter Sitzbänken, als auch als Wandtafel für dieses Projekt.“ Derzeit sei man zudem mit dem regionalen Hersteller in der Entwicklung von zentralen, eher sakralen radleuchterartigen Zentralstrahlern, die im Zentrum der Kreuzgewölbe abgehängt werden können.

In der Georgs-Kapelle gibt es eine weitere Besonderheit. Besitzt sie doch zwei Räume im Chorumgang, die bisher eher als Lagerraum genutzt wurden. Sie sollen nun einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Der 24 Quadratmeter große Mehrzweckraum mit kleiner Küche (Richtung Montfortplatz) soll, neben einer temporären Sakristeifunktion, für kirchliche Gruppen zur Verfügung stehen. In ihm könnten auch Beichtgespräche stattfinden. Angebaut werden soll im hinteren Hofbereich (zum Wasserrad) ein Sanitärraum, der zweite Raum Richtung Tobel könnte später als Übernachtungsraum dienen.

Wunsch ist, dass der zweite Bauabschnitt bis Weihnachten 2017 abgeschlossen ist, die genehmigte Kosten hierfür betragen 325 000 Euro. Ob Fördergelder fließen, das wird derzeit erkundet.

Der Ursprung der Georgs-Kapelle geht auf Graf Wilhelm II. von Montfort zurück. Die Nähe zur mittelalterlichen Burg der Montforter, die an der Stelle des Neuen Schlosses stand und 1488 sowie 1633 ausbrannte, und die Wahl des Heiligen Georgs als Patron lassen vermuten, dass die Kapelle als Gotteshaus fürs Grafengeschlecht gedient hat. Nachzulesen auf der Homepage der Stadt, Unterpunkt: tourismus-freizeit.

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